Im Fokus: ehrgeizige Ziele — realistische Fristen?
Pavlo Palisa, stellvertretender Leiter des Präsidialamts, bewertete in einem Interview mit Radio Swoboda die Pläne Moskaus als umfassend und ehrgeizig — mit Ansprüchen nicht nur auf Donezk, sondern auch auf die südlichen Regionen der Ukraine. Das ist wichtig, denn es geht um Versuche, die Frontlinie zu verschieben und nördlich des südlichen Landesteils „Pufferzonen“ zu schaffen.
„Sie haben die Einnahme der Donezker Region nicht aufgegeben, sie planen weiterhin die Schaffung einer Pufferzone auf dem Gebiet der Oblaste Charkiw und Sumy. Sie rechnen damit, sich in den Oblasten Dnipropetrowsk und Saporischschja so weit wie möglich vorzuschieben und Bedingungen zu schaffen, unter denen sie Ansprüche auf die Einnahme von Saporischschja, Cherson, Mykolajiw und Odessa erheben können.“
— Pavlo Palisa, stellvertretender Leiter des Präsidialamts, Brigadegeneral
Was sagen die Zahlen und zeitlichen Einschätzungen
Palisa betonte, dass Russland für die Einnahme nur eines Teils der Donezker Region etwa und Ressourcen in der Größenordnung der derzeitigen russischen Gruppierung in der Ukraine benötigen würde. Seiner Einschätzung nach sieht er aktuell nicht, dass die Angreifer in der Lage wären, diese Pläne innerhalb der nächsten sechs Monate umzusetzen.
Nach Einschätzung des Büros stehen heute etwa 6000 km² in der Oblast Donezk unter ukrainischer Kontrolle — und eine Verschiebung dieses Gleichgewichts würde erhebliche personelle und materielle Aufwendungen seitens Russlands erfordern.
Kontext: Was sagen Partner und Analysten
Anfang Februar stellte ein Vertreter der NATO fest, dass das Bündnis in der Donezker Region mindestens anderthalb Jahre lang nicht mit einem plötzlichen Durchbruch rechnet und verwies gleichzeitig auf erhebliche Verluste Russlands an Personal. Diese Signale deuten darauf hin: Selbst bei den aggressiven Ambitionen des Kremls bremsen demografische und materielle Kosten ihre Pläne.
Für die Ukraine eröffnet dies ein kritisches Zeitfenster: die Möglichkeit, die Verteidigung der südlichen und donezker Richtung zu verstärken, die Logistik zu optimieren und die erforderlichen Verteidigungslieferungen von Partnern sicherzustellen.
Folgen für die Sicherheit und was zu tun ist
Wenn die Einschätzungen Palisas und des Bündnisses ungefähr zutreffen, ist die reale Gefahr eines großflächigen Vorstoßes Russlands in den nächsten sechs Monaten begrenzt. Das ist jedoch kein Grund zur Entspannung: Die Ambitionen gehen mit einer schrittweisen Aufstockung der Ressourcen und taktischen Schlägen einher. Analysten sind sich einig, dass folgende Faktoren entscheidend sein werden:
- rechtzeitige Lieferungen schwerer Waffen und Munition durch Partner;
- Steigerung der Mobilität und der logistischen Fähigkeiten ukrainischer Einheiten am südlichen Flügel;
- Aufrechterhaltung der politischen Einheit der internationalen Unterstützung — Sanktionen und Lieferungen müssen kontinuierlich sein.
Fazit: Zeit auf unserer Seite, aber nicht allzu lange
Die Rhetorik des Kremls über Ansprüche auf Saporischschja, Cherson, Mykolajiw und Odessa bestätigt dessen Ambitionen, beweist aber nicht deren Durchsetzbarkeit in der Zukunft. Palisas Einschätzungen geben der Ukraine ungefähr anderthalb Jahre, um die Verteidigung zu verstärken und internationalen Druck auf Russland aufzubauen — die Frage ist, ob die Partner ihre Erklärungen in konkrete Lieferungen und Finanzierungen umsetzen.
Jetzt sind die Unterstützer praktischer Hilfe am Zug: Werden wir dieses Zeitfenster nutzen können, um den südlichen Frontabschnitt vorzubereiten und die Risiken für die nächsten sechs Monate zu minimieren?