Kellogg kritisiert die USA wegen ihrer Enthaltung bei den Vereinten Nationen: Risiken für Verhandlungen und die territoriale Integrität

Anlässlich des vierten Jahrestags der großangelegten Invasion hat die UN‑Generalversammlung eine Friedensresolution verabschiedet — 107 Staaten stimmten dafür, doch die USA enthielten sich. Warum das so geschah und was das für die Ukraine bedeutet — kurz und bündig.

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Кіт Келлог (Фото: ЕРА)

Kurz — warum das wichtig ist

Der ehemalige US-Sondergesandte für die Ukraine und Russland, Kit Kellogg, hat die Haltung Washingtons nach der Abstimmung der UN-Vollversammlung über eine Resolution zum Frieden in der Ukraine scharf kritisiert. Der Text wurde von 107 Ländern unterstützt, Russland stimmte dagegen, und die USA enthielten sich — ein Schritt, der Fragen zur Konsistenz der internationalen Unterstützung für die territoriale Integrität der Ukraine aufwarf.

Was genau Kellogg sagte und wie die USA antworteten

"Eine UN-Abstimmung über einen dauerhaften Frieden in der Ukraine, und wir enthielten uns. Wer hätte das gedacht? Die Russische Föderation war gegen die Erklärung. Sind vier Jahre Krieg nicht genug? Sind vermisste Kinder, Beschuss von Städten und die Tötung unschuldiger Menschen nicht genug?"

— Kit Kellogg, ehemaliger US-Sondergesandter für die Ukraine und Russland

Die stellvertretende ständige Vertreterin der USA bei den Vereinten Nationen, Tammy Bruce, erklärte, dass nach Auffassung der amerikanischen Delegation der Resolutionsentwurf Formulierungen enthalte, die von den laufenden Friedensverhandlungen ablenken und nicht zur Erörterung des „gesamten Spektrums diplomatischer Wege“ beitragen würden. Laut Bloomberg habe die amerikanische Seite außerdem auf dem Entfernen von Passagen über die territoriale Integrität und die Notwendigkeit, einen „gerechten Frieden“ zu erreichen, bestanden.

"Die Resolution enthielt Formulierungen, die von den laufenden Friedensverhandlungen ablenken und die Erörterung aller diplomatischen Wege nicht fördern würden"

— Tammy Bruce, stellvertretende US-Botschafterin bei den UN

Kontext der Abstimmung

Die Abstimmung fand am 24. Februar statt — am vierten Jahrestag des groß angelegten Einmarsches der Russischen Föderation. Ergebnis: 107 dafür, mehrere Dutzend enthielten sich oder stimmten dagegen; Russland war unter den Gegnern. Diese Abstimmung ist mehr als ein Symbol: Sie dokumentiert die internationale Dynamik der Unterstützung und zeigt, wie unterschiedlich die Herangehensweisen selbst unter westlichen Partnern in Bezug auf Formulierungen und diplomatische Taktiken sind.

Warum sich die USA enthalten haben könnten: eine rationale Sicht

Aus Sicht Washingtons (und nach Bruces Erläuterung) liegt das Problem nicht in der Idee des Friedens, sondern in den konkreten Formulierungen. Diplomatie beruht oft auf sprachlichen Nuancen: Manche Formulierungen können den Spielraum für mögliche Kompromisse einschränken oder rechtliche Verpflichtungen implizieren, die weitere Verhandlungen erschweren würden. Deshalb haben die USA wahrscheinlich die Taktik der Enthaltung gewählt, um bestimmte Verhandlungsrahmen nicht festzuschreiben.

Folgen für die Ukraine

1) Reputationseffekt: Kelloggs öffentliche Kritik verstärkt die Fragen nach der Konsistenz der Stellung der Verbündeten in Bezug auf das Prinzip der territorialen Integrität — ein wichtiges Signal für internationale Gerichte und künftige Garantien.

2) Diplomatische Taktik: sprachliche Kompromisse in Resolutionen können den Wunsch der USA widerspiegeln, Optionen für Hinterzimmerverhandlungen offenzuhalten — das ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Ablehnung der Unterstützung für die Ukraine.

3) Innen- und Außenwirkung: Für die ukrainische Gesellschaft wirken solche Schritte wie eine Abschwächung des schleichenden Unterstützungsfronts; für den Gegner stellen sie eine Gelegenheit dar, Druck auf das Verhandlungsformat auszuüben.

Was Analysten sagen

Das diplomatische und analytische Umfeld weist darauf hin: Wichtig sind nicht nur die Stimmen im Saal, sondern auch das, was hinter den Kulissen geschieht — Verhandlungen, Garantien, militärische Hilfe. Viele Experten sind der Ansicht, dass Deklarationen in konkrete Unterstützungsmechanismen überführt werden müssen und die Formulierungen in Resolutionen keine realen Sicherheitsgarantien ersetzen dürfen.

Schlussfolgerung

Diese Auseinandersetzung geht um den Ausgleich zwischen Prinzipien und Taktik. Kellogg betont die moralische Dimension und dass Schweigen oder Enthaltungen Folgen für das Vertrauen der Ukraine in ihre Partner haben. Die USA antworten pragmatisch mit dem Argument, Worte könnten Verhandlungen erschweren. Nun sind die Verbündeten am Zug: Erklärungen müssen in konkrete Schritte und Garantien übersetzt werden, damit die Frage der territorialen Integrität nicht Gegenstand verbaler Kompromisse bleibt. Ob ein Ausgleich gelingt, hängt davon ab, wie bereit die Partner sind, die konkreten Interessen der Ukraine in den Mittelpunkt der Verhandlungen zu stellen.

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