Fünf EU-Länder haben einen Vorschlag zur Begrenzung der Befugnisse zukünftiger Mitglieder des Blocks während einer Übergangsfrist nach dem Beitritt vorbereitet. Wie Reuters berichtet, wird die Initiative von Dänemark, den Niederlanden, Österreich, Schweden und Finnland vorangetrieben – Staaten, die traditionell skeptisch gegenüber einer schnellen EU-Erweiterung sind.
Die Logik ist einfach: Ungarn hat in den letzten Jahren Dutzende von Entscheidungen blockiert oder erheblich verzögert – von Hilfepaketen für die Ukraine bis zu Sanktionen gegen Russland. Budapest nutzte sein Vetorecht im Rat der EU als Verhandlungsinstrument mit Brüssel in seinen eigenen inneren Konflikten. Die fünf Länder möchten, dass nachfolgende Mitglieder dieses Instrument in den ersten Jahren ihrer Mitgliedschaft einfach nicht haben.
Der konkrete Mechanismus wurde bisher noch nicht veröffentlicht. Nach Informationen von Reuters geht es um eine schrittweise Gewährung voller Stimmrechte – abhängig davon, wie gut das neue Land seine übernommenen Verpflichtungen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Gerichtsunabhängigkeit erfüllt hat.
Für die Ukraine hat dies unmittelbare Bedeutung. Kiew ist seit 2022 offiziell ein Kandidat für die Mitgliedschaft, und die Verhandlungen begannen formell 2024. Sollte der Vorschlag der fünf Länder Unterstützung erhalten, könnte die Ukraine mit einer erheblich eingeschränkten Stimme im Rat der EU beitreten – mindestens für mehrere Jahre.
Befürworter der Reform sagen: Dies ist der Preis des Vertrauens, den neue Mitglieder durch Praxis verdienen müssen, nicht durch Erklärungen. Kritiker argumentieren, dass dies eine zweiklassige Mitgliedschaft ist, die die Idee der Gleichheit der Staaten in der Union untergräbt.
Der eigentliche Konflikt liegt hier nicht zwischen dem „alten" und dem „neuen" Europa – sondern zwischen zwei Verständnissen davon, was die EU-Mitgliedschaft bedeutet: eine Reihe von Rechten vom ersten Tag an oder ein Prozess, bei dem Rechte proportional zum Vertrauen zunehmen.
Sollte der einschränkende Mechanismus angenommen werden, stellt sich eine konkrete Frage: Wer und nach welchen Kriterien wird entscheiden, ob ein neues Land sein volles Stimmrecht „verdient" hat – und wird dieser Mechanismus nicht zu einem neuen Instrument des politischen Drucks statt des ungarischen Vetos?