Jeder, der aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, unterliegt automatisch einer Überprüfung — sowohl auf der Ebene des Sicherheitsdienstes der Einheit als auch auf der Ebene der Geheimdienste. Dies berichteten Offiziere der 12. Brigade für spezielle Operationen „Asow" dem Portal LIGA.net vor dem Hintergrund eines Skandals um Sergij Jermoschin, bekannt als Jermolaj, dem öffentlich vorgeworfen wurde, mit der Verwaltung der Strafkolonie in Olenovka zusammengearbeitet zu haben.
Der stellvertretende Kommandeur von „Asow" für Personalangelegenheiten, Andrii Ignatjuk, sagt, dass ein geübtes Auge das Problem fast sofort erkennt: „Bereits bei der Rückkehr ist zu sehen, wenn eine Person etwas auf dem Gewissen hat". Das klingt überzeugend, aber genau hier verbirgt sich eine praktische Frage, die selten öffentlich erörtert wird: An welchen genau Anzeichen ist das zu erkennen, und verwechselt man nicht manchmal Trauma mit Schuld.
Was tatsächlich überprüft wird
Eine Person, die aus der Kriegsgefangenschaft freigekommen ist, ist kein unbeschriebenes Blatt. Hinter sich hat sie Monate oder Jahre psychologischen und physischen Drucks, Isolation und oft — bewusste Arbeit der Besatzer zur Zerstörung des Vertrauens zwischen Kameraden. Die Überprüfung auf Zusammenarbeit mit dem Feind muss diesen Kontext berücksichtigen, sonst riskiert sie, sich in eine wiederholte Bestrafung für diejenigen zu verwandeln, die einfach nur überlebt haben.
Im Fall von Jermolaj wird die Situation dadurch erschwert, dass die Anschuldigung öffentlich von Menschen vorgebracht wurde, die selbst die gleiche Kriegsgefangenschaft durchlitten haben. Bei „Asow" wird davon ausgegangen, dass es sich um einen persönlichen Konflikt zwischen ehemaligen Kriegsgefangenen handelt — und nicht um einen systemischen Fehler im Überprüfungsverfahren.
Warum dies kein Einzelfall ist
Strafverfolgungsbehörden haben bereits Fälle dokumentiert, in denen ukrainische Kriegsgefangene mit den Russen zusammengearbeitet haben. Im Juni 2026 erhielt ein Nationalgardist Verdacht, der nach Aussage der Ermittler seine Kameraden während der Kriegsgefangenschaft misshandelt haben soll. Im Juli — ein weiterer Kämpfer der Nationalgarde, verdächtigt der Zusammenarbeit mit den russischen Geheimdiensten.
Diese Fälle zeigen: Die Überprüfung nach der Rückkehr ist keine Formalität, sondern eine Notwendigkeit, die durch reale Erfahrung geboten ist. Aber jeder solche Fall verstärkt auch das Misstrauen innerhalb der Einheiten, wo hunderte Kämpfer immer noch auf einen Gefangenenaustausch und die Rückkehr nach Hause warten.
In russischer Kriegsgefangenschaft sind Kämpfer von „Asow" mit grausamer und erniedrigender Behandlung konfrontiert, und Moskau verzögert die Austausche bewusst und hält Menschen jahrelang ohne Klarheit fest.
Die Frage, die offen bleibt: Wird die derzeitige mehrstufige Überprüfung ausreichend sein, um echten Verrat von den Folgen von Trauma und persönlichen Konflikten zwischen denjenigen zu unterscheiden, die den gleichen Albtraum durchgemacht haben?