Was passiert ist
Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand trug eine in Russland geborene, seit langem in Italien lebende Frau das Schild der Mannschaft Ukraine. Die Information veröffentlichte die Agentur Associated Press.
Anastasia Kucherova, eine Architektin, die seit 14 Jahren in Mailand lebt, gehörte zu den Freiwilligen, die die Teams ins Stadion «San Siro» begleiteten. Die Zuteilung sollte ursprünglich zufällig erfolgen, doch als der Choreograf nach Präferenzen fragte, wählte sie gerade die Ukraine. Das Plakat mit der Aufschrift «Україна» war beleuchtet, und die Tribünen empfingen unsere Sportler mit Applaus.
"Wenn man neben diesen Menschen hergeht, versteht man, dass sie volles Recht haben, Hass gegen jeden Russen zu empfinden. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, wenigstens einen kleinen Schritt zu tun, um ihnen zu zeigen, dass vielleicht nicht alle Menschen gleich denken"
— Anastasia Kucherova, Architektin, Freiwillige (Interview AP)
Warum das wichtig ist
Auf den ersten Blick eine symbolische Geste. Aber Symbole formen Narrative: Eine solche Wahl zeigt, dass Bürger eines Landes sich offen von der Politik ihrer Regierung distanzieren können. Für ukrainische Sportler – insbesondere jene, deren Familien mit dem Militär verbunden sind – ist es ein kurzer, aber auffälliger Akt der Solidarität vor internationalem Publikum.
Associated Press erinnert auch daran: In der ukrainischen Delegation waren Sportler, deren Eltern in den Streitkräften der Ukraine dienen. Unter solchen Umständen gewinnt selbst eine kleine Unterstützung im Stadion an zusätzlicher Bedeutung – sowohl moralisch als auch in ihrer medialen Wirkung.
Kontext und Folgen
Die Olympischen Spiele dauern offiziell vom 6. bis 22. Februar 2026, mit Wettbewerben in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Die Meldung über Kucherovas Geste erschien vor dem Hintergrund politischer Schritte: Am 16. Februar unterzeichnete Präsident Selenskyj ein Dekret über Sanktionen gegen mehrere russische Sportler.
Ein solcher Vorfall ersetzt nicht Diplomatie oder Sanktionen, verstärkt aber die gesellschaftliche Front: Während Regierungen die Politik gestalten, beeinflussen Bürger und spontane Gesten die Wahrnehmung, stärken die Moral und erhöhen die Unterstützung ukrainischer Athleten weltweit.
Fazit
Das ist ein Beispiel dafür, wie persönliche Entscheidungen zu einem öffentlichen Signal werden. Es wird die politische Landkarte für sich genommen nicht verändern, hilft aber, Einstellungen zu verändern – und Einstellungen gehen oft Handlungen voraus. Nun ist es wichtig, dass diese Symbole in dauerhafte Unterstützungsmaßnahmen übergehen – auf den Tribünen, in den Medien und am Verhandlungstisch.