Der Tanker Kunpeng mit einem Volumen von 138.200 Kubikmetern verließ die russische LNG-Anlage „Portovaya" am 21. Dezember. Mehrere Monate lang trieb er auf offener See, dann begann er sich südwärts durch das Südchinesische Meer zu bewegen und gab am 25. April das indische Terminal Dahej im Westen des Landes als Bestimmungsort an. Nach Angaben von LSEG und Kpler wurde das Schiff nicht gelöscht — es befindet sich derzeit in der Nähe von Singapurs Gewässern ohne erklärte Route.
Verschleierung half nicht
Ein charakteristisches Detail: Wie Reuters unter Berufung auf Quellen berichtet, war die Dokumentation der Ladung so ausgefertigt, als wäre sie nicht russisch. Allerdings machte die Satellitenüberwachung den Umweg sinnlos — der Ursprung der „Portovaya" wurde problemlos ermittelt. Dies war nach Angaben von Reuters-Quellen das Argument gegen die Löschung: Indische Häfen und LNG-Terminals weigern sich systematisch, Ladungen aus sanktionspflichtigen Quellen anzunehmen.
LNG ist viel schwerer vor Satellitenüberwachung zu verbergen als Öl — im Gegensatz zu Rohöl ist hier eine Schiff-zu-Schiff-Umladung auf dem Meer nicht möglich.
Reuters-Quelle, mit der Situation vertraut
Warum Indien — nicht China
Die USA verschärften zu Beginn des Jahres 2025 die Sanktionen gegen „Portovaya" und Arctic LNG 2. Danach bleibt der einzige Hafen, der konstant sanktioniertes russisches LNG annimmt, das chinesische Beihai — Gazprom hat bereits mehrere Chargen dorthin verschickt. Chinesische Staatskonzerne sind bereit, den amerikanischen Druck zu ignorieren; indische nicht.
Der Grund ist pragmatisch: Sekundärsanktionen. Das OFAC hat die Befugnis, Dritte für „wesentliche Unterstützung" von sanktionspflichtigen Strukturen zu bestrafen. Für indische Banken, Versicherer und Trader überwiegt das Risiko der Abkoppelung vom Dollarsystem den Rabatt auf russisches Gas — selbst unter Energiekrisen-Bedingungen.
- Indien ist der größte Käufer von russischem Seerohs, aber Öl ist durch Umladung leichter zu verschleiern.
- Nicht sanktioniertes russisches LNG kauft Indien gerne — aber der Großteil solcher Volumen ist bereits an Europa vertraglich gebunden.
- Moskau führt gleichzeitig Verhandlungen über langfristige Lieferabkommen an Indien für LNG und Düngemittel — Kalium, Phosphor, Harnstoff.
Was kommt als Nächstes mit Kunpeng
Trader, die von Business Standard befragt wurden, halten das wahrscheinlichste Szenario für das, dass der Tanker letztendlich nach Beihai fahren wird — das einzige echte Absatzmarkt für sanktioniertes LNG. Dies würde das chinesische Terminal zu einer Art globalem „Abstellplatz" für Ladungen machen, die sonst niemand annimmt.
Wenn Kunpeng tatsächlich in China gelöscht wird und keinen anderen Käufer findet, wird Russland eine Bestätigung erhalten: Die Umgehung von Sanktionen durch Asien verengt sich auf einen einzigen engen Kanal. Die Frage ist, wann dieser Kanal zum Gegenstand zusätzlichen Drucks durch Washington wird — und ob Beihai seinen Status als einziger „Zufluchtsort" für sanktioniertes LNG behält, falls die USA beschließen, auch diese Lücke zu schließen.