Was Podoljak sagte – und warum gerade jetzt
In einem Video für LIGA.net legte der Berater des Präsidentenbüros Michajlo Podoljak eine Version dar, die zur offiziellen Darstellung nach Andrii Jermaks Rücktritt werden soll: Das Präsidentenbüro ist kein Organ der Exekutive, sondern „im Grunde eine Kanzlei, ein Sekretariat des Präsidenten". Jermak war nach Podoljaks Aussage ein operativer Manager und keine unabhängige politische Figur.
Die Chronologie ist entscheidend. Jermak wurde am 28. November 2025 entlassen – am selben Morgen, an dem das Nationale Büro für Ermittlungen und die Generalstaatsanwaltschaft in seiner Wohnung im Rahmen der Operation „Midas" gegen großflächige Korruption im Energiesektor durchsuchten. Selenskyj kündigte eine „Neubelebung" des Präsidentenbüros an, und den neuen Leiter – Kyrylo Budanow – ernannte er erst am 2. Januar 2026, nach mehr als einem Monat der Vakanz.
Podoljaks Worte erscheinen jetzt – mitten in der Diskussion darüber, ob sich wirklich etwas geändert hat. Und das ist keine neutrale Analyse: das ist Positionierung.
Die Version der Bankowaja gegen die Version von Quellen
Die These „Jermak war nur ein Manager" zerfällt an der eigenen Logik der Ereignisse. Wenn das Präsidentenbüro eine Kanzlei ohne realen Einfluss ist, warum kündigte man dann öffentlich eine Neubelebung der Struktur nach dem Rücktritt eines „operativen Managers" an?
„Jermak ist weg – aber er ist da. Nur muss er jetzt nicht 10 SMS schreiben, sondern 5. Und alles andere werden vertraute Personen kontrollieren".
Quelle von „Ukrainska Prawda" in der Machtvertikale, April 2026
Nach Angaben von „Ukrainska Prawda" behält Jermak fast fünf Monate nach seinem Rücktritt seinen bestimmenden Einfluss auf die meisten Ernennungen, die während seiner Zeit im Präsidentenbüro erfolgten. Schlüsselfiguren blieben an ihren Plätzen. Quellen des Mediums in politischen Kreisen merken an: es gab kein Signal des Präsidenten, „den Hörer nicht mehr abzunehmen" – stattdessen gibt es ein Signal, das die Vollmachten von Andrii Borysowytsch bestätigt.
Ein noch aussagekräftigeres Detail: nach denselben Quellen hat der neue Leiter des Präsidentenbüros Budanow keine echte personelle Unabhängigkeit bezüglich der Stellvertreter, die Jermak hinterlassen hat.
Podoljaks Interesse in diesem Bild
Podoljak ist kein unbeteiligter Kommentator. Nach der Entlassung aller Berater Jermaks wurde er zum Berater des Präsidentenbüros selbst ernannt. Er blieb in dem System, das er als „nur eine Kanzlei" beschreibt.
- Minimierung Jermaks nimmt dem Präsidentenbüro die institutionelle Verantwortung für Entscheidungen von 2019–2025.
- Der Rahmen „Sekretariat" schützt Selenskyj: Wenn das Präsidentenbüro ein technisches Organ ist, liegt die gesamte Macht und Verantwortung ausschließlich beim Präsidenten.
- Der Zeitpunkt der Äußerung fällt mit Ermittlungen des Nationalen Büros für Ermittlungen und öffentlichen Diskussionen zusammen, dass die „Neubelebung" sich als kosmetisch erwies.
Was der Skeptiker dagegen tun sollte
Podoljak lügt nicht in dem Sinne, dass das Präsidentenbüro formal wirklich kein Organ der Exekutive ist – das ist gesetzlich verankert. Aber „formal" und „faktisch" sind in der ukrainischen Politik längst auseinandergegangen. Fünf Jahre lang traf das Präsidentenbüro Entscheidungen, die die Personalpolitik der Ministerien, die Verhandlungspositionen und die Medienagenda bestimmten. Nun, nachdem die Durchsuchungen bereits durchgeführt wurden und Jermak nicht mehr im Amt ist, erscheint plötzlich das Konzept einer „Kanzlei".
Wenn Budanow wirklich keinen der von seinem Vorgänger hinterlassenen Stellvertreter unabhängig ersetzen kann – dann geht es nicht darum, ob Jermak eine einflussreiche Figur war. Es geht darum, ob er es immer noch ist. Und die Antwort darauf wird nicht aus Podoljaks Worten kommen, sondern dann, wenn – oder falls – das Nationale Büro für Ermittlungen eine Anklage ankündigt.