Während das Verteidigungsministerium kein einziges Dokument über eine Umverteilung der Mobilisierungsbefugnisse veröffentlicht hat, haben Quellen von LIGA.net im Innenministerium die Idee bereits als „Menschenopfer für die Polizei" bezeichnet. Dies ist ein charakteristisches Detail: das Ministerium reagierte auf mündliche Vorschläge, bevor diese überhaupt eine offizielle Form annahmen.
Was wird vorgeschlagen und von wem
Der Volksdeputierte und Sekretär des parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit Roman Kostenko beschrieb die Essenz der Idee: den Territorienkommandanturen die Funktionen der Patrouille, Dokumentenkontrolle und des Transports von Dienstverweigerern zu entziehen — und diese der Nationalpolizei zu übertragen. Nach seinen Angaben existiert die Initiative derzeit lediglich auf Diskussionsebene und ist keine endgültige Entscheidung. Das Verteidigungsministerium hat dies offiziell nicht bestätigt.
Kostenko selbst ist jedoch skeptisch gegenüber der Wirksamkeit: er gibt zu, dass dieser Schritt das Problem der „Busifizierung" kaum lösen wird — er wird lediglich die Ausführenden wechseln.
Warum das Innenministerium dagegen ist — und was dahinter steckt
Die derzeitige Aufgabenverteilung sieht so aus: Die Nationalpolizei nimmt an Maßnahmen ausschließlich auf Antrag der Territorialen Kommandanturen teil, kann administrative Festnahmen und den Transport von Dienstverweigerern durchführen — aber nur als Hilfskraft, nicht als Initiator. Minister Klymenko hat wiederholt betont: die Organisation des Mobilisierungsprozesses ist nicht Aufgabe des Innenministeriums.
Falls die Befugnisse übertragen werden, würde sich die Polizei von einem Hilfsinstrument in das Hauptinstrument verwandeln. Genau dies ist der Kern des internen Konflikts: nicht eine technische Frage „wer patrouilliert", sondern eine Frage der institutionellen Verantwortung und Reputationsrisiken für ein Ministerium, das gleichzeitig für das Vertrauen der Bürger in die Rechtsordnung verantwortlich ist.
Die „Busifizierung" als Phänomen entstand nicht, weil die Territorialen Kommandanturen zu wenig Befugnisse hatten — sondern weil das System ohne klare Verfahren und öffentliche Kontrolle funktionierte.
Analytischer Konsens der parlamentarischen Diskussionen zur Reform der Territorialen Kommandanturen, März–April 2025
Strukturelle Falle
Im Jahr 2024 blockierte der zuständige Ausschuss eine Norm, die die Funktionen der Benachrichtigung den Organen der örtlichen Selbstverwaltung übertragen hätte. Damals blieb die Belastung bei den Militärs. Jetzt wird die Idee verfolgt, sie auf die Polizei zu übertragen. Beide Entscheidungen verbindet eines: die Vermeidung einer systemischen Lösung zugunsten einer institutionellen Verantwortungsverschiebung.
- Territoriale Kommandanturen — kritisiert wegen gewaltsamer Methoden und mangelnder Transparenz
- Polizei — schätzt ihren Status als zivile Strafverfolgungsbehörde
- Örtliche Selbstverwaltung — erhielt 2024 bereits eine Absage für Befugnisse
- Gesetzliche Grundlage — enthält immer noch keinen klaren Kontrollmechanismus für eine dieser Behörden während Mobilisierungsmaßnahmen
Bemerkenswerterweise stellt keiner der Diskussionsteilnehmer die Frage anders: nicht „wie man den Prozess transparent und rechtskonform gestaltet", sondern „wem man das aufbürdet, was bereits gesellschaftliche Ablehnung hervorruft".
Was kommt danach
Solange das Verteidigungsministerium keinen Gesetzentwurf eingereicht hat, bleibt der Streit ein interner Behördenkampf — und das Innenministerium rechnet, nach der Reaktion seiner Quellen zu urteilen, darauf, dass es so bleibt. Aber wenn das Dokument doch noch auftaucht, wird der Schlüsselindicator nicht die Umverteilung der Befugnisse selbst sein, sondern ob gleichzeitig ein Mechanismus zur Anfechtung der Maßnahmen der Polizei durch Bürger eingeführt wird — etwas, das es bei den Territorialen Kommandanturen nicht gab und das zur Hauptbeschwerde der Öffentlichkeit wurde.
Falls der Gesetzentwurf ohne einen solchen Mechanismus eingereicht wird — wird das Innenministerium dann Befugnisse übernehmen, die bereits die Reputation einer anderen Behörde zerstört haben?