Million pro Woche: Wie Dija.AI die Logik der Staatsdienste verändert – und ob der Staat diese Logik aushält

Diya.AI hat innerhalb weniger Tage nach dem Start eine Million Nutzer erreicht – schneller als jeder bisherige digitale Dienst des Ministeriums für digitale Transformation. Diese Zahl steht für einen Wechsel im Ansatz: nicht mehr „finde die Dienstleistung im Menü", sondern „schreibe eine Anfrage und erhalte das Ergebnis".

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Інтерфейс Дія.AI в застосунку "Дія" (Фото: Мінцифра)

Vor einer Woche kündigte der amtierende Minister für digitale Transformation Oleksandr Bornjakow auf dem Mintsyfra Summit 2026 die Einführung von Diya.AI an. Bereits heute nutzen eine Million Nutzer diesen Dienst – und das ist nicht einfach nur eine schöne Zahl in einem Bericht.

Dahinter steckt eine konkrete Veränderung: Der Mensch muss nicht länger im Anwendung nach dem benötigten Abschnitt suchen. Er schreibt eine Anfrage im Chat – und erhält eine Dienstleistung. Zahlung einer Geldbuße für Verkehrsverstoße, Bescheinigung des Wohnortes für sich selbst oder das Kind, Überprüfung des Dokumentenstatus – all das läuft jetzt über Textnachrichten.

Was der Agent wirklich kann

Diya.AI ist nicht nur eine Suche in häufig gestellten Fragen. Der Dienst erbringt Staatliche Leistungen direkt im Chat: Er berät nicht nur, wo man klicken soll, sondern führt die Aktion durch. Neben Transaktionsfunktionen erklärt der Agent auch die Bedingungen von Staatsprogrammen – insbesondere die Teilnahme an Diya.City und Details anderer digitaler Initiativen.

Vor der Einführung von Diya.AI arbeitete in der Support-Abteilung von „Diya" bereits ein KI-Berater, dessen Ergebnisse selbst das Team des Ministeriums überraschten. Nach Angaben von Danylo Tsvok, Leiter der KI-Abteilung des Ministeriums für digitale Transformation, wurde das ursprüngliche Ziel, 50% der Anfragen zu automatisieren, verdoppelt.

«Heute schließt die KI über 90% der Anfragen. Der Algorithmus antwortet nahezu sofort – innerhalb von 5 Sekunden, versteht natürliche Sprache und Kontext».

Danylo Tsvok, Leiter der KI-Abteilung des Ministeriums für digitale Transformation

Das System verarbeitete über eine Million Anfragen, half fast 900.000 einzigartigen Nutzern, und die früheren Support-Operatoren übernahmen neue Rollen – sie trainieren neuronale Netze und kontrollieren die Antworten des Systems.

Agentic State: Ehrgeiz oder bereits Realität

Bornjakow positioniert Diya.AI als den weltweit ersten nationalen KI-Agenten für Staatliche Leistungen und als Teil eines umfassenderen Konzepts – Agentic State. Die Logik: Der Staat erkennt selbst die Bedürfnisse des Bürgers und löst sie ohne Warteschlangen und Papiere. «Diya», das von 24 Millionen Ukrainern genutzt wird, schafft nach Bornjakov bereits die kulturelle Grundlage für ein solches Modell – Menschen sind daran gewöhnt, digital mit dem Staat zu interagieren.

Parallel berichtet das Ministerium für digitale Transformation von konkreten Ergebnissen: In den ersten 120 Tagen 2026 starteten sie 22 neue Dienste in «Diya», Diya.City-Bewohner zahlten über 17 Milliarden Griwnja an Steuern in den Staatshaushalt, und die Überprüfung von Rechtsakten durch Anwälte mit Hilfe von KI wurde von mehreren Wochen auf 72 Stunden reduziert.

Wo die Grenze zwischen Bequemlichkeit und Kontrolle liegt

Diya.AI ist eine KI, die «natürliche Sprache» versteht und Zugang zu persönlichen Staatregistern hat. Das ist sowohl ein Vorteil als auch eine Frage, die bislang ohne öffentliche Antwort bleibt: Wer und wie überprüft die Genauigkeit der Entscheidungen des Agenten, wenn er sich bei der Ausstellung einer Bescheinigung oder des Dokumentenstatus irrt?

Das Ministerium für digitale Transformation führt Statistiken über Reichweite und Geschwindigkeit an, veröffentlicht aber keine Daten über die Fehlerquote oder den Mechanismus zur Anfechtung von Entscheidungen des Agenten. Bei einem normalen Dienst ist dies ein technischer Fehler. Bei Staatlichen Leistungen – potenziell juristische Folgen für eine bestimmte Person.

Wenn das Ministerium für digitale Transformation bis Ende 2026 die Liste der Diya.AI-Dienste von drei auf mehrere Dutzend erweitert – wird die Frage nach einem Mechanismus zur unabhängigen Überprüfung der Agenten-Entscheidungen nicht mehr technisch, sondern politisch.

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