Moskau sperrt den Luftraum bis 5 km: Wie die eigene Luftabwehr ein Zivilflugzeug abschoss und was das neue Verbot ändern wird

Ab Juni verbietet Russland Flüge ziviler Luftfahrzeuge unterhalb von 5100 Metern im Moskauer Luftraum — von der belarussischen Grenze bis Samara und Jekaterinburg. Ein offizieller Grund wird nicht genannt, doch die zeitliche Abfolge deutet auf die Katastrophe bei Kolomna hin, wo die Luftabwehr versehentlich ihr eigenes Leichtflugzeug abschoss.

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Москва (Фото: Depositphotos)

Anfang Juni 2026 wird der Zivilluftverkehr über Moskau für die Kleinluftfahrt praktisch verschwinden. Flüge unterhalb von 5100 Metern im Moskauer Luftraum werden vollständig verboten — davor warnte die Interregionale öffentliche Organisation von Piloten und Luftfahrzeughaltern (AOPA). Eine offizielle NOTAM-Mitteilung von Rosaviya steht noch aus, aber die AOPA sagt: sie wird „in Kürze" erscheinen.

Die Zone – fast ganz Europas Russland

Die Einschränkungen beschränken sich nicht nur auf die Region Moskau. Laut AOPA erstreckt sich die Sperrzone von der Grenze zu Belarus im Westen bis zur Luftfahrtzone Samara im Osten und der Petersburger Zone im Norden. Praktisch ist dies der zentrale Teil des europäischen Russlands – die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich aktivste Region.

Von der Sperrung nicht betroffen sind: Linien- und Charterflüge zu Flughäfen, Sanitätsluftfahrt, medizinische Evakuierung, Luftfahrtchemiearbeiten, Infrastrukturüberwachung und Flüge auf Grundlage von Staatsverträgen. Mit anderen Worten: Kommerzielle Fluggesellschaften werden weiterarbeiten – die Klein- und Privatluftfahrt leidet.

Was ereignete sich bei Kolomna

Rosaviya hat die Gründe für die neuen Beschränkungen offiziell nicht genannt. In den Kommentaren zur AOPA-Mitteilung weisen Mitglieder der Luftfahrtgemeinschaft jedoch auf einen konkreten Vorfall hin: Am 20. März 2026 stürzte bei Kolomna – in derselben Region Moskau – ein Leichtflugzeug ab. Zwei Menschen starben.

«Die Luftverteidigungskräfte hielten das Luftfahrzeug für eine ukrainische unbemannte Drohne und eröffneten das Feuer auf es».

Telegram-Kanal MNS mit Verweis auf eigene Quellen

An Bord könnte sich Luftfahrtblogger Pawel Koschkin befunden haben. Zum Zeitpunkt der Katastrophe berichteten die örtlichen Behörden von «drei abgeschossenen Drohnen» – kein Wort über das Zivilflugzeug. Rosaviya leitete eine Untersuchung ein, aber nach fast zwei Monaten hat sie nicht einmal vorläufige Schlussfolgerungen veröffentlicht.

Warum ein Verbot ein Symptom ist und keine Lösung

Die neuen Regeln dokumentieren das, was bereits Realität ist: Der Himmel über Moskau unterhalb von 5 Kilometern ist eine Zone intensiver Luftverteidigung, in der es technisch schwierig ist, ein ziviles Cessna-Flugzeug von einer ukrainischen Kamikaze-Drohne zu unterscheiden, und der Preis für einen Fehler sind Menschenleben. Nach Angaben von Safe Airspace sind russische Flugabwehrkomplexe in der Lage, Ziele in allen Höhen zu treffen, und Zwischenfälle bei Tageslicht sind neben nächtlichen Angriffen zur Norm geworden.

  • März 2026: Luftverteidigung schießt Zivilflugzeug bei Kolomna ab – zwei Tote
  • Mai 2026: Massive Drohnenanschläge – über 450 verspätete Flüge in Moskauer Flughäfen, Passagiere schlafen auf Terminalböden
  • Juni 2026: Geplantes Flugverbot unterhalb von 5100 m

Die Chronologie sieht wie eine Reaktion auf angesammelte Zwischenfälle aus, nicht wie strategische Planung. Das Verbot wird ohne öffentliche Erklärung und ohne Entschädigungsmechanismus für Kleinflugbetreiber eingeführt, deren Geschäft praktisch zum Stillstand kommt.

Wenn Rosaviya die Untersuchungsergebnisse der Katastrophe bei Kolomna nicht veröffentlicht – bedeutet dies, dass die neuen Regeln den Himmel schließen, aber die Frage nicht klären: Wie viele weitere «Drohnen» werden sich als eigene Flugzeuge herausstellen, während die Luftverteidigung schießt und der Regulator schweigt.

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