An Bord der Air Force One nach einem zweitägigen Gipfel in Peking sagte Donald Trump den Journalisten knapp: «Wir haben über Zölle nicht gesprochen. Sie zahlen erhebliche Zölle, aber wir haben darüber nicht gesprochen». Bloomberg zufolge ging es um die mögliche Fortsetzung eines «Zollmoratoriums», dessen Laufzeit im November 2026 ausläuft.
Was vor dem Treffen versprochen wurde
Die Kluft zwischen der Rhetorik des Teams und den Worten des Präsidenten selbst ist bezeichnend. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer nannte im März die Gründung eines sogenannten «Board of Trade» ein Schlüssel-«Deliverable» des Gipfels. Nach Greers Aussagen sieht der Mechanismus eine Senkung der Zölle auf unkritische Waren um mindestens 30 Milliarden Dollar pro Seite vor – ohne Berührung empfindlicher Sektoren wie Halbleiter und Seltenerdelemente.
«Das ist keine Situation, in der wir China zwingen, die Art und Weise der Wirtschaftsverwaltung zu ändern. Aber es gibt Raum, in dem wir den Handel optimieren können, um ein besseres Gleichgewicht zu erreichen».
Jamieson Greer, US-Handelsbeauftragter, Fox Business Network
Finanzminister Scott Bessent bestätigte in einem Kommentar für CNBC, dass die Seiten auch einen «Investitionsrat» diskutierten. Aber Greer selbst warnte vor übertriebenen Erwartungen: «Ich glaube nicht, dass wir auf einer Ebene der Beziehungen zu China sind, um von großen Investitionsprogrammen zu sprechen».
Kontext: Woher kam das «Moratorium»
Die aktuelle Pause im Handelskrieg ist das Ergebnis eines Treffens zwischen Trump und Xi im Oktober 2025 bei APEC in Busan. Damals wurden, wie Reuters berichtet, die Gesamtzölle auf chinesische Waren von 57% auf 47% gesenkt – hauptsächlich durch die Halbierung des 20-prozentigen «Fentanyl»-Tarifes im Austausch gegen Pekings Verpflichtung, die Kontrolle über Precursor zu verschärfen. Davor hatte Trump im August 2025 eine Durchführungsverordnung unterzeichnet, um das Moratorium um weitere 90 Tage zu verlängern – ohne diese wären die Zölle auf chinesische Waren auf 145% hochgeschnellt.
Was tatsächlich in Peking geschah
Der Pekinger Gipfel brachte «Stabilisierung» – aber keinen Durchbruch. Wie Euronews vermerkt, einigten sich beide Seiten darauf, das Moratorium beizubehalten und diskutierten Mechanismen zur Verwaltung künftiger Streitigkeiten, doch es wurden keine konkreten Zollverpflichtungen angekündigt. Xi nannte das Treffen «historisch» und «bedeutsam», Trump – «fantastisch».
Analysten bewerten die Ergebnisse zurückhaltend. Der Harvard-Professor Graham Allison prognostizierte in einem Kommentar für CNBC, dass das informelle Moratorium «vermutlich ein formelles Abkommen werden wird» – aber das liegt noch in der Zukunft. Der Analyst des Atlantic Council, John Lipski, merkte schärfer an: Die meisten «Siege» stellen lediglich die Beziehungen auf den Stand vor dem Handelskrieg im Frühjahr 2025 zurück, während die schwierigsten Fragen aufgeschoben wurden.
- Taiwan: Trump sagte «keine Verpflichtungen in keine Richtung» – Peking warnte öffentlich, dass dieses Thema zu einer direkten Konfrontation führen könnte.
- Seltenerdelemente: Trump erklärte die Frage «geregelt», China bestätigte eine einjährige Pause bei Exportbeschränkungen – Details bleiben verschwommen.
- Nvidia: CEO Jensen Huang schloss sich der Delegation im letzten Moment an, doch es kam zu keinem Durchbruch bei Chips.
- Iran: Beide Anführer erklärten ähnliche Positionen zur Straße von Hormuz – dies ist das einzige öffentlich bestätigte substantielle Ergebnis.
Warum «nicht besprochen» auch eine Position ist
Dass Trump Zölle öffentlich aus der Agenda des Gipfels ausklammerte, wird zweifach interpretiert. Einerseits ist es ein Signal an Peking: Druck auf Zollsenkungen ist für Washington gerade nicht vorrangig. Andererseits entlastet es den Präsidenten von der Verantwortung für konkrete Ergebnisse: Falls das Moratorium im November nicht verlängert wird, gab es formal «keine Absprachen».
Wie CBS News bemerkt, fand der Gipfel vor dem Hintergrund eines Handelskrieges statt, der 2025 gegenseitige Zölle für einige Wochen über 100% anhob – und beide Volkswirtschaften wollen dies wiederholen vermeiden. Aber die derzeitigen 47% auf chinesische Waren liegen immer noch über dem Niveau von Trumps erster Präsidentschaft.
Wenn der «Board of Trade» bis Ende des Sommers keine rechtliche Form mit klaren Verpflichtungen beider Seiten erhält, wird die November-Frist zu einem weiteren öffentlichen Pokerspiel, bei dem die Einsätze jedes Mal höher werden.
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