Reuters: Iran steht kurz vor einem Abkommen mit China über Überschallraketen vom Typ CM‑302 — Risiken für die US‑Flotte und die regionale Stabilität

In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Absprachen. Reuters berichtet über die mögliche Einigung über die chinesischen Überschallraketen CM‑302 — warum das für die maritime Sicherheit, den Transit und die Geostrategie wichtig ist.

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Іран (Ілюстративне фото: Abedin Taherkenareh/EPA)

Kurz

Die Agentur Reuters, die sich auf sechs namentlich nicht genannte Gesprächspartner beruft, berichtet, dass Iran kurz vor dem Abschluss eines Vertrags mit China über die Seezielflugkörper CM‑302 steht. Den Quellen zufolge haben sich die Verhandlungen nach der Verschärfung im Juni zwischen Israel und Iran deutlich beschleunigt.

Was bekannt ist

Nach vorliegenden Angaben handelt es sich um die Exportversion der Rakete CM‑302: Reichweite etwa 280–290 km, Gefechtskopf rund 250 kg; die Rakete ist für schnellen Flug in niedriger Höhe ausgelegt, was das Abfangen durch Luftverteidigungssysteme erschwert. Reuters konnte weder die Anzahl der Waffen, die Kosten des Vertrags noch konkrete Liefertermine bestätigen, und das chinesische Außenministerium und das Verteidigungsministerium äußerten sich nicht.

„Das würde die Lage völlig verändern, wenn Iran Überschallfähigkeiten hätte, um Schiffe in dieser Region anzugreifen. Diese Raketen sind sehr schwer abzufangen.“

— Денні Цитринович, ehemaliger Offizier des israelischen Geheimdienstes, Seniorforscher für Iran (Institut für nationale Sicherheitsforschung)

Warum das wichtig ist

Es geht nicht nur um einen einzelnen Kauf. Erstens stärkt überschallfähige Anti-Schiffs-Raketen Irans Fähigkeit, die Handlungsfreiheit im Persischen Golf und auf angrenzenden Seewegen einzuschränken, und erhöht damit die Risiken für US-Marinekräfte und den internationalen Handelsverkehr.

Zweitens würde ein erfolgter Liefervertrag eines der fortschrittlichsten Waffenpakete darstellen, die China an Iran liefern könnte, und faktisch frühere internationale Beschränkungen unterlaufen, die im Reuters-Artikel erwähnt werden (das Embargo von 2006, seine Aufhebung 2015 und die Wiedereinführung der Beschränkungen im September des Vorjahres).

„Iran hat militärische Vereinbarungen und Sicherheitsabkommen mit seinen Verbündeten, und jetzt ist der entsprechende Zeitpunkt, von diesen Abkommen Gebrauch zu machen.“

— Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums, Reuters zufolge

Was unbekannt ist

Reuters weist ausdrücklich auf Lücken hin: Anzahl der Raketen, Lieferdatum und finanzielle Bedingungen sind nicht bestätigt. Ebenfalls offen ist, ob jetzt ein formeller Vertrag abgeschlossen wird — angesichts der Eskalation in der Region könnten die Partner das Abkommen verzögern oder modifizieren.

Auswirkungen für die Region und für die Ukraine

Obwohl der Fokus auf dem Nahen Osten liegt, ist das ein wichtiges Signal für alle, die das globale Verteidigungsökosystem beobachten. Die Verbreitung hochpräziser Raketentechnologien untergräbt das Vertrauen in Rüstungskontrollregime, erschwert die Operationen alliierter Marinen und schafft Präzedenzfälle, die in anderen Brennpunkten genutzt werden könnten.

Für die Ukraine ist das in zweierlei Hinsicht relevant: durch die allgemeine Erosion der Rüstungskontrollnormen und dadurch, dass eine geschwächte Kontrolle diplomatische und militärische Reaktionen für westliche Partner — von denen wir bei Waffenlieferungen und politischer Unterstützung abhängig sind — oft schwieriger macht.

Fazit

Die Reuters-Meldung unterstreicht die Verbindung zwischen diplomatischer Stille und realen Veränderungen im Sicherheitsbereich. Solange die Angaben nur teilweise bestätigt sind, ist es wichtig, zwei Entwicklungen zu beobachten: die Reaktionen der Partner (diplomatischer Druck, Überprüfung der Exportskontrollen) und konkrete Maßnahmen zum Schutz der Seewege. Ob es der internationalen Gemeinschaft gelingt, eine Eskalation zu verhindern und die Mechanismen der Rüstungskontrolle zu erhalten, ist die Schlüsselfrage der kommenden Monate.

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