Position Aserbaidschans
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz erklärte Präsident Ilham Alijew unmissverständlich: Aserbaidschan wertet die Angriffe auf seine diplomatischen Vertretungen in Kiew als absichtlich. Seiner Darstellung zufolge habe es drei Angriffe gegeben – und das, obwohl Baku Russland zuvor die Koordinaten seiner Vertretungen übermittelt hatte.
„Auf unsere Botschaft in der Ukraine wurden drei Angriffe verübt. Nach dem ersten dachten wir, es könnte ein Versehen gewesen sein. Dann haben wir der russischen Seite die Koordinaten unserer diplomatischen Vertretungen – der konsularischen Abteilung, des Kulturzentrums, der Botschaft – übermittelt. Trotz dessen gab es zwei weitere Angriffe“
— Ilham Alijew, Präsident Aserbaidschans
Chronik des Vorfalls
In der Nacht auf den 14. November 2025 wurde Kiew von einem massiven Drohnen- und Raketenangriff getroffen. Nach Angaben offizieller Stellen gehörte auch die aserbaidschanische Botschaft zu den getroffenen Objekten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete von Hunderten von Angriffs-Drohnen und Raketen und nannte unter anderem „Zirkon“; bei den Beschüssen gab es Tote und Verletzte.
Als Reaktion rief das aserbaidschanische Außenministerium den russischen Botschafter zur Rede und übergab eine Protestnote – ein diplomatischer Schritt, der die Ernsthaftigkeit von Bakus Vorwürfen unterstreicht.
Warum das wichtig ist
Sollten Alijews Angaben bestätigt werden, hätte der Vorfall nicht nur militärische, sondern auch politische Bedeutung. Die Übermittlung der Koordinaten diplomatischer Einrichtungen ist gängige Praxis, um das Risiko eines versehentlichen Treffers zu verringern. **Wiederholte Angriffe nach einer solchen Übermittlung stärken die These einer Absichtlichkeit** und verändern die rechtliche sowie politische Logik des Vorfalls.
Angriffe auf diplomatische Einrichtungen sind nach internationalem Recht verboten und schaffen einen Präzedenzfall in den Beziehungen zwischen Russland und Drittstaaten. Für Baku geht es dabei nicht nur um die Sicherheit des Personals, sondern auch um ein Signal für die Innenpolitik und die regionale Zusammenarbeit.
„Wir haben ausschließlich diplomatische Schritte unternommen. Weitere Maßnahmen können wir nicht ergreifen“
— Ilham Alijew, Präsident Aserbaidschans
Folgen für die Ukraine und die Region
Für die Ukraine verkompliziert der Vorfall die diplomatische Unterstützungsstruktur: Wenn Partner ein Risiko für ihre Vertretungen sehen, kann das die Logistik von Hilfe sowie die Bildungs- und kulturelle Zusammenarbeit erschweren. Zugleich zeigt die klare, öffentliche Reaktion Bakus (Einbestellung des Botschafters, Protestnote), dass das Land den Dialog mit Kiew nicht abbricht, wohl aber auf diplomatischem Wege Druckmittel einsetzt.
Analysten weisen auf eine weitere Dimension hin: Angriffe auf diplomatische Einrichtungen können als Druckmittel gegen Staaten dienen, die zwischen Moskau und dem Westen balancieren, um deren Bereitschaft zu verringern, die Ukraine offen zu unterstützen.
Fazit: Was als Nächstes zu erwarten ist
Der Vorfall stellt eine einfache, aber wichtige Frage: Können internationale Partner diplomatische Erklärungen in konkrete Sicherheitsgarantien für diplomatische Missionen ummünzen? Nun sind Baku und seine Partner am Zug – die Diplomatie muss entweder härter reagieren, oder das Risiko, dass sich solche Praktiken ausweiten, wird steigen.
Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie in der großen Geopolitik schon Anschläge auf ein einzelnes Objekt weitreichende Auswirkungen auf Sicherheit, Zusammenarbeit und die Bereitschaft von Staaten haben können, Seite an Seite mit der Ukraine zu handeln.