Gegen 1 Uhr nachts am 13. Mai attackierten Drohnen mindestens 14 Regionen Russlands und die zeitweilig besetzte Krim. Das russische Verteidigungsministerium meldete die angebliche Zerstörung von 286 Drohnen. Zwei Ziele – in der Region Krasnodar und in Jaroslawl – brannten bis in den Morgen.
Taman: „Trümmer" und Brand im Hafen
Der Operativstab der Region Krasnodar bestätigte einen Treffer an einem Unternehmen im Dorf Wolna im Bezirk Temrjuk. Offizielle Version – „Trümmerfall einer zerstörten Drohne". Eine Person wurde verletzt, Ausrüstung geriet in Brand, das Feuer war am Morgen noch nicht gelöscht.
Nach Angaben des OSINT-Kanals Exilenova+ brach das Feuer direkt im Bereich des Seehafens „Taman" aus. Genau im Dorf Wolna ist das Erdöl- und Erdgasterminal „Tamanneftegaz" ansässig – ein Exportknotenpunkt, der eine Schlüsselrolle in der Logistik der Schwarzmeerflotte Russlands spielt, aufgrund der Nähe zur besetzten Krim.
„Taman, Region Krasnodar, Videoaufnahmen des Brandes im Hafen nach dem Angriff. Die lokalen Behörden bestätigten den Angriff und das Brandereignis bereits früher"
— Exilenova+, OSINT-Analytik
Das ist nicht der erste Schlag gegen das Objekt. In der Nacht zum 15. Februar 2026 wurde das Terminal „Tamanneftegaz" bereits von Kämpfern des 1. Separaten Zentrums für unbemannte Systeme zusammen mit dem HUR angegriffen – damals wurden eine Reihe starker Explosionen registriert. Noch früher, in der Nacht zum 22. Dezember 2025, zielten Drohnen ebenfalls auf dieses Objekt ab. Das heißt, innerhalb eines halben Jahres mindestens drei dokumentierte Angriffe auf dasselbe Terminal.
Jaroslawl: Eine Raffinerie, der das Glück erneut nicht hold ist
Der Gouverneur der Region Jaroslawl, Michail Jewrajew, kündigte den Betrieb der Flugabwehr und elektronischen Kampfführung an und betonte wie üblich, dass „die meisten Drohnen zerstört" wurden. Aber Trümmer einer Drohne fielen nach offizieller Version auf ein Industriegelände in der Stadt. Verletzte werden nicht gemeldet.
Der OSINT-Kanal Astra lokalisierte das Video vom Ort des Geschehens und stellte fest: das Ziel war die Raffinerie „Slavnefl-JANOS" – das größte Ölverarbeitungsunternehmen des Zentralen Föderalen Bezirks Russlands und eines der fünf leistungsstärksten im Land, das bis zu 15 Millionen Tonnen Öl pro Jahr verarbeiten kann. Die Produktion des Werks – Benzin, Diesel- und Flugbenzin – versorgt direkt die Logistik der russischen Armee.
Für „JANOS" war die Nacht zum 13. Mai nicht die erste unangenehme Erfahrung: Das Werk wurde im April 2025 angegriffen und zweimal im Mai, einschließlich eines Schlags am Vortag des 9. Mai.
286 „zerstörte" – und es brennt trotzdem weiter
Das Muster wiederholt sich: Das russische Verteidigungsministerium meldet jedes Mal eine Rekordanzahl von abgefangenen Drohnen – diesmal 286 in 14 Regionen. Aber Brände an strategischen Objekten brechen unabhängig von diesen Zahlen aus.
- Region Krasnodar: Ölterminal in Taman – systematisches Ziel, das bereits zum dritten Mal in einem halben Jahr beschädigt wurde.
- Jaroslawl: Raffinerie „JANOS" – wiederholter Angriff auf ein Unternehmen, das die Armee und die zentralen Regionen Russlands mit Brennstoff versorgt.
- Andere Regionen: Explosionen wurden in den Regionen Nischni Nowgorod, Tula, Rostow, in Anapa und in der Krim registriert.
Die Region Rostow geriet diesmal ebenfalls in die Angriffszone – Explosionen waren in den Bezirken Krasnosulinskij und Millerskij zu hören, wo zuvor bereits Schläge gegen Objekte der Verteidigungsindustrie registriert wurden.
Die Logik wiederholter Schläge
Die Systematik von Angriffen auf dieselben Objekte ist kein Zufall. Das Terminal „Tamanneftegaz" ist ein kritischer Knotenpunkt für den Export von Ölprodukten und gleichzeitig ein Element der Versorgung von Gruppierungen auf der Krim. Die Raffinerie „JANOS" deckt den Bedarf der Armee an Flug- und Dieselkraftstoff für die zentrale Richtung. Beide Objekte können schnell nicht ersetzt werden: Der Bau neuer Kapazitäten dauert Jahre, und die Reparatur beschädigter Ausrüstung unter Sanktionen ist für Moskau ein separates Logistikproblem.
Bemerkenswert ist, dass keiner der Schläge auf diese Objekte offiziell als direkter Treffer anerkannt wird: Die Behörden berufen sich immer auf „Trümmer". Das bedeutet, dass Russland die Ineffektivität seiner Flugabwehr nicht ohne Image-Verluste eingestehen kann – und kann die Brände, die Dutzende Kilometer weit sichtbar sind, nicht verbergen.
Wenn der Betrieb von „JANOS" infolge eines weiteren Angriffs für mindestens einen Monat stillsteht – wird die Brennstofflogistik der zentralen Gruppierung Russlands dies bereits an der Front spüren. Die Frage ist nur, ob Russland über ausreichende Reservekapazitäten verfügt, um das Defizit von anderen Raffinerien auszugleichen – und ob diese „Reserve"-Raffinerien nicht zu den nächsten Zielen werden.