51% der Bewohner Deutschlands stimmen nicht der Aussage zu, dass ihr Land stabil und sicher ist. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Civey im Auftrag der Mediengruppe Funke Mediengruppe, auf die sich Welt bezieht.
Die Zahl an sich ist nicht sensationell – die gesellschaftliche Besorgnis in Europa wächst schon seit Jahren. Interessanter ist etwas anderes: 54% der Befragten sagen, dass ihr persönliches Sicherheitsgefühl sich in letzter Zeit nicht verändert hat. Das heißt, das massenhafte Misstrauen gegenüber dem „Land insgesamt" wird nicht immer von persönlicher Angst begleitet. Menschen trennen die abstrakte Bewertung des Systems und ihre eigenen alltäglichen Erfahrungen.
Ein Vorfall veränderte die Statistik
38% der Befragten verbinden das gesunkene Sicherheitsgefühl direkt mit dem Anschlag vom 25. Juli in Berlin, als ein Auto in eine Menschenmenge am Christopher Street Day Pride Event fuhr. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden verletzt, und der Angreifer – ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger libanesischer Herkunft – griff später mit einer Machete Passanten an, bevor er von der Polizei neutralisiert wurde.
Die Umfrage wurde am 28.–30. Juli durchgeführt, buchstäblich in der unmittelbaren Folge des Vorfalls – dies ist ein methodologisch wichtiges Detail. Die Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis in den ersten Tagen nach seinem Auftreten ist traditionell stärker als die gefestigte öffentliche Meinung. In ein oder zwei Monaten könnte die Zahl anders aussehen.
Der deutsche Innenminister bezeichnete den Anschlag als vermutlich islamistischen Terrorakt – eine Formulierung, die im deutschen politischen Diskurs sofort das Thema Migrationspolitik aufbringt.
Es geht nicht um Kriminalitätsstatistiken
Die tatsächliche Anzahl terroristischer Anschläge in Deutschland nimmt Jahr für Jahr nicht dramatisch zu. Aber ein einzelner aufsehenerregender Fall kann den Vertrauensindikator für die „Stabilität des Landes" sofort um mehrere Prozentpunkte sinken lassen – und das funktioniert nicht nur in Deutschland. In der Ukraine wird die Diskussion über Arbeitsmigration und demografische Krise ebenfalls oft nicht anhand von Zahlen, sondern anhand einzelner Geschichten geführt.
Die Frage für die deutsche Politik ist nun praktisch: Wird dieses Gefühl sich zeitlich abschwächen oder wird es zur neuen Norm der gesellschaftlichen Stimmung bis zur nächsten Wahl? Wenn eine wiederholte Civey-Messung in einigen Monaten dieselben 51% zeigt und nicht zu den Vorkrisenwerten zurückkehrt, würde dies bedeuten, dass sich nicht die Wahrnehmung eines einzelnen Vorfalls geändert hat, sondern das grundlegende Vertrauen in den Staat als solchen.