Ein Ermittler der Territorialen BEB-Abteilung in der Kiewer Region forderte von einem Unternehmer 150.000 Dollar – als „Garantie" für die Vermeidung von Verfolgung und die Freigabe von Konten. Ein Analyst derselben Behörde kassierte 2.000 Dollar für seinen Einfluss auf Kollegen in der Steuerbehörde. Beide wurden von der NABU und der SAP enttarnt. Zwei Verhaftungen mit einem Abstand von wenigen Wochen – und plötzlich stellt sich eine unbequeme Frage: Wenn strafrechtliche Verfahren gekauft oder verkauft werden können, wie lässt sich dann feststellen, wie viele der tausenden eröffneten BEB-Fälle aus rechtlichen und nicht aus kommerziellen Gründen existieren?
Flugzeuge als „geistiges Eigentum"
Parallel zu den Korruptionsenthüllungen laufen Verfahren gegen fünf ukrainische Fluggesellschaften, darunter MAU und „Konstanta". Die BEB hat Leasingzahlungen für Flugzeugmieten in Lizenzgebühren umklassifiziert – das heißt faktisch Flugzeuge für geistiges Eigentum erklärt. Daher die Vorwürfe: Die Unternehmen hätten angeblich Steuern auf Zahlungen an Gebietsfremde einbehalten müssen, wobei sie Artikel 8 der Übereinkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung mit den VAE und anderen Ländern ignorierten.
Ein solcher Ansatz widerspricht nicht nur der internationalen Steuerpraktik – er zerstört die Möglichkeit des Flugzeugleasings in der Ukraine überhaupt. Kein ausländischer Leasinggeber wird ein Flugzeug in ein Land bringen, in dem die Vertragskosten von einem Ermittler neu bewertet werden können.
„Eine echte Reform der BEB könnte die größten Betrugsschemata in der ukrainischen Wirtschaft unterbinden, die 100 bis 200 Milliarden Griwna pro Jahr ausmachen. Der Schattensektor bei Verbrauchssteuerwaren wächst, Devisenzentren funktionieren. Wir können nur den Schluss ziehen, dass die BEB ihre Funktionen nicht erfüllt".
Wladimir Dubrowskij, Senior Economist bei CASE Ukraine
Was bedeutet „Audit von Verfahren" in der Praxis
Der Anwalt Oleg Schram nannte in einem exklusiven Kommentar gegenüber UNN die Korruptionsenthüllungen ein Symptom eines systemischen Problems: Strafverfolgung wird als Druckmittel gegen Unternehmen genutzt und nicht als Mittel zur Wiederherstellung der Rechtsordnung. Eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit eröffneter Fälle – insbesondere der Luftfahrtfälle – hätte ein erster Schritt sein müssen.
Nach dem Skandal wurde auch im Parlament über eine Revision gesprochen: Ein Teil der Abgeordneten fordert die Überprüfung nicht nur des Personalbestands, sondern auch der Verfahren selbst. Die Logik ist einfach – ein Ermittler, der Fälle durch offizielle Vorladungen handelten konnte, konnte diese mit derselben Leichtigkeit eröffnen.
Nach Angaben der BEB selbst wurden 2024 durch ihre Aktivität 12 Milliarden Griwna an staatlichen Mitteln bewahrt. Doch der Schadensersatz in den an Gericht gerichteten Verfahren für das erste Halbjahr 2025 beträgt nur 3,1 Milliarden Griwna. Die Lücke zwischen dem deklarierten Effekt und den tatsächlichen Urteilen ist ein chronisches Problem der Behörde.
Neustart ohne Mechanismus – kein Neustart
Die „Ukrainska Prawda" zählte im August 2025 zehn Herausforderungen für den neuen BEB-Direktor auf: von unabhängigem Status nach dem NABU-Modell bis zur Verbesserung des Dialogs mit der Wirtschaft. Einer der Schlüsselpunkte ist die Verleihung des BEB-Status als zentraler Organ der Exekutive mit Spezialstatus. Der entsprechende Gesetzentwurf sollte im IV. Quartal 2025 eingereicht werden, doch laut einem der Kandidaten für die Stelle des Direktors Tsivinskij „stoßen die Veränderungen auf gewissen Widerstand".
Bislang ist das Audit der Verfahren nur eine Forderung eines Teils der Parlamentarier und keine festgelegte Prozedur. Wenn der neue BEB-Direktor eine unabhängige Überprüfung eröffneter Fälle unter Beteiligung externer Experten startet, wird dies der erste echte Test sein, ob der „Neustart" ein Wort oder eine Tat ist.