Ministerien und andere zentrale Behörden können erneut Anträge für GovTech Lab Ukraine einreichen – ein Programm, das Staatsorgane mit Startups und IT-Unternehmen verbindet, um digitale Lösungen für konkrete Bürokratieprobleme zu entwickeln. Das Projekt wird vom Global Government Technology Centre Kyiv (GGTC) mit Unterstützung des Ministeriums für digitale Transformation, des Weltwirtschaftsforums und des Schweizer Programms EGAP über die Stiftung Osteuropa umgesetzt.
Wie es tatsächlich funktioniert
Die Logik des Programms ist der typischen staatlichen Auftragsvergabe entgegengesetzt: Der Staat kauft nicht ein fertiges Produkt, sondern formuliert ein Problem – und Technologieunternehmen schlagen selbst Lösungen vor. Das Team der Staatsbehörde beschreibt, welcher Service oder Prozess verbessert werden muss, woraufhin ein unabhängiger Beirat drei Herausforderungen für die Teilnahme am Programm auswählt.
Danach folgt ein öffentlicher Wettbewerb für Startups. Die vielversprechendsten Lösungen werden in einer realen Umgebung mit Mitteln des Programms getestet: um zu überprüfen, ob die Idee tatsächlich funktioniert, Feedback zu sammeln und die Umsetzung anzupassen.
«Staatsorgane formulieren eine Anfrage und beschreiben klar, welchen Service oder Prozess verbessert werden muss»
— GGTC Kyiv, Programmbeschreibung GovTech Lab
Was der erste Zyklus gezeigt hat
Bei der vorherigen Ausschreibung reichten Staatsorgane 21 Herausforderungen ein – und nur drei wurden ausgewählt. Das ist kein Scheitern: Der unabhängige Beirat siebt bewusst vage oder unrealistische Anfragen aus. Für Behörden, die es gewohnt sind, Budgets unter beliebigen Formulierungen zu erhalten, ist die Ablehnung selbst bereits eine institutionelle Erfahrung.
Die drei ausgewählten Herausforderungen des ersten Zyklus betrafen Stadtentwicklung, Rechtsberatung und Tourismus. Startups – ukrainische und internationale – entwickelten Lösungen zusammen mit den entsprechenden Behörden.
Kontext: Warum dies nicht einfach ein weiteres «digitales Pilotprojekt» ist
Das GGTC in Kyiv ist das zweite GovTech-Zentrum weltweit nach Berlin und das 21. Zentrum der Vierten industriellen Revolution im Netzwerk des Weltwirtschaftsforums. Das bedeutet nicht nur Prestige, sondern auch Zugang zu einem globalen Netzwerk von GovTech-Praktiken und Vergleichsdaten aus anderen Ländern.
- Finanzierung – Schweizer Regierung im Rahmen des EGAP-Programms
- Testen von Lösungen – aus Programmitteln, nicht aus dem Staatshaushalt
- Auswahlkriterien – unabhängiger Beirat, nicht das zuständige Ministerium
Parallel hat das Programm bereits einen separaten Wettbewerb für Startups der Serie A+ angekündigt – dieser läuft bis zum 28. Oktober 2025, die Gewinner werden am 19. November bekannt gegeben.
Wenn Staatsorgane in der neuen Ausschreibung wieder zwei Dutzend Herausforderungen einreichen und die Mehrheit wieder nicht ausgewählt wird – das wird nicht auf die Schwäche des Programms hindeuten, sondern darauf, dass der Staat noch nicht gelernt hat, Probleme präziser zu formulieren als «es muss verbessert werden».