Putin will Frieden – aber nicht um jeden Preis. Nach Angaben von Bloomberg, die sich auf einen anonymen Gesprächspartner beruft, der über die Stimmung im Kreml informiert ist, möchte der russische Diktator den Krieg gegen die Ukraine bis Ende 2025 beenden. Bedingung: vollständige Kontrolle über den Donbas und ein Abkommen mit Europa, das faktisch alle seit 2022 eroberten Territorien legalisieren würde.
Die offizielle Reaktion Moskaus folgte fast sofort. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, dass Putin keinen Stichtag festgesetzt hat, und nannte alle Prognosen über Verhandlungszeiträume einen „großen Fehler". Diese Diskrepanz zwischen anonymem Signal und öffentlicher Dementierung ist nicht neu: So tastet der Kreml traditionell die Reaktion von Partnern ab, ohne sich selbst zu verpflichten.
Was Putin wirklich aushandelt
Das Gesamtbild ist komplexer als der bloße Wunsch nach „Frieden". Nach Bloomberg-Angaben strebt Putin nicht nur den Donbas an, sondern auch ein umfassendes Abkommen mit Europa über eine neue Sicherheitsarchitektur – faktisch eine Reintegration Russlands in den westlichen Wirtschafts- und Diplomatiestil. Gleichzeitig lehnt er jeden Kompromiss bei den Bedingungen ab, auf denen Kiew und Brüssel bestehen.
„Er möchte ein breites Gespräch über die Reintegration Russlands mit dem Westen, kommerzielle Deals mit den USA – und das lange und langweilig tun, während er weiterhin Ukraines Energieinfrastruktur bombardiert und langsam an der Front vorankommt"
Amos Hochstein, ehemaliger Berater Bidens, CNBC
Diese Einschätzung stimmt mit Moskaus Verhandlungsverhalten überein: Das fünfstündige Treffen Putins mit Trumps Spezialenviaren Steve Witkov und Jared Kushner im Dezember endete damit, dass Uschakow es als „konstruktiv" bezeichnete, aber „weitere Arbeit erforderlich". Ein Durchbruch war nicht erreicht.
Wo genau steckt der Konflikt fest
Der Donbas ist keine Abstraktion. Nach Angaben von CBS News bleiben die Verhandlungen genau wegen des Donetsk-Gebiets stecken: Russland fordert vollständige Kontrolle, während etwa ein Fünftel der Region, einschließlich der Festungsstädte Slawjansk und Kramatorsk, unter ukrainischer Kontrolle bleibt. Selenskyj bestätigte auf Euronews, dass Kiew und Washington sich auf die meisten Punkte des Friedensplans einigt haben – außer dem Donbas und dem Kernkraftwerk Saporizhzhia.
Die Position der Ukraine bei diesem Punkt ist verfassungsrechtlich begründet: Kiew kann sich rechtlich nicht auf die Abtretung von Territorien einlassen. Selenskyj besteht auch auf der Präsenz internationaler Truppen an der Kontaktlinie – da es nach seinen Worten unmöglich ist, den Versprechungen Moskaus nach 2014 zu trauen.
- Russland kontrolliert etwa ein Fünftel der Ukraine, aber nicht den ganzen erklärten Donbas
- Peskow gab zu, dass die Ziele der „SVO" noch nicht vollständig erreicht sind – deshalb dauert die Operation an
- Rubio äußerte öffentlich Zweifel, ob Putin überhaupt ein Abkommen will oder plant, „das ganze Land zu erobern" – dies war ein Signal für Kiew und Brüssel
- Der Kreml lehnte Berlins Vorschlag für einen Waffenstillstand zu Weihnachten ab und behauptete, dass eine Pause der Ukraine nur ermögliche, sich neu zu formieren
Warum das Signal gerade jetzt kam
Das Durchsickern des „Friedenswunsches" ist für Moskau in mehrerer Hinsicht vorteilhaft: Es mildert den Druck Trumps, der öffentlich versprach, den Krieg zu stoppen, und gibt Putin das Bild eines Verhandlungspartners – ohne echte Zugeständnisse. Nach Einschätzung von Bloomberg-Analysten hat sich Russlands Vormarsch an der Front verlangsamt, und der wirtschaftliche Druck im Inland wächst: Putins Zustimmungsquoten sinken, obwohl seine politische Position stabil bleibt.
Gleichzeitig bleibt Europa nicht abseits. Im Oktober wurde bekannt, dass die EU und Kiew gemeinsam an einem zwölf-Punkte-Friedensplan entlang der derzeitigen Frontlinie arbeiten – direkt gegen Putins Forderung, die eroberten Länder anzuerkennen. Der Plan sieht einen Aufsichtsrat unter Trumps Vorsitz vor.
Wenn Moskau wirklich eine interne Deadline bis Ende 2025 hat, aber öffentlich davon Abstand nimmt, ist die Schlüsselfrage nicht, ob Putin Frieden will – sondern ob die USA und Europa bereit sind, zu welchem Preis an Frieden er bereit ist zu stoppen: einem Frieden, in dem Slawjansk russisch wird, oder einem, in dem die derzeitige Frontlinie ohne Annexion festgeschrieben wird.