16. Juni 2025 präsentierten Donald Trump Jr. und Eric Trump das T1 Phone im Trump Tower – eine „patriotische Alternative zu Apple und Samsung" für $499. Für die Reservierung zahlten Käufer eine Kaution von $100, und die Lieferung sollte bereits im nächsten Sommer erfolgen. Elf Monate später gibt es keine einzige bestätigte Lieferung.
Was sich am 6. April änderte
Eine am 6. April veröffentlichte Aktualisierung der Vorbestellungsbedingungen enthält eine Schlüsselformel: Die Kaution „gewährt lediglich eine bedingte Möglichkeit, falls Trump Mobile später nach eigenem Ermessen beschließt, das Gerät zum Verkauf anzubieten". Das Unternehmen fügte auch hinzu, dass es nicht garantiert, dass der T1 Phone kommerziell auf den Markt kommt und nicht einmal, dass die Produktion beginnt.
„Eine Vorbestellung ist keine Kauf, keine Annahme einer Bestellung, schafft keinen Kaufvertrag und überträgt kein Eigentumsrecht".
Trump Mobile, aktualisierte Vorbestellungsbedingungen, 6. April 2026
Vor dieser Aktualisierung konnten Käufer vernünftigerweise davon ausgehen, dass sie für die Reservierung einer echten Ware zahlten. Nun ist dies juridisch nicht der Fall.
$59 Millionen in der Schwebe
Schätzungsweise 590.000 Käufer zahlten insgesamt $59 Millionen Kaution. Zum Vergleich: Das ist mehr als das Jahresbudget einiger mittelgroßer ukrainischer Städte.
NBC News, das im August 2025 selbst eine Kaution zur journalistischen Überwachung zahlte, rief zwischen September und November fünfmal den Kundendienst an. Vertreter des Unternehmens versprachen nacheinander Lieferungen am 13. November, dann im Dezember, dann „irgendwann im ersten Quartal 2026" – unter Berufung auf eine Pause in der Arbeit der Bundesregierung, die keinen Einfluss auf private Unternehmen haben kann.
Journalist Joseph Cox von 404 Media versuchte auch, eine Kaution zu zahlen – Trump Mobile belastete seine Karte mit einem falschen Betrag und fragte nie nach einer Lieferadresse.
Technischer Stand des Projekts
Bei einer Präsentation im Februar 2026 zeigten die Trump Mobile-Manager Don Hendrickson und Eric Thomas einen neuen Prototyp und nannten die Spezifikationen: Qualcomm Snapdragon-Chipset der 7. Serie, 5000-mAh-Akku, 512 GB Speicher. Sie teilten mit, dass das Gerät die FCC-Zertifizierung erhalten hat, aber zum Mai 2026 immer noch nicht die Zertifizierung von T-Mobile erhalten hat – dem Betreiber, über dessen Netz es funktionieren soll.
Parallel dazu kündigte das Unternehmen das Modell T1 Ultra an – nannte jedoch weder Fristen noch Bedingungen.
Behördlicher Druck
Im Januar 2026 wandte sich Senatorin Elizabeth Warren zusammen mit neun anderen Kongressmitgliedern an die Federal Trade Commission mit der Forderung, „ein System potenziell betrügerischer Praktiken" zu untersuchen – insbesondere Werbeversprechungen über die amerikanische Herstellung und Kaution für ein Produkt, das nicht existiert.
Die FTC unter Trumps Verwaltung wird eine Untersuchung kaum beschleunigen – aber die Tatsache der offiziellen Beschwerde selbst schafft einen rechtlichen Präzedenzfall für künftige Klagen von Käufern.
Warum dies mehr als eine Kuriosität ist
Das Schema „Kaution sammeln → Bedingungen ändern → Geld behalten" ist im Verbraucherschutzrecht als konstruktiver Betrug bekannt, auch ohne böse Absicht. Die Schlüsselfrage ist nicht, ob der T1 Phone auf den Markt kommt – sondern ob 590.000 Menschen ihr Geld zurückbekommen können, falls das Unternehmen die „Schließung des Projekts" gemäß genau den gleichen neuen Bedingungen erklärt, die dies eindeutig zulassen.
Wenn die FTC bis Ende 2026 kein offizielles Verfahren eröffnet und T-Mobile keine Zertifizierung erteilt – sinken die Chancen, den T1 Phone im Handel zu sehen, gegen Null, und die einzige praktische Frage wird zu einer rechtlichen: Werden die $59 Millionen Kaution als Einnahmen des Unternehmens oder als Verpflichtung gegenüber den Käufern betrachtet.