Zeuge freigesprochen — aber das Verfahren, dessentwegen er angeklagt war, dauert an

Jusuf Mameschew wurde wegen Aussagen verfolgt, die die Version des SBU gegen einen NABU-Detektiv widerlegten. Das Gericht fand keine Straftat — und das wirft unbequeme Fragen zum Verfahren selbst auf.

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Юсуф Мамешев (Фото: Ганна Чехович / ZMINA)

Am 20. Mai sprach das Schewtschenko-Bezirksgericht von Kiew Jusuf Mameschew frei — einen Unternehmer mit usbekischen Geschäftswurzeln, dem vorgeworfen wurde, falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies berichtete die Organisation ZMINA aus dem Gerichtssaal.

Mameschew ist keine zufällige Person in dieser Affäre. Er ist der zentrale Zeuge im Fall des NABU-Detektivs Ruslan Magamedrasullow, Leiter der interregionalen Detektivverwaltung, der vom Geheimdienst SBU am 21. Juli 2024 festgenommen wurde und verdächtigt wurde, dem Aggressorland Beihilfe geleistet zu haben.

Was ist das Herz des Konflikts

Die gesamte Anklageversion stützte sich auf Audioaufnahmen eines abgehörten Gesprächs: Angeblich diskutierte Magamedrasullow den Verkauf von technischen Hanfpflanzen nach Dagestan — weshalb der SBU dies als Verbindung zur Russischen Föderation einstufte. Mameschew war genau die Person, die an diesem Gespräch teilnahm.

«Der Zeuge kam und sagte unter Eid: Ich habe mit Magamedrasullow über Hanf gesprochen, aber es ging um den Verkauf nach Usbekistan, nicht nach Dagestan. Und unmittelbar danach wurde ihm der Verdacht mitgeteilt».

Radio Freiheit, Wiedergabe der Position der Verteidigung

Nach Angaben von Mameschew führt er seit vielen Jahren ein Geschäft in Usbekistan, was den Kontext des Gesprächs erklärt. Das Verfahren gegen ihn wurde am 16. Oktober 2025 registriert — am nächsten Tag nach seiner Aussage vor Gericht unter Eid. Die Staatsanwaltschaft der Kravtschenko-Gruppe forderte zwei Jahre Freiheitsbeschränkung, Korrekturarbeit und Bewährungsaufsicht.

Schema des Drucks — wie es die Verteidigung sieht

  • Mameschew gab Aussagen, die der SBU-Version widersprachen.
  • Am nächsten Tag wurde ein Strafverfahren gegen ihn selbst eingeleitet.
  • Ihm wurde eine Vorsichtsmaßnahme auferlegt: elektronische Fußfessel, Ausreiseverbot, Passentzug.
  • Am 20. Mai fand das Gericht keinen Straftatbestand und sprach ihn vollständig frei.

Das Zentrum für Korruptionsbekämpfung (TsPC) wies darauf hin, dass die Aussagen von Mameschew nicht nur durch seine Worte vor Gericht, sondern auch durch seinen Schriftwechsel mit Magamedrasullow und andere Materialien des Falls bestätigt werden. Nach Einschätzung des TsPC konnte der SBU-Ermittler nach eigenen Aussagen nicht einmal die genaue Anzahl der Fallbände angeben, als er der Verteidigungsseite die Materialien offenlegte.

Breiterer Kontext: NABU unter Druck oder Detektiv unter Verdacht?

Magamedrasullow war an der Operation «Midas» beteiligt — einer Ermittlung zu einem Korruptionsschema bei «Energoatom», in dem der Geschäftsmann Timur Minditch (Rufname «Karlson») eine Rolle spielte. Nach Aussage des Detektivs selbst bestand seine Aufgabe darin, Minditch und den damit verbundenen Alexander Tsukerman («Shugerman») zu dokumentieren. Genau diese Aktivität nennt Magamedrasullow als Grund für seine Festnahme.

Der SBU behauptete wiederum, dass der Detektiv Kontakte zu Fjodor Christenko — einem ehemaligen Abgeordneten der OPZZ, der als FSB-Agent gilt — hatte. Magamedrasullow verbrachte mehr als vier Monate in Haft, bevor die Vorsichtsmaßnahme gelockert wurde.

Die Freisprechung von Mameschew schließt die Affäre Magamedrasullow nicht ab und bestätigt nicht seine Unschuld. Aber sie beseitigt den einzigen Zeugen, den die Anklage in einen Beweis für die Unwahrheit der alternativen Darstellung der Ereignisse umwandeln wollte.

Wenn die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch fehlschlägt — und die Aufnahme des Gesprächs bleibt ohne die «richtige» Interpretation der Anklageseite — wird die Hauptaffäre gegen Magamedrasullow die nächste Gerichtsverhandlung bestehen?

Weltnachrichten