Vor fünf Jahren trennte sich Apple lautstark von Intel: Der Wechsel zu eigenen M-Chips aus der Fertigung von TSMC wurde zum Symbol der technologischen Unabhängigkeit des Unternehmens. Jetzt kehrt Intel zurück — aber in einer anderen Rolle.
Der Analyst Ming-Chi Kuo hat bestätigt: Apple hat Pilotfertigungsprozesse im Verfahren Intel 18A-P gestartet. Es geht um Chips für günstigere und frühere Generationen von Geräten — iPhone, iPad und Mac im unteren Preissegment. Die Massenproduktion ist, falls die Tests erfolgreich ausfallen, für 2026–2027 geplant.
Was ist 18A-P und warum ist das wichtig
Das Intel-Verfahren 18A (ungefähres Äquivalent zu 1,8 nm) nutzt RibbonFET-Transistoren und die PowerVia-Technologie zur Stromversorgung über die Rückseite des Chips. Nach Angaben von Analysten ergibt dies 10% Leistungssteigerung und 15% Energieeinsparung im Vergleich zum vorherigen Intel 3. Test-Chips nach diesem Verfahren haben bereits im Oktober 2025 den Tape-out bestanden; zu den ersten Kunden gehören Microsoft und Amazon.
Nach Schätzung von Engadget entspricht Intel 18A etwa TSMCs N2 in Bezug auf Transistordichte und Leistung. Das bedeutet, Apple verzichtet nicht auf Qualität zugunsten der Diversifizierung — zumindest nicht bei weniger High-End-Chips.
Warum jetzt — und warum ausgerechnet Intel
TSMC fertigt etwa 90% der Apple-Prozessoren und mehr als 70% der weltweit modernsten Chips. Fast alle davon — auf Taiwan. Dies ist eine geografische Anfälligkeit, die Cupertino nicht länger ignorieren kann.
«Der Intel-Deal geht nicht darum, sich von TSMC zu verabschieden, sondern darum, niemals wieder Lieferengpässe zu haben».
Evercore ISI, analytische Bewertung nach Meldungen über die Partnerschaft
Zur rein geschäftlichen Logik kommt die politische hinzu. Im Jahr 2025 wandelte die US-Regierung einen Bundeszuschuss in Höhe von 9 Milliarden Dollar in Aktienkapital von Intel um — und wurde mit einem Anteil von etwa 10% zum größten Aktionär des Unternehmens. Die Trump-Administration übte aktiv Druck auf Apple aus, damit das Unternehmen zur Zusammenarbeit mit Intel zurückkehrt und die Produktion im amerikanischen Hoheitsgebiet erhöht.
Parallel berichtet Bloomberg, dass Apple auch das Samsung-Werk in Texas besuchte — die Diversifizierung beschränkt sich also nicht nur auf Intel. Das Unternehmen sucht gleichzeitig nach mehreren Alternativen.
Was ändert sich — und für wen
- Für Intel: Apple als Kunde ist nicht nur Umsatz, sondern ein Beweis dafür, dass die Foundry-Abteilung des Unternehmens wettbewerbsfähig ist. Nach der Ankündigung stiegen die Intel-Aktien um etwa 14%.
- Für TSMC: Selbst im optimistischsten Szenario für Intel wird TSMC weiterhin der Haupthersteller bleiben — Kuo schätzt seinen Anteil auf 90%, auch nach dem Start der Intel-Lieferungen.
- Für Verbraucher: Apple-Chips auf Basis von 18A-P gehen in günstigere Geräte, nicht in Flaggschiffe. iPhone 18 Pro und MacBook Pro auf Basis der M-Serie bleiben bei TSMC.
Apple kann sich die doppelte Beschaffungsquelle leisten — die Bruttomarge des Unternehmens überschreitet 49%, und die Kosten der Versicherung gegen geopolitisches Risiko werden unauffällig in den Gerätepreis eingerechnet.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Intel technisch zurechtkommt — die Testergebnisse sind bislang vielversprechend. Die Frage ist, ob Intel die Stabilität der Ausbeute (Yield) bei Chipsätzen in Apples Maßstab bewahren wird, wenn Pilotserien 2027 in industrielle Volumina übergehen: Das ist der Moment, in dem klar wird, ob dies eine echte Diversifizierung ist oder nur eine geopolitische Geste gegenüber Washington.