Als im März 2026 Trumps Sondergesandter John Cole in Minsk landete und den Palast der Unabhängigkeit mit der Nachricht verließ, dass die Sanktionen gegen „Belaruskalij", zwei Banken und das Finanzministerium von Belarus aufgehoben würden — unterstützte Kyjiw dies nicht. Jetzt möchte Washington mehr: dass die Ukraine Europa davon überzeugt, dasselbe zu tun.
Was ist geschehen und warum geht es nicht nur um Düngemittel
Am 25. Mai hielt Außenminister Andrii Sybiga eine gemeinsame Pressekonferenz mit der Anführerin der belarusischen Opposition Swetlana Tichanowskaja, die Kyjiw zum ersten Mal offiziell besuchte — um ein Büro der demokratischen Kräfte von Belarus zu eröffnen. Sybiga nutzte den Moment deutlich: die Ukraine unterstützt keine Sanktionserleichterungen gegen das Lukaschenka-Regime.
Eine Woche vor der Pressekonferenz berichtete die Agentur Bloomberg, dass die USA Kyjiw auffordern, dabei zu helfen, europäische Beschränkungen für den Import von belarusischen Kaliumprodukten aufzuheben. Das Argument Washingtons: dies könnte Minsk angeblich von Moskau distanzieren. Sybiga antwortete darauf direkt.
«Man darf sich keinen Illusionen hingeben, dass irgendeine Erleichterung Belarus aus dem Einflussbereich Russlands entfernen kann. Das wird nicht gelingen. Es ist zu stark mit den Russen verflechtet, zu sehr mit ihnen integriert».
Andrii Sybiga, Außenminister der Ukraine
Zur Frage, ob die USA tatsächlich Druck auf Kyjiw ausüben, äußerte sich der Minister nicht. Er betonte jedoch: Versuche, die Ukraine zu beeinflussen, werden die Politik des Regimes nicht verändern.
Die Logik Washingtons — und warum Kyjiw damit nicht einverstanden ist
Die USA sind diesen Weg bereits gegangen: Im März 2026 hob Washington nach der Freilassung von 250 belarusischen politischen Gefangenen die Sanktionen gegen „Belaruskalij" auf — den größten Hersteller von Chlorkalium in Belarus, der bis 2021 über 20% der weltweiten Kaliumprodukteausfuhren bereitstellte. Cole betonte damals: die Erleichterung sei bedingt und hinge von „anhaltenden positiven Veränderungen im Verhalten" Lukaschenkas ab und könne sofort widerrufen werden.
Genau in diesem „bedingten" Format liegt das Problem aus Kyjiws Sicht. Der Kontrolmechanismus existiert auf dem Papier, aber Lukaschenka lässt russische Truppen und Waffen weiterhin durch sein Territorium passieren. Die Freilassung von Gefangenen ist eine Geste, keine Systemänderung.
- Nach den US-Sanktionen von 2021 kündigte Litauen das Transitabkommen über Klaipėda — Belarus orientierte seine Kaliumprodukteausfuhr auf russische Häfen um.
- Tichanowskaja warnte bereits im Dezember 2025: «hört auf zu denken, dass man Lukaschenka und Putin trennen kann» — sie sind in einer Symbiose.
- Parallel zum Besuch Tichanowskajas in Kyjiw ernannte das Außenministerium einen Beauftragten für Kontakte zur belarusischen Opposition — der erste solche Schritt in der Geschichte.
Was kommt als Nächstes
Kyjiw und die belarusische Opposition bauen derzeit eine gemeinsame Position auf: Druck statt Zugeständnisse. Aber Washington hat bereits den ersten Schritt auf Lukaschenka zu gemacht — und erwartet von den Verbündeten Synchronisierung.
Falls die EU doch Sanktionserleichterungen gegen belarusische Düngemittel unter US-Druck nachgibt — nicht um von Gefangenen willen, sondern wegen des Agrarlobby-Drucks — wird die Frage nicht mehr an Lukaschenka gerichtet sein: ob Sybiga noch Einfluss auf diesen Prozess hat, wenn Kyjiw nicht Verhandlungspartei ist?
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