Am 10. September 2024 absolvierte eine F-35C über der Luftwaffenbasis Patuxent River in Maryland seinen ersten Flug mit zwei AGM-158C LRASM-Flugkörpern an den inneren Aufhängepylonen der Tragflächen – plus zwei inerten AIM-9X an den Flügelspitzen. Dies waren die ersten „Captive Carry"-Tests: eine Überprüfung, wie sich die Rakete in verschiedenen Flugmodi am Flugzeugrumpf verhält, ohne Abwurf und Zündung.
Warum außen und nicht in der Bombe
Die LRASM passt physisch nicht in das interne Waffenschacht-Abteil der F-35 – die etwa 4,3 Meter lange Rakete wurde für die externe Aufhängung an Plattformen wie B-1B und F/A-18 entwickelt. Für die F-35 bedeutet dies einen konkreten taktischen Kompromiss: Die externe Aufhängung beeinträchtigt die Tarnfähigkeit teilweise, für die das gesamte Projekt konzipiert wurde. Nach Angaben von The Aviationist ist die Konfiguration – zwei LRASM an den dem Rumpf nächsten Pylonen – dieselbe, die später bei der F-35B während der Erprobungen im März 2025 angewendet wurde.
Laut Lockheed Martin erfolgt die Integration von LRASM im Rahmen des Modernisierungspakets Block 4 – zusammen mit der Rakete JASSM (AGM-158B). Beide Systeme werden extern aufgehängt. Die Frage der internen Stationierung bleibt offen: Das Unternehmen hat nicht bestätigt, ob solche Modifikationen für zukünftige Versionen erwogen werden.
Was ist LRASM und wofür braucht es die F-35C
AGM-158C ist ein Schiffsabwehrflugkörper mit Stealthelementen, autonomer Zielsuche und Fähigkeit zum Betrieb unter elektronischen Kampfbedingungen. Nach verfügbaren Quellen beträgt ihre Reichweite über 370 km, einzelne Schätzungen erreichen 925 km (analog zur Base-JASSM-ER). Die Rakete fliegt in mittlerer Höhe und wechselt dann in den „Sea-Skimming"-Modus – minimale Höhe über dem Wasser – um die Abwehr durch Schiffsluftabwehrsysteme zu erschweren.
„LRASM ist zur Vernichtung von Oberflächenzielen unter komplexen elektronischen Kampfbedingungen und unter intensivem Flugabwehrschutz ausgelegt".
Lockheed Martin, Pressemitteilung, März 2025
F-35C ist die einzige Variante des Joint Strike Fighter, die auf Flugzeugträgern der U.S. Navy stationiert ist. Ihre Integration mit LRASM bezieht sich direkt auf Szenarien im Pazifischen Ozean: Wie Army Recognition anmerkt, ist die Entwicklung Teil der Antwort auf das Wachstum der Fähigkeiten der chinesischen PLAN-Oberflächenflotte.
Wo das Programm aktuell steht
Die Flugtests der F-35C im September sind die erste von mehreren Phasen. Die nächsten sehen Raketenabwurf während des Fluges und Kampfstarts vor. Im März 2025 absolvierte die F-35B eine ähnliche erste Phase. Keiner der Varianten hat bislang die Phase des scharfen Starts erreicht.
- September 2024 – F-35C: erste Captive-Carry-Flüge (9.–10. September, Patuxent River)
- März 2025 – F-35B: erster Captive-Carry-Flug, von Lockheed Martin bestätigt
- Nächste Phase – Abwurf und Start: Datum nicht bekannt gegeben
Captive Carry ist lediglich eine Bestätigung der strukturellen Kompatibilität. Zur operativen Einsatzbereitschaft bleiben mindestens zwei weitere Erprobungsphasen, nach denen die Daten zur Zertifizierung übermittelt werden.
Die Schlüsselfrage des Programms: Falls die externe Aufhängung die einzige Option bleibt, wird die F-35C mit LRASM in Szenarien eingesetzt, in denen Tarnfähigkeit kritisch ist – oder wird die Rakete ein Instrument der zweiten Staffel, nachdem die Luftabwehr durch andere Mittel unterdrückt worden ist?