Was bekannt ist
Nach Angaben des Parlamentsabgeordneten Kenias Kimani Ichungwah, der an dem gemeinsamen Bericht der Geheimdienste und des Büros für Kriminalermittlungen mitgearbeitet hat und auf den sich Le Monde beruft, wurden bis heute mehr als 1.000 Staatsbürger Kenias rekrutiert und auf die Seite Russlands in den Krieg gegen die Ukraine geschickt. Frühere Schätzungen sprachen von einigen Hundert — die jetzt vorliegenden Zahlen sind deutlich höher und haben Folgen für die Sicherheit und die Diplomatie in der Region.
„Bis heute wurden mehr als 1000 Kenianer rekrutiert und in den russisch-ukrainischen Krieg geschickt“
— Kimani Ichungwah, Abgeordneter des kenianischen Parlaments
Wie das System funktionierte
Die Rekrutierer nutzten Touristenvisa und Transitwege über Istanbul und Abu Dhabi sowie — um Kontrollen zu umgehen — Routen über Uganda, die Demokratische Republik Kongo und Südafrika. Ein Teil der Kenianer reiste direkt aus den Ländern, in denen sie arbeiteten, nach Russland. Dem Bericht zufolge rekrutierten Personalvermittlungen in Nairobi Menschen mit dem Versprechen von Löhnen zwischen 920 bis 2400 Euro pro Monat, und zur Sicherstellung der Ströme wurden korrupte Verbindungen am Flughafen und, laut dem Parlamentarier, auch Mitarbeiter von Botschaften genutzt.
Ausmaß der Verluste und Repatriierungen
Nach Angaben Ichungwahs: 28 Personen gelten als vermisst, 35 befinden sich in Lagern oder auf Militärstützpunkten, 89 sind an der Front, 39 sind hospitalisiert, und 30 wurden bereits repatriiert. Separat berichtete die Hauptverwaltung Aufklärung (HUR) der Ukraine über einen Vorfall: Am 31. Januar 2026 wurde in der Oblast Donezk ein Söldner aus Kenia (Jg. 1997) getötet. Diese Zahlen zeigen nicht nur das Ausmaß der Rekrutierung, sondern auch die realen menschlichen Verluste und Risiken für kenianische Staatsbürger.
Reaktion der Regierung und internationale Folgen
Die Regierung Kenias hat bereits die Nutzung ihrer Staatsbürger als „Kanonenfutter“ verurteilt; Außenminister Musalia Mudavadi plant, nächsten Monat nach Moskau zu reisen. Diese diplomatische Mobilisierung signalisiert Nairobis Bestreben, nicht nur die Rückkehr von Staatsbürgern zu erreichen, sondern auch den Partner zu zwingen, die Rekrutierungskanäle zu erklären. Für die Ukraine ist dies ein weiteres Beispiel dafür, wie Russland externe Ressourcen zur Verstärkung seines Militärpotenzials sucht.
Was das bedeutet und wie es weitergeht
Erstens zeigt das System Organisation: Die Nutzung von Touristenvisa, Netzwerken von Personalvermittlungen und korrupten Beamten deutet auf einen systematischen Ansatz hin. Zweitens ist es eine informations- und rechtliche Herausforderung: Kenia und internationale Partner werden Gründe haben, Transparenz von Transitländern zu verlangen und Vermittler zur Verantwortung zu ziehen. Schließlich stärken solche Fälle für die Ukraine die Argumente für die Notwendigkeit der Kontrolle über Söldner und die Überwachung äußerer Nachschubkanäle des Gegners.
Weiterhin sind zwei Dinge zu beobachten: Ob es Kenia gelingt, von Russland Erklärungen und die Rückführung seiner Staatsbürger zu erwirken, und ob dies zu verstärkten Kontrollen auf den Transitwegen und zum Vorgehen gegen rekrutierende Agenturen führt. Für den Leser ist dies eine Frage der Sicherheit — nicht nur der Ukraine, sondern auch der Regionen, aus denen solche Personenströme kommen: Werden Visum- und Arbeitsmechanismen verschärft, um ähnliche Netzwerke zu unterbinden?
Quellen: Le Monde (unter Berufung auf den parlamentarischen Bericht Kenias), die Erklärung des Abgeordneten Kimani Ichungwah, öffentliche Mitteilungen der Hauptverwaltung Aufklärung (HUR) der Ukraine zu Fällen der Beteiligung von Söldnern.