Der Redakteur einer kleinen europäischen Publikation öffnet Google Search Console und sieht, wie der Traffic nach einem erneuten Algorithmus-Update um 40% sinkt. Der Grund: Werbung von Drittanbieter-Netzwerken auf der Website. Multiplizieren Sie diese Situation mit Tausenden von Publikationen in ganz Europa — und Sie erhalten das Ausmaß des Problems, das die Europäische Kommission zum Handeln veranlasst hat.
Die Europäische Kommission hat ein offizielle Untersuchung gegen Google gemäß des Gesetzes über digitale Märkte (DMA) eingeleitet und konzentriert sich dabei auf die Praxis der systematischen Herabstufung von Nachrichtenportalen in den Suchrankings, die ihre Einnahmen durch Werbenetze von Drittanbietern — also nicht durch Google Ads — generieren. Nach vorläufigen Schlussfolgerungen der Regulierer würde dieser Ansatz Googles Konkurrenten auf dem Werbemarkt künstlich verdrängen und gleichzeitig unabhängige Medien ersticken.
Daraufhin kündigte Google an, bereit zu sein, die entsprechenden Ranking-Signale zu überprüfen. Das Unternehmen erkennt die Vorwürfe öffentlich nicht an, aber die zeitliche Übereinstimmung mit der Untersuchung spricht lauter als jede Erklärung. Das mögliche Bußgeld gemäß DMA könnte bis zu 10% des jährlichen globalen Umsatzes erreichen — für Google bedeutet das Zehner Milliarden Dollar.
Der eigentliche Konflikt liegt hier nicht zwischen Google und der EU. Er liegt zwischen zwei Modellen der Internet-Ökonomie: einem vertikal integrierten Ökosystem, in dem Suchmaschine, Browser, Werbebörse und Betriebssystem einem einzigen Akteur gehören, und einem offenen Markt, auf dem Publikationen Werbepartner ohne das Risiko einer algorithmischen Bestrafung wählen können. Das erste Modell ist für Google vorteilhaft, das zweite für alle anderen.
Ein wichtiges Detail: Google hat bisher keine technischen Details der Änderungen bekannt gegeben. Wie genau der Algorithmus überprüft werden soll, welche Websites und nach welchen Kriterien Rankings wiederhergestellt werden sollen — das ist noch offen. Die Europäische Kommission versteht das: Laut Reuters bestehen die Regulierer auf einem überprüfbaren Überwachungsmechanismus und nicht einfach auf Versprechungen.
Für ukrainische Medien, die aktiv auf europäisches Publikum zugreifen und ihre Einnahmen durch verschiedene Werbeplattformen generieren, wird das Ergebnis dieser Untersuchung praktische Auswirkungen haben. Wenn die EU eine echte und nicht nur kosmetische Überprüfung der Algorithmen durchsetzt — wird dies die Spielregeln für alle Publikationen ändern, die auf dem europäischen Markt tätig sind.
Die Frage, die das echte Gewicht von Googles Zugeständnis bestimmt: Wird das Unternehmen einer unabhängigen Überprüfung seiner Werbe-Algorithmen zustimmen — und wenn ja, wer genau wird Zugriff darauf haben?