Die Marktkapitalisierung von Amazon hat zum ersten Mal in der Geschichte $3 Billionen überschritten, nachdem der Quartalsbericht veröffentlicht wurde, der die Erwartungen von Analysten übertrafen. Die Aktienkurse stiegen um etwa 4% – der beste Handelstag des Unternehmens seit dem 5. Mai. Aber das Interessanteste an diesem Bericht ist nicht der Kapitaliserungsrekord, sondern das Eingeständnis des Geschäftsführers selbst: Das Unternehmen schafft es physisch nicht, genug Kapazität für die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz aufzubauen.
Der bereinigte Gewinn pro Aktie betrug $1,97 gegenüber erwarteten $1,82, der Umsatz erreichte $200,61 Milliarden gegenüber der Prognose von $196,47 Milliarden. Aber der Hauptwachstumstreiber ist nicht der Einzelhandel, sondern die Cloud-Plattform AWS, deren Umsatz $42,2 Milliarden erreichte und damit die Prognose von $40,54 Milliarden übertraf. Der Grund liegt in der Nachfrage nach KI-bezogenen Dienstleistungen.
Das Unternehmen gibt mehr aus als geplant, und erfüllt dennoch die Nachfrage nicht
Amazon erhöhte die Prognose für Kapitalinvestitionen im Jahr 2026 von $200 Milliarden auf $220 Milliarden. Laut Andy Jassy ist der Grund das gestiegene Angebot an Speicher und anderer KI-Infrastruktur.
„Selbst bei diesem Investitionsniveau werden wir nicht genug Kapazität haben, um die gesamte Nachfrage zu erfüllen, die wir im Jahr 2026 sehen. Und ich glaube, dass diese Situation auch 2027 andauern wird. Eigentlich ist das Nachfragevolumen, das wir bereits für 2028 sehen, beeindruckend", sagte Jassy.
Dieses Eingeständnis sollte man nicht als Beschwerde lesen, sondern als praktisches Signal für den Markt: Ein Mangel an Rechenleistung und Speicher ist keine vorübergehende Verzögerung, sondern ein Horizont für mehrere Jahre. Ein Unternehmen mit Amazons Ressourcen kann nicht genug Rechenzentren kaufen oder bauen, selbst mit einem Budget von $220 Milliarden pro Jahr.
Nicht nur Amazon
Amazon ist wieder ein großes Technologieunternehmen, das über rasantes Wachstum des Cloud-Geschäfts dank KI berichtet. Letzte Woche teilte Microsoft mit, dass die Azure-Einnahmen um 43% gestiegen sind, während Google Cloud um 82% gestiegen ist. Das südkoreanische Samsung Electronics verzeichnete inzwischen einen Rekordgewinn im zweiten Quartal 2026 aufgrund von Speicherchip-Verkäufen – genau jene Komponenten, deren Preisanstieg Amazon veranlasste, seine Investitionsausgaben zu überprüfen.
Es ergibt sich eine Kette: Die Nachfrage nach KI treibt die Speicherpreise in die Höhe, dies zwingt Cloud-Giganten, mehr auszugeben, und Chip-Hersteller erzielen damit Rekordgewinne. Die Frage, die man stellen sollte, ist – ob dieser Investitionszyklus die Nachfrage selbst hält oder ob einer der Akteure zuerst eine Finanzierungsgrenze trifft, wenn Kapitalausgaben schneller wachsen als Einnahmen aus Cloud-Dienstleistungen.