Anfang April 2026 wurden die Bewohner von Nykopol gewarnt: In den Straßen der Stadt könnten Minen liegen. Nicht in der Nähe der Front — in der Stadt selbst. Kleine Kunststoffobjekte mit einem Durchmesser von 5–6 Zentimetern, ähnlich einer Scheibe oder einem Flaschendeckel. Ihre offizielle Bezeichnung ist Antipersonenmine vom Typ „Prjanik" (auch bekannt als „Plyushka"). Die Russen werfen sie ferngesteuert aus — mit Drohnen oder Artillerie-Streumunition.
Waffe nicht für die Front
Die „Prjanik" ist nicht zum Töten bestimmt — sie ist zum Verwunden bestimmt. Die Ladung ist relativ klein, aber ausreichend, um den Fuß oder die Gliedmaße einer Person, die auf sie tritt, schwer zu verletzen. Genau diese Logik — eine Person außer Gefecht zu setzen, anstatt sie zu töten — macht diese Waffenart in zivilen Gebieten besonders gefährlich: ein Opfer benötigt mehrere Rettungskräfte und medizinische Ressourcen.
Nach Angaben von Minenräumern wird die Mine durch Druck ausgelöst — durch das Treten mit dem Fuß auf den gesamten Körper mit einer seltenen Sprengstoffsubstanz. Das Kunststoffgehäuse wird von einem Metalldetektor schlecht erkannt. Auf dem Asphalt, im Gras oder im Müll ist sie praktisch unsichtbar.
„Wir rufen auf, dieses Gebiet nicht zu betreten. Das Minierungsgebiet könnte größer sein"
Polizei der Region Cherson, 3. April 2026
Nicht nur Nykopol
Das Erscheinen von „Prjaniks" in Nykopol ist kein isolierter Fall. In der ersten Aprilwoche 2026 wurden solche Minen in mindestens drei Siedlungen registriert: in Nykopol in der Region Dnipropetrowsk, in Komyschanky und direkt in Cherson — in der Straße Zalaegerseg zwischen der Universität und der Perekopska. In Cherson wurden Minen auch auf der Autobrücke über den Fluss Koschewo gefunden. Der Leiter der regionalen Militärverwaltung Cherson Oleksandr Prokudyn bemerkte, dass „Minen schwer zu sehen sind: Sie verstecken sich im Gras, Müll oder auf dem Asphalt".
Die ferngesteuerte Verminung des rechten Ufers der Region Cherson begann bereits in den ersten Tagen der groß angelegten Invasion, doch nach der Debesatzung nahm sie nach Einschätzung lokaler Strafverfolgungsbehörden einen systematischen Charakter an: Sprengkörper werden immer häufiger genau in Wohnvierteln registriert, nicht auf Industrie- oder strategischen Objekten.
Was zu tun ist, wenn man etwas findet
- Nicht herangehen, nicht berühren, nicht versuchen umzulegen
- Den Ort visuell fixieren (Foto aus der Ferne, Orientierungspunkte)
- 101 (Notfalldienst) oder 102 (Polizei) anrufen
- Menschen in der Nähe warnen und sich vom Objekt mindestens 200 Meter entfernen
Das Innenministerium und die lokalen Behörden betonen: Die Minierungszone könnte sich immer als größer als das ermittelte Gebiet herausstellen — eine Drohne oder ein Streumunitionsgeschoss verteilt Minen chaotisch, und keine Karte ist vollständig.
Während die Ukraine noch kein systematisches öffentliches Register von ferngesteuert verminten Zivilgebieten in Echtzeit hat — die Frage ist, ob sich das ändert, nachdem „Prjaniks" nicht mehr auf Feldgebieten in Frontnähe, sondern auf Stadtstraßen Hunderte Kilometer von den Schützengräben entfernt zu erscheinen begannen.