Das US-Außenministerium und die ukrainische Botschafterin Olga Stefanischyna haben einen Memorandum-Entwurf vorbereitet – das erste offizielle Dokument auf dem Weg zu einem Rüstungsabkommen, das der Ukraine ermöglichen würde, Militärtechnologien in die USA zu exportieren und gemeinsam mit amerikanischen Unternehmen Drohnen herzustellen. Dies berichtet CBS News unter Berufung auf drei ungenannte Gesprächspartner, die mit den Details der Verhandlungen vertraut sind.
Ein Memorandum ist keine Vereinbarung. Es ist ein grundsätzliches Dokument über Absichten, das keine verbindlichen Verpflichtungen enthält und keinen Kontrollmechanismus für die Umsetzung vorsieht. Bis zu einem vollständigen Vertrag sind noch Einigungen über Preis, Umfang, Formate der gemeinsamen Produktion und – am wichtigsten – die Unterzeichnung durch beide Seiten notwendig, auf die man allem Anschein nach noch warten muss.
Wie die Idee entstand
Die Initiative entstand im August 2025, als Trump privat die SBU-Operation „Pavutyna" lobte – einen massiven Drohnenanschlag auf russische Flugbasen. Wie CBS News berichtet, steuerten ukrainische Piloten ferngesteuerte Sprengdrohnen, die zuvor unauffällig per Lastwagen nach Russland transportiert worden waren, und zerstörten Dutzende von Flugzeugen direkt auf den Landebahnen. Nach diesem Einsatz schlug Kiew Washington eine systematische Zusammenarbeit im Bereich der Drohnen vor.
„Wir haben einen Drohnenvertrag für die USA vorbereitet, ich habe ihn Präsident Trump angeboten. Darin enthalten sind Drohnen, Abwehr von Massenangriffen, elektronische Kriegsführungssysteme und vieles mehr"
— Präsident der Ukraine Wolodymyr Zelenskyj, April 2026
Was Kiew anbietet – und warum Washington interessiert ist
Die Zahlen zur Kluft zwischen den beiden Ländern sprechen für sich: Ein ukrainischer Hersteller plant, mehr als 3 Millionen FPV-Drohnen im Jahr 2026 zu produzieren – während die USA insgesamt nur 300.000 im Jahr 2025 hergestellt haben. Wie Army Recognition berichtet, wird in Washington über ein Paket diskutiert, das möglicherweise auf Dutzende Milliarden Dollar geschätzt wird – für „Millionen" von Drohnen über mehrere Jahre.
Ukraines Vorteil liegt nicht in einem einzelnen Drohnentyp, sondern in einem Ökosystem: 3D-Druck von Strukturen, modulare Sprengköpfe, geschützte digitale Kommunikationskanäle und schnelle Softwareaktualisierungen auf Basis täglich gewonnener Kampfdaten. Ein besonderer Bereich sind Technologien gegen Funkstörung. Das Unternehmen Sine Engineering, das kürzlich Millionen-Investitionen aus dem USA-Ukraine-Wiederaufbaufonds erhielt, hat ein System entwickelt, das Drohnen ermöglicht, ohne GPS unter Störungsbedingungen zu fliegen.
Bereits im März unterzeichnete General Cherry – einer der größten ukrainischen Drohnenhersteller – eine Vereinbarung über gemeinsame Produktion in den USA mit dem amerikanischen Unternehmen Wilcox Industries. Das Pentagon lud auch ukrainische Unternehmen ein, am Programm Drone Dominance teilzunehmen – einer Initiative im Wert von 1,1 Milliarden Dollar zur Auswahl von Drohnen für die Bedürfnisse der amerikanischen Armee.
Das Hindernis
Der Krieg im Iran hat neue Akzente gesetzt: Die Ukraine entsandte Abfangjäger und Piloten in den Nahen Osten, um US-Verbündeten zu helfen, „Shaheds" abzuschießen – dieselben Drohnen, mit denen Russland seit Jahren ukrainische Städte angreift. Die Nachfrage nach Kiewer Fachwissen ist stark gestiegen: In den letzten zwei Monaten unterzeichnete Zelenskyj Sicherheitsabkommen mit Saudi-Arabien, Katar und den VAE, und Verhandlungen laufen nach seinen Angaben mit fast 20 Ländern.
Allerdings melden ukrainische Beamte laut Gordon UA unter Berufung auf CBS-News-Quellen eine „fehlende Unterstützung" für das Abkommen durch hochrangige Beamte des Verteidigungsministeriums und des Weißen Hauses – und das geschieht genau während der iranischen Kampagne. Trump zeigte bereits im April öffentlich keinen Enthusiasmus für den Vorschlag, den Zelenskyj mehrmals wiederholte.
Die Situation ist paradox: Das Außenministerium hat das Dokument vorangetrieben – aber ohne das Pentagon und das Weiße Haus bleibt das Memorandum eine Absichtserklärung ohne Umsetzungsmechanismus.
Wie geht es weiter
Wenn der Unterzeichnung des Memorandums kein konkreter Plan mit Fristen, Umfängen und verantwortlichen Strukturen auf amerikanischer Seite folgt, riskiert das Abkommen, das Schicksal früherer Kiewer Vorschläge zu wiederholen – aufgeschoben und dann von Konkurrenten übernommen: Die Verträge mit der Golfregion sind bereits unterzeichnet, und die Ukraine wird nicht ewig warten.