Am 14. Mai teilte das Büro des Generalstaatsanwalts mit, dass ein Abgeordneter, dem am 5. Mai der zweite Verdacht der Hochverrats zugestellt wurde, in Untersuchungshaft ohne Alternative verbleiben wird. Der Name fehlte in der offiziellen Mitteilung, aber Oleksandr Dubinsky selbst bestätigte dies auf seinem Telegram-Kanal — und bezeichnete den Fall sofort als politisch motiviert.
Worauf sich die Ermittlungen stützen
Nach Version der Ermittler verbreitete Dubinsky systematisch über Telegram, Facebook und Instagram Material zu Gunsten Russlands: Diskreditierung der ukrainischen Führung, Fake News über „Einmischung ukrainischer Beamter in die US-Wahlen von 2019" und Inhalte zur Unterminierung der Mobilisierung. Es handelt sich nicht um einzelne Beiträge — die Ermittler ordnen die Handlungen als Teilnahme an einer kriminellen Organisation ein.
Ein Schlüsseldetail, das diesen Verdacht von früheren unterscheidet: Die Ermittler behaupten, dass das Netzwerk vom stellvertretenden Leiter des GRU Wladimir Alexejew gebildet wurde. Dubinsky figuriert darin unter dem Decknamen „Buratino". Daneben der ehemalige Abgeordnete Andrei Derkach (floh vor der Vollinvasion ins Ausland, wird in Abwesenheit der Hochverrats verdächtigt) und der ehemalige Staatsanwalt Konstantin Kulik mit dem Rufnamen „Vogel", der sich ebenfalls im Ausland verborgen hält.
„Ich leitete ein Agentennetzwerk, das vom stellvertretenden Leiter des GRU Wladimir Alexejew geschaffen wurde und in das Kulik — ‚Vogel', Dubinsky — ‚Buratino', Derkach verwickelt waren"
— Igor Kolesnikow, ehemaliger Assistent Derkasch, verurteilt wegen Hochverrats
Kolesnikow ist der einzige aus diesem Quartett, der bereits seine Strafe verbüßt. Seine Aussage wurde zu einem der grundlegenden Elemente in den Fällen gegen die übrigen Netzwerkteilnehmer.
Chronologie, die den „zweiten" Verdacht erklärt
Der erste Verdacht des Hochverrats gegen Dubinsky — November 2023, für dieselbe Informations- und Unterminierungstätigkeit zum Vorteil Russlands. Parallel hat er noch einen anderen Fall — Organisation illegaler Ausreisen von Männern im wehrfähigen Alter ins Ausland, der im Januar 2025 vor Gericht kam. Der aktuelle, dritte Verdacht vom 5. Mai 2025 — über neue Fälle der Verbreitung von Narrativen und Sabotage der Mobilisierung — gab Grund für eine neue, separate Verhaftung.
Bemerkenswert ist, dass bereits im August 2025 die Medien eine paradoxe Situation dokumentierten: Dubinsky leitete anderthalb Jahre den Unterausschuss der Werchowna Rada für Finanzfragen — aus dem Untersuchungsgefängnis. Sein Abgeordnetenmandat legte er nicht ab, das Verfahren zur Aberkennung des Mandats in Kriegszeiten bleibt eine Schwachstelle der ukrainischen Gesetzgebung.
Argument der Verteidigung und seine Grenzen
Dubinsky behauptet konsequent: Die Verfolgung ist Rache für Kritik an der Regierung. Dieses Argument hat ein gewisses Publikum — ein Teil seiner Anhänger sieht den Fall auf diese Weise. Das Problem ist, dass die USA bereits im Januar 2021 Sanktionen gegen ihn und Kulik verhängten — lange vor dem Vollkrieg und der aktuellen Präsidentschaft. Die amerikanische Seite wies direkt darauf hin: Dubinsky und Kulik verbreiteten koordiniert Desinformation gegen Biden während der Wahl 2020.
- Erster Verdacht des Hochverrats — November 2023
- Fall der illegalen Ausreise von Männern ins Ausland — vor Gericht gebracht im Januar 2025
- US-Sanktionen — seit Januar 2021, gelten bis heute
- Zweiter Verdacht des Hochverrats (neue Fälle) — 5. Mai 2025
- Verhaftung ohne Alternative — 14. Mai 2025
Zwei der drei Netzwerkteilnehmer — Derkach und Kulik — befinden sich außerhalb der Ukraine und sind für Gerichte unerreichbar. Sollte Dubinskys Fall zu einem Urteil gelangen, wäre dies der erste gerichtliche Präzedenzfall aus diesem Quartett auf ukrainischem Territorium. Die Frage ist, ob die Anklage einer Überprüfung vor Gericht standhalten wird — oder ob sie auf der Ebene des Untersuchungsgefängnisses steckenbleibt, wie das bereits in aufsehenerregenden Fällen vorgekommen ist.