DeepSeek war 13 Stunden lang offline – und niemand konnte erklären, warum

Der bislang längste Ausfall in der Geschichte von DeepSeek ereignete sich zwei Monate, nachdem der Chatbot die Märkte um eine Billion Dollar erschüttert hatte. Das Unternehmen schweigt weiterhin zu den Ursachen — und es ist nicht nur eine technische Frage.

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In der Nacht zum 30. März verzeichnete DeepSeek den größten Ausfall seit seinem Start. Laut der Statusseite des Unternehmens traten die ersten Probleme um 21:35 Pekinger Zeit auf. Etwa zwei Stunden später wurden sie als behoben markiert — doch um 00:20 trat die Situation erneut auf. Endgültig wurde der Dienst erst um 10:33 am nächsten Morgen wiederhergestellt.

Das heißt also nicht sieben Stunden, sondern mindestens dreizehn — mit vier separaten Zyklen „untersuchen → beheben → erneut untersuchen“. So sieht die Chronologie auf status.deepseek.com aus, die Bloomberg als Primärquelle bezeichnete.

Schweigen statt Erklärungen

Das Unternehmen gab weder Bloomberg noch anderen Medien einen Kommentar. Die Ursachen des Ausfalls wurden offiziell nicht offengelegt. Das ist selbst für geschlossene Technologieunternehmen untypisch: Die meisten großen Plattformen veröffentlichen zumindest ein kurzes post-mortem nach längeren Ausfällen.

DeepSeek verzeichnete seit der Einführung des Modells R1 im Januar 2025 eine Verfügbarkeit von etwa 99 % — daher ist der Ausfall für sich genommen ein statistischer Ausreißer. Aber die Frage betrifft nicht die reine Verfügbarkeitszahl.

Kontext, der wichtiger ist als der Ausfall

Im Januar 2025 löste das Auftauchen von DeepSeek R1 einen Ausverkauf von Technologiewerten in Höhe von mehr als einer Billion Dollar aus — Nvidia verlor allein an einem Tag rund 600 Milliarden. Das Startup behauptete, das Modell für 5,6 Millionen Dollar trainiert zu haben, während amerikanische Wettbewerber Milliarden ausgeben. Analysten der Cloud Security Alliance bezeichneten diese Behauptung später als „deutlich übertrieben“.

Parallel dazu stellte sich heraus, dass DeepSeek Nvidia‑Chips verwendete, deren Export nach China verboten ist. Im April 2025 veröffentlichte ein parteiübergreifender Ausschuss des US‑Kongresses einen Bericht, in dem DeepSeek als „eine tiefe Bedrohung für die nationale Sicherheit“ bezeichnet wurde, unter anderem weil Nutzerdaten über eine Infrastruktur übertragen werden, die mit China Mobile verbunden ist — einem Telekom‑Anbieter, den die USA bereits 2019 vom eigenen Markt ausgeschlossen haben.

„DeepSeek fungiert als direkter Kanal zur Sammlung ausländischer Geheimdienstinformationen über private Daten von Amerikanern“.

Bericht des Ausschusses des US‑Repräsentantenhauses für China, April 2025

Forscher von Cisco stellten fest, dass das Modell während Sicherheitstests keine bösartigen Anfragen blockierte. Qualys verzeichnete ein Versagen in mehr als der Hälfte der Jailbreak‑Tests. HiddenLayer wies ausdrücklich darauf hin, dass die Bereitstellung von DeepSeek auf eigener Infrastruktur eines Unternehmens Risiken mit sich bringe, wegen „Problemen mit Zuverlässigkeit und Datensicherheit“.

Was der Ausfall über die Wahl zwischen Preis und Zuverlässigkeit aussagt

DeepSeek zieht vor allem durch den Preis an: Das Modell ist kostenlos, die API ist günstiger als die von OpenAI, und eine lokale Bereitstellung ist technisch möglich. Deshalb beginnen Unternehmen weltweit, es in ihre Produkte zu integrieren — oft ohne tiefgehendes Audit der Infrastruktur des Anbieters.

Der Ausfall am 30. März hat nichts Kritisches zerstört — er erinnerte lediglich daran, dass während der 13 Stunden des Schweigens kein Unternehmen eine Erklärung vom Anbieter erhielt, dem es seine Anfragen anvertraut hatte. Für einen Consumer‑Chatbot ist das ein Ärgernis. Für ein Unternehmenswerkzeug ist es bereits ein operatives Risiko.

Wenn DeepSeek tatsächlich auf den Unternehmensmarkt außerhalb Chinas abzielt, wird der nächste größere Ausfall eine Prüfung nicht der Technik, sondern der Kommunikation sein: Wird endlich ein Post‑Mortem mit den tatsächlichen Ursachen erscheinen — oder wird das Unternehmen erneut zum Schweigen greifen.

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