Die EU sucht einen Vermittler für Gespräche mit Putin — doch Merkel hat bereits abgelehnt, und Moskau wird die übrigen Kandidaten nicht akzeptieren

Die Außenminister der EU kommen auf Zypern zusammen, um ein Gesicht für die Kontakte mit Russland auszuwählen. Jeder der Kandidaten hat ein Problem, das ihn untauglich macht – entweder für den Kreml oder für Brüssel.

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Ангела Меркель і Дональд Трамп, 2017 рік (Фото: EPA/Clemens Bilan)

Die Europäische Union möchte ihren eigenen Verhandlungsführer gegenüber Russland haben — und der Grund ist einfach: die Angst, außen vor zu bleiben, wenn sich die USA und Moskau über die Zukunft der Ukraine ohne Beteiligung Europas einigen. Dies berichtet die Financial Times unter Berufung auf EU-Beamte.

Liste ohne Sieger

Nach Angaben von FT und Politico werden auf dem Treffen der EU-Außenminister nächste Woche auf Zypern vier Kandidaturen erörtert: die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank und ehemaliger italienischer Ministerpräsident Mario Draghi, der derzeitige finnische Präsident Alexander Stubb und sein Vorgänger Sauli Niinistö.

Doch bereits vor dem Treffen wurde die Liste faktisch verkürzt. Merkel lehnte öffentlich ab: In einem Forum des Fernsehsenders WDR erklärte sie, dass Verhandlungen mit Russland von denen geführt werden sollten, die derzeit an der Macht sind und Verantwortung tragen — nicht von früheren Führungspersonen.

«Ihre früheren gescheiterten Vermittlungsversuche werden von vielen in Europa als ausreichender Grund für eine Ablehnung angesehen»

Politico, unter Berufung auf diplomatische Quellen

Warum jeder Kandidat ein Problem ist

  • Merkel — lehnte persönlich ab, und ihr Ruf nach „Minsk" und „Nordstream" ist in den Augen vieler Europäer diskreditiert.
  • Stubb — derzeitiger Präsident eines NATO-Landes, und Finnlands Beitrittszugehörigkeit zum Bündnis verringert seine Akzeptabilität für Moskau.
  • Kallas — die Chefin der EU-Diplomatie nominierte sich selbst, doch wie Politico unter Berufung auf drei Diplomaten berichtet, macht ihre harte anti-russische Position einen Dialog unmöglich: «Leider hat sie sich selbst aus dieser Liste ausgeschlossen», sagte ein hochrangiger EU-Diplomat.
  • Draghi — nach denselben Quellen «genießt Respekt in Europa und wird weder als Falke noch als Kremlin-Sympathisant wahrgenommen», hat aber noch kein Mandat.

Form ohne Inhalt

Das Kernproblem ist nicht der Name, sondern die Befugnisse. Es gibt noch kein öffentliches Dokument über das Mandat des Verhandlungsführers, den Mechanismus seiner Rechenschaftspflicht oder die Grenzen dessen, was er im Namen aller 27 Länder versprechen kann. Ein Verhandlungsführer ohne Mandat ist kein Diplomat, sondern ein Gesandter mit freiem Geleit.

Der Kreml reagierte bereits in charakteristischer Manier: Sprecher Peskov nannte die Suche der EU «irrelevant» und deutete an, dass Kallas selbst diese Rolle nicht anstreben sollte.

Was kommt als Nächstes

Das Treffen auf Zypern findet statt, nachdem sowohl Washington als auch Kiew die Idee eines separaten europäischen Kanals zu Moskau unterstützt haben. Aber die Unterstützung einer Idee ist nicht dasselbe wie die Zustimmung zu einer bestimmten Person mit bestimmten Befugnissen.

Falls die Minister auf Zypern Draghi oder Stubb zustimmen, dem Verhandlungsführer aber kein klares Mandat von allen 27 Ländern geben — wird Putins sich dann überhaupt an einen Tisch setzen, oder wird er die Unklarheit selbst als Vorwand nutzen, um den Prozess zu verlangsamen?

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