Der Staat verspricht, Straßen bis zum 1. Juni zu reparieren – schuldet dem Auftragnehmer aber 6 Milliarden Hrywnja

Der Eigentümer von „Avtostrada", Maksym Shkil, warnte davor, dass das Unternehmen ohne Schuldentilgung die Arbeiten einstellen könnte — genau zu dem Zeitpunkt, als Premierministerin Svyrydenko öffentlich versprach, die Reparaturen auf allen Straßen des Landes innerhalb von drei Wochen abzuschließen.

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Фото: Автострада / Facebook

Premierministerin Julia Swiridenko kündigte am 11. Mai 2026 an, dass bis zum 1. Juni in der Ukraine laufende Reparaturen auf allen öffentlichen Straßen abgeschlossen sein werden — 10 Millionen Quadratmeter Belag mit Priorität auf Logistik- und Verteidigungsrouten. Einige Tage nach dieser Ankündigung kam einer der Schlüsselauftragnehmer dieses Plans zu Wort.

«Die Schulden gegenüber Avtostrada allein werden sich zum 1. Juni auf über 6 Milliarden Hrywnja belaufen. Derzeit gibt es kein klares Verständnis für die Fristen zur Schuldentilgung».

Maksym Shkil, Eigentümer der Gruppe «Avtostrada», auf Facebook

Das Problem ist nicht neu: Nach Angaben von Forbes Ukraina betrug die Gesamtschuld des Staates gegenüber «Avtostrada» bereits 2024 10 Milliarden Hrywnja — hauptsächlich angesammelt seit dem Programm «Großbau». Das Unternehmen gehört zur MS-Capital-Gruppe und ist einer der größten Straßenauftragnehmer des Landes. Shkil beschuldigte damals Premierminister Schmyhal öffentlich, die Zahlungen zu blockieren — und deutete nach Berichten der «Ekonomichna Pravda» an, dass er alle Möglichkeiten für eine ruhige Lösung ausgeschöpft hatte.

Was hinter den Zahlen steckt

Für die Entwicklung und Instandhaltung von Straßen sind im Staatshaushalt 2026 12,8 Milliarden Hrywnja vorgesehen — zuzüglich 15 Milliarden Hrywnja für die Bedienung alter Schulden aus der Zeit von Ukravtodor. Der Leiter der Wiederaufbauagentur, Sergij Sukhomlyn, schätzte den Bedarf für Straßen von nationaler Bedeutung auf 12–14 Milliarden Hrywnja, für lokale Straßen auf bis zu 40 Milliarden Hrywnja. Das heißt, der erklärte Reparaturplan der Regierung beruht physisch auf einer Ressource, die selbst nach optimistischen Berechnungen nicht ausreicht.

Die Regierung kündigte ihrerseits 3,5 Milliarden Hrywnja zusätzlich für lokale Straßen an und erwägt eine Umverteilung eines Teils der Mittel von der Schuldenbedienung auf Reparaturen. Es wurde jedoch kein konkreter Mechanismus zur Schuldentilgung gegenüber Auftragnehmern öffentlich angekündigt.

  • Frist für internationale Straßen — 1. Mai (laut Swiridenko sind die Hauptarbeiten bereits abgeschlossen).
  • Frist für nationale Straßen — 1. Juni 2026.
  • Schulden gegenüber «Avtostrada» — über 6 Milliarden Hrywnja zum selben Datum.
  • Tilgungsfrist — unbestimmt.

Warum dies keine bloße Unternehmensbeschwerde ist

«Avtostrada» ist nicht der einzige Auftragnehmer mit solchen Ansprüchen gegen den Staat: Chronische Zahlungsverzögerungen sind ein systemisches Merkmal des ukrainischen Straßenmarktes seit mindestens 2021. Wenn ein großer Akteur mit Ressourcen und rechtlichen Mitteln jahrelang keine Schulden eintreiben kann, stellen kleinere Unternehmen viel früher und stiller ein — ohne Facebook-Beiträge.

Die Situation wird durch den Kontext zusätzlich erschwert: Parallel gewinnt «Avtostrada» neue Ausschreibungen — insbesondere in der Region Riwne für Hunderte Millionen Hrywnja, wo laut Materialien der investigativen Journalisten von Absolution Leaks die Ausschreibungsbedingungen so gestaltet waren, dass nur dieses Unternehmen Teilnehmer war. Das WAKS erließ bereits einen entsprechenden Beschluss im Fall Nr. 991/9667/25.

Es ergibt sich ein Paradoxon: Der Staat schuldet dem Auftragnehmer gleichzeitig Milliarden und vergibt ihm weiterhin neue Verträge — ohne öffentliche Erklärung, wie diese beiden Tatsachen nebeneinander bestehen können.

Wenn die Regierung bis zum 1. Juni keinen konkreten Zeitplan für die Schuldentilgung gegenüber Auftragnehmern ankündigt, werden die erklärten Reparaturfristen zu Statistiken auf dem Papier — und nicht zu Straßen unter den Rädern.

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