Auf der Luftfahrtmesse ILA Berlin präsentierte die Firma Stark am 8. Juni 2026 zwei neue unbemannte Systeme — den Loiterungssprengstoff Cascade und die Aufklär-Angriffsdrohne Gambit. Dies sind die ersten neuen Produkte nach dem öffentlichen Scheitern bei Militärtests im Herbst 2025, als das vorherige System Virtus kein einziges Ziel traf.
Cascade: Containerstart, Reichweite bis 100 km
Cascade ist eine flugzeugähnliche Drohne mit Containerstart. Die Reichweite beträgt je nach Nutzlast zwischen 40 und 100 km, die Sprengladung bis zu 4,5 kg. Das Set „Drohne + Startcontainer" wiegt 20 kg, was einen Start von der Ladefläche eines Pickups oder eines Bootes ermöglicht. Das System kann ohne GPS fliegen — mittels visueller Navigation, was die Anfälligkeit für Signalstörungen teilweise kompensiert.
Gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Force Development Services entwickelt Stark eine sechsrohr-Startanlage für den Salvenstart von Cascade — also den gleichzeitigen Start mehrerer Einheiten gegen ein oder mehrere Ziele.
Gambit: Quadrocopter mit Glasfaser statt Funkverbindung
Gambit ist eine tragbare Drohne mit vier Rotoren und einem Gewicht von 6 kg. In der Standard-Aufklärungskonfiguration beträgt die Reichweite 40 km und die Flugzeit über 50 Minuten. In der Angriffsvariante mit einer Nutzlast von bis zu 2 kg reduziert sich die Reichweite auf 25 km.
Die Glasfaserspule ersetzt den Funkkanal vollständig — dies macht Störungen irrelevant.
DroneXL, Analyse der Gambit-Charakteristiken, Juni 2026
Die faseroptische Steuerung ist keine neue Technologie: Ukrainische Operatoren setzen sie seit Dezember 2024 an FPV-Drohnen ein. Aber das, was als Feldlösung im Donbas begann, erscheint nun als Option im Katalog des deutschen Rüstungsstartups.
Kontext: vom Scheitern zur neuen Produktlinie in acht Monaten
Stark wurde 2024 von Florian Seibell gegründet, dem ehemaligen CEO von Quantum Systems. Im August 2025 sammelte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde unter der Leitung von Sequoia ein, die das Unternehmen mit etwa 500 Millionen Dollar bewertete. Heute hat es Niederlassungen und Produktion in Deutschland, der Ukraine, Großbritannien, Schweden und Griechenland.
Virtus — Starks früherer Loiterungssprengstoff — erhielt im Februar 2026 einen Vertrag mit einem nicht offengelegten nordeuropäischen NATO-Land. Nach Angaben der Zeitschrift Tectonic Defense sahen die Vertragsbedingungen mehrere tausend Systeme im Laufe von zwei Jahren nach erfolgreicher Qualifizierung vor. Das heißt, zum Zeitpunkt der Unterzeichnung war die Qualifizierung noch nicht abgeschlossen.
- Cascade: Reichweite 40–100 km, Sprengladung bis 4,5 kg, Containerstart, Systemgewicht 20 kg, visuelle Navigation ohne GPS
- Gambit: Reichweite bis 40 km (ISR) / 25 km (Angriff), Gewicht 6 kg, Sprengladung bis 2 kg, Option der faseroptischen Steuerung, Rückkehr zur Basis
Laut Analysten von DroneXL ist das Entwicklungstempo von Stark — vom öffentlichen Scheitern zur Präsentation zweier neuer Produkte in acht Monaten — für die Rüstungsindustrie untypisch. Aber das ist auch das Hauptrisiko: Die Spezifikationen sind für Cascade und Gambit noch nicht durch unabhängige Tests verifiziert.
Sollte Stark die Qualifizierungsschießen für Cascade bis Ende 2026 bestehen, könnte das sechsrohr-Salvensystem mit britischem Partner eine echte Alternative zu deutlich teureren Marineflugkörpern kurzer Reichweite werden — die Frage ist nur, ob die Glasfaser des Gambit unter Winterfeldbedingungen in offener Geländeumgebung standhalten wird.