NBU lockert Devisenbeschränkungen: Was sich ändert und warum gerade jetzt

Andriy Pyshnyi kündigte eine Liberalisierung der Devisenlimits nach Konsultationen mit dem IWF an. Wir analysieren, was hinter diesem Schritt steckt und welche Risiken er birgt.

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Андрій Пишний (фото - НБУ)

Die Nationalbank der Ukraine bereitet sich darauf vor, die Währungsbeschränkungen für die Bevölkerung zu überprüfen. Der Gouverneur der NBU, Andrij Pyschnyi, bestätigte, dass die Entscheidung zur Lockerung der Limits nach Konsultationen mit dem Internationalen Währungsfonds getroffen wurde. Die Details werden vorerst nicht offengelegt, doch die Ankündigung selbst ist bereits ein Signal für den Markt.

Was es derzeit gibt

Seit Februar 2022 leben Ukrainer unter strengen Währungsbeschränkungen: Limits beim Kauf von Bargeldvaluta, Beschränkungen bei internationalen Überweisungen, Verbot der vorzeitigen Abhebung von Devisenguthaben. Diese Maßnahmen führte die NBU in den ersten Monaten der vollumfänglichen Invasion durch – und sie funktionieren: Eine starke Abwertung konnte vermieden werden.

Jedoch hat sich die Situation in drei Jahren verändert. Die internationalen Devisenreserven der NBU überschritten die Marke von 43 Milliarden Dollar – ein Rekordwert. Die Griwna behält relative Stabilität, auch unter ständigem Druck.

Warum jetzt

Die Konsultationen mit dem IWF sind kein zufälliger Kontext. Der Fonds besteht konsequent auf einer schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik als Voraussetzung für eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung. Die Liberalisierung der Währungsbeschränkungen ist Teil des Katalogs struktureller Indikatoren des Programms.

Gleichzeitig gibt es inneren Druck: Der Schwarzmarkt für Währungsumtausch verschwindet nicht, er migriert lediglich in weniger transparente Kanäle. Übermäßig strenge Beschränkungen treiben die Menschen faktisch dazu, die offiziellen Regeln zu umgehen.

Das Risiko, über das niemand offen spricht

Die Hauptfrage ist nicht, ob die Beschränkungen gelockert werden, sondern in welchem Tempo und auf welche Weise. Eine zu schnelle Liberalisierung in aktiven Kriegsphasen könnte zu einem Kapitalabfluss aus dem Bankensystem führen. Die NBU balanciert zwischen zwei Gefahren: Die Beschränkungen beizubehalten bedeutet, den Schwarzmarkt zu fördern, sie schnell zu entfernen – die Wechselkursstabilität zu riskieren.

Pyschnyi hat bislang weder Zeitrahmen noch konkrete Parameter der Änderungen bekannt gegeben. Das deutet entweder auf Vorsicht des Regulators hin oder auf das Fehlen einer mit dem IWF endgültig abgestimmten Position.

Wenn die NBU tatsächlich einen mit dem Fonds abgestimmten Plan hat – warum ging die Ankündigung den öffentlichen Details voraus, anstatt umgekehrt?

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