50.000 Zigaretten täglich in Odessa: Wie ein Schattennetzwerk von erhöhten Steuern profitierte

Terner Gewächshäuser, eine Werkstatt in Odessa und sieben Verdächtige — doch hinter diesem Strafverfahren steckt ein systematisches Problem: Der illegale Tabakhandel wächst 2025 erneut, und der Staat verliert jährlich über 24 Milliarden Griwna.

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Фото: Бюро економічної безпеки

Das Büro für wirtschaftliche Sicherheit und die Nationale Polizei gaben die Zerschlagung eines unterirdischen Tabakherstellungsnetzwerks bekannt, das zwei Regionen umfasste und industriellen Umfang hatte. Sieben Personen wurden unter Anklage gestellt wegen Steuerhinterziehung und illegaler Geschäftstätigkeit.

Wie das System funktionierte

Die Organisatoren – Bewohner von Odessa und Ternopil – bauten einen vollständigen Produktionszyklus auf: Das Rohmaterial wurde in speziell errichteten Gewächshäusern in der Region Ternopil angebaut, dort getrocknet und verarbeitet. Die fertige Tabak wurde nach Odessa transportiert, wo in einer unterirdischen Fabrik Zigaretten abgepackt wurden. Nach Angaben der Ermittlungen ermöglichte die Produktionskapazität die Herstellung von bis zu 50.000 Zigaretten pro Tag – das sind etwa 2.500 Packungen täglich aus einer Fabrik.

Der Vertrieb war in der ganzen Ukraine organisiert. Die Behörden geben die Verteilungskanäle nicht an, doch das typische System für ähnliche Netzwerke ist der Verkauf über legale Einzelhandelsstellen mit gefälschten Verbrauchssteuerkennzeichen.

Warum solche Netzwerke zunehmen

Der Fall in Odessa ist keine Ausnahme. Das BES zerschlug ähnliche Fabriken in Wolhynien, Transkarpatien und der Region Tscherniwzi nur in den letzten Monaten. Der systemische Grund liegt in den Zahlen.

„Die Prognose der unbezahlten Steuern für den ukrainischen Haushalt 2025 beträgt 24,2 Milliarden Hrn., was die Schätzung für 2024 übersteigt"

Studie von CASE Ukraina, Daten des Ministeriums für Digitalisierung

Zum Vergleich: Diese Summe würde für die Hälfte des jährlichen Budgets für die Drohnenproduktion reichen – 2024 betrug es 43 Milliarden Hrn. Der Schattennmarkt ist nach einem längeren Rückgang wieder gestiegen, laut der Studie von KANTAR Ukraina: Im Oktober 2024 betrug der illegale Anteil 12,6%, im Oktober 2025 bereits 17,8%.

Katalysator war die Erhöhung der Verbrauchssteuern. Präsident Selenskyj unterzeichnete den Gesetzesentwurf №11090, der die Steuersätze auf Tabakprodukte erheblich erhöhte – eine Packung sollte um etwa 40 Hrn. teurer werden. Für den Haushalt ist das ein Plus, aber für den Schattennmarkt ein zusätzlicher Anreiz: Je höher der legale Preis, desto attraktiver die Gewinnmarge des illegalen Herstellers.

Wo liegt die Schwachstelle des Systems

Nach Aussage von Analysten der Initiative „Nein zur Kontrebande" wird die überwiegende Mehrheit der illegalen Zigaretten von lokalen „halblegalen" Herstellern produziert und gelangt in legale Einzelhandelsstellen – der Verbraucher bemerkt oft nicht einmal, dass er Verbrauchssteuerwaren ohne bezahlte Steuer kauft. Ein separater Aspekt ist die Reputation: Kontrebande-Zigaretten aus der Ukraine werden auf EU-Märkten registriert, was dem internationalen Image des Landes bei Verhandlungen über die europäische Integration schadet.

  • Industrielle Gewächshäuser zur Tabakzucht wurden entdeckt – nicht einfach nur Umverpackung, sondern ein vollständiger Zyklus vom Saatgut
  • Sieben Personen wurden unter Anklage gestellt, darunter Ausländer (in anderen ähnlichen Fällen verzeichnet das BES die Beteiligung von Nichtresidenten)
  • Ausrüstung und fertige Produkte wurden beschlagnahmt, der Schadensersatz für den Staat wird noch ermittelt

Die eigentliche Frage in diesem Fall ist nicht die sieben Verdächtigen, sondern ob die Zerschlagung einer Fabrik die Nachfrage stoppen wird, die durch den Preisunterschied zwischen legalen und illegalen Packungen entsteht. Wenn die Verbrauchssteuern weiter steigen und die Kontrolle der Kennzeichen im Einzelhandel nicht gleichzeitig verstärkt wird, wird jede neue aufgedeckte Produktion einfach nur Platz für die nächste schaffen.

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