In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern Koordination
Auf einer Pressekonferenz in München forderte Wolodymyr Selenskyj Europa auf, sich auf ein Format des Dialogs mit Russland festzulegen: die Wiederaufnahme von Kontakten, zu der der französische Präsident aufruft, dürfe nicht zum Instrument werden, das den Kontinent spaltet. Diese Botschaft verdient Aufmerksamkeit — es geht nicht nur um den Ruf der führenden Politiker, sondern darum, welche Garantien der Ukraine im Falle neuer Verhandlungen verbleiben würden.
Was der Präsident genau sagte
"Ich denke, dass Putin mit dem einen, mit dem anderen, dann mit dem dritten, mit dem vierten spielen wird, um Europa zu spalten und jedem irgendeine Süßigkeit zu geben, und einfach, um ihnen das Gefühl zu geben, dass sie eine entscheidende Rolle haben"
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
"Er hat mir davon erzählt. Er hat mit anderen Führungspersonen gesprochen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihnen sagen kann, mit wem genau er gesprochen hat. Emmanuel hat sehr offen mit mir gesprochen, worüber sie gesprochen haben und welche Ergebnisse es gab"
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Chronologie der wichtigsten Schritte
19. Dezember 2025 — Emmanuel Macron erklärte, die Europäer müssten einen Weg finden, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen, und dass es sinnvoll sei, wieder mit Putin zu sprechen.
21. Dezember 2025 — Selenskyj bestätigte, dass Macron mit ihm die Möglichkeit eines direkten Dialogs erörtert habe, falls die USA die Besatzer nicht in Schach halten könnten; der Präsident betonte, er werde für die Beteiligung Amerikas am Friedensprozess kämpfen.
4. Februar 2026 — Es erschienen Berichte über den Besuch eines französischen Diplomaten in Russland zu Gesprächen mit russischen Funktionären.
Warum das wichtig ist — kurze Analyse
Russland wendet systematisch die Taktik privater Absprachen und bilateraler Angebote an, um Länder aus der gemeinsamen Front der Sanktionen und der Unterstützung für die Ukraine herauszulösen. Wenn Verhandlungen einzeln geführt werden, besteht das Risiko, dass einzelne Hauptstädte unter dem Druck wirtschaftlicher oder energiepolitischer Interessen Zugeständnisse machen, die die Fähigkeit der Ukraine, ihre territoriale Integrität wiederherzustellen, verringern.
Die Beteiligung der USA an einem Verhandlungsformat wirkt wie ein Anker: Sie erhöht den strategischen und politischen Preis jeglicher Abweichungen von Grundsätzen, die die Ukraine schützen. EU-Experten und Analysten weisen darauf hin, dass ohne klare Koordination zwischen EU, USA und Ukraine der Spielraum für russische Manöver deutlich größer wird.
Folgen für die Ukraine und Europa
Wenn die EU beschließt, geschlossen zu handeln und die Beteiligung der USA am Prozess fordert, erhöht das die Chancen auf einen bedingten und kontrollierten Dialog, in dem Schlüsselthemen — Sanktionen, Sicherheit und Garantien — kollektiv verhandelt werden. Gehen die Länder hingegen getrennte Wege, erhält Russland die Möglichkeit, einzeln zu verhandeln, was die Positionen der Ukraine schwächt und den Druck auf den Kreml verringert.
Fazit
Selenskyj stellt eine einfache Frage: Ist Europa bereit, seine Schritte zu koordinieren, damit der Dialog mit dem Kreml nicht zum Instrument der Spaltung wird? Von der Antwort hängt nicht nur die diplomatische Logistik ab, sondern auch die realen Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Jetzt sind die Führungspersönlichkeiten gefragt — werden Erklärungen in eine abgestimmte Strategie überführt?