ERR boykottiert Paralympics-Übertragungen wegen der Teilnahme Russlands und Belarus' — ein Signal an Europa

Wenn öffentlich-rechtliche Sender nicht nur informieren, sondern eine verantwortungsbewusste Haltung formen: warum ERR sich weigert, Wettkämpfe mit russischen und belarussischen Flaggen zu übertragen und was das in der Medienlandschaft verändert.

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Kurz — warum das wichtig ist

Der estnische öffentlich-rechtliche Sender ERR kündigte an, keine Wettkampfübertragungen der Winter-Paralympischen Spiele Mailand–Cortina zu senden, wenn dort Athletinnen und Athleten Russlands und Belarus unter nationalen Flaggen antreten. Das ist nicht nur eine redaktionelle Entscheidung — es ist ein Signal dafür, wie Teile der europäischen Medien auf die Rückkehr von Sportlern aus Russland und Belarus zu internationalen Wettkämpfen reagieren. Für die Ukraine und ihre Partner ist diese Frage nicht nur moralischer Natur, sondern hat auch Informations- und diplomatische Bedeutung.

Position der ERR

Der Leiter der Sportredaktion von ERR, Rivo Saarna, betonte, dass der Sender eine Normalisierung des Handelns von Aggressorstaaten durch den Sport ablehnt und deshalb keine Übertragungen zeigen wird, in denen Athleten aus Russland und Belarus unter nationalen Symbolen auftreten. Gleichzeitig verzichtet ERR nicht vollständig auf die Berichterstattung über die Spiele: Die Sender planen, die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien zu übertragen, jedoch mit zusätzlichem Kontext zu den Entscheidungen der internationalen Organisationen.

"ERR verurteilt eindeutig die Normalisierung des Handelns von Aggressorstaaten durch den Sport und die olympische Bewegung und akzeptiert nicht die Zulassung von Vertretern Russlands und Belarus zu den Paralympics unter staatlichen Flaggen."

— Rivo Saarna, Leiter der Sportredaktion von ERR

Was das IPC beschlossen hat und was angesehene Medien berichten

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat frühere Beschränkungen aufgehoben und einigen Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus erlaubt, unter nationalen Flaggen anzutreten. BBC Sport berichtete von zehn eingeladenen Athletinnen und Athleten (6 aus Russland, 4 aus Belarus), die über die Bipartite-Kommission Quoten erhalten haben. Diese Entscheidung rief in mehreren Ländern und in Teilen der Sportgemeinschaft Kritik hervor — in diesem Kontext überdenken Medien und Politiker ihre Positionen.

Reaktion der Region und mögliche Folgen

ERR ist mit seiner Haltung nicht allein. Eine ähnliche Position hatte bereits der lettische öffentlich-rechtliche Sender LSM angekündigt, und die Debatte läuft auch innerhalb der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Der Jugend- und Sportminister der Ukraine, Матвій Бідний, forderte das IPC auf, Russland und Belarus bei den Spielen keine Bühne zu geben und bezeichnete die Rückkehr unter nationalen Flaggen als faktische Unterstützung der Legitimierung der Aggression.

"Die Entscheidung des IPC trägt faktisch zur Legitimierung des Kriegs und der russischen Verbrechen bei — deshalb fordern wir, ihnen keine Tribüne zu geben."

— Матвій Бідний, Jugend- und Sportminister der Ukraine

ERR erklärte zudem, bereit zu sein, die Beschränkungen zu verschärfen, abhängig von abgestimmten Vorgehensweisen der Partner in der EBU. Das bedeutet, dass die Position eines einzelnen öffentlich-rechtlichen Senders in eine koordinierte Aktion auf europäischer Ebene übergehen könnte — und damit den Informations- und moralischen Druck auf internationale Organisationen verstärken würde.

Analyse: warum das für die Ukraine wichtig ist

Erstens schaffen öffentlich-rechtliche Sender Vertrauen beim Publikum. Wenn sie Übertragungen als Reaktion auf politische Entscheidungen der Sportorganisationen blockieren, macht das die Frage der Teilnahme der Aggressoren im öffentlichen Diskurs sichtbarer. Zweitens eröffnen solche Schritte einen zusätzlichen Kanal des Einflusses auf IPC und EBU: Medien können zu einer Art Mechanismus sozialen Drucks werden, der diplomatische Forderungen stärkt.

Schließlich ist es für Zuschauer in der Ukraine und in der EU nicht nur eine ethische Entscheidung, sondern eine Frage der Informationssicherheit. Die Übertragung von Auftritten unter nationalen Flaggen kann als Versuch wahrgenommen werden, den Aggressorstaat wieder in die »öffentliche Norm« zurückzuführen. Mit seiner Entscheidung betont ERR, dass Sport und Menschenrechte keine getrennten Bereiche sind, wenn es um offene Aggression geht.

Fazit

ERR setzt auf eine prinzipielle Haltung, indem der Sender den Boykott einzelner Übertragungen mit journalistischem Kontext bei den Zeremonien verbindet. Das ist ein pragmatisches Druckmittel, das andere öffentlich-rechtliche Sender zu koordinierten Schritten bewegen könnte. Jetzt sind die Partner am Zug: Wird Europa eine gemeinsame Linie des Drucks auf die Sportorganisationen unterstützen — und werden sich Erklärungen in reale Änderungen der Regeln des internationalen Sports verwandeln?

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