«Gasverteilnetze der Ukraine» (Gazmerezhi) — der nationale Betreiber der Gasverteilinfrastruktur, der über 20 Regionen des Landes versorgt — existierte fast drei Jahre lang völlig ohne Aufsichtsrat. Das Unternehmen wurde im September 2022 gegründet, doch das Organ, das die Geschäftsführung kontrollieren sollte, entstand erst jetzt.
Die Gruppe „Naftogaz" kündigte die Bildung des Aufsichtsrats von Gazmerezhi an: Das Gremium setzt sich aus drei unabhängigen Mitgliedern und zwei Vertretern des Anteilseigners zusammen. Die Namen wurden bisher nicht in öffentlichen Registern bekannt gemacht, doch die Tatsache der Ernennung ist eine direkte Folge des Regierungsplans vom November 2025.
Warum gerade jetzt
Der Anstoß kam nicht aus gutem Willen, sondern aus einem Skandal. Im November 2025 kündigte Präsident Selenskyj ein „vollständiges Relaunch des Energiesektors" nach dem sogenannten „Mindigtscheit" an — einem Korruptionsfall bei „Energoatom", wo der Aufsichtsrat nicht in der Lage war, Bestechungsgelder bei Beschaffungen zu verhindern. Das Kabinett verabschiedete die Verordnung Nr. 1258-r, die verpflichtend die Zusammensetzung der Aufsichtsräte in 12 strategischen Energieunternehmen erneuerte.
„Gleichzeitig vollenden wir die Erneuerung der Aufsichtsräte in der gesamten Energiebranche — ‚Centrenergy', ‚Ukrhydroenergo', ‚Ukrenergo', ‚Operator GTS'"
— Premierministerin Julia Svirydenko
Gazmerezhi stand auf dieser Liste. Der Wettbewerb für drei Positionen von unabhängigen Mitgliedern wurde am 26. November 2025 ausgeschrieben — durch denselben Erlass, der die Reform bei Energoatom einleitete.
Was ist Gazmerezhi und warum ist das kein Kleinkram
Das Unternehmen „Gasverteilnetze der Ukraine" — Monopolbetreiber der staatlichen Gasverteilnetze, das vom Kabinett die gesamte entsprechende Infrastruktur zur Nutzung erhielt. Der Umsatz des Unternehmens 2025 überstieg 20 Milliarden Hrywnja. Gleichzeitig beträgt das Nominalkapital 500 Millionen Hrn, und einziger Gründer ist das Tochterunternehmen „Gas Ukraine" der NAK „Naftogaz".
Es geht also um ein Unternehmen, das faktisch die Gasverteilung für Millionen von Haushalten kontrolliert, aber bislang ohne formale unabhängige Aufsicht funktionierte — genau nach dem Managementmodell, das, wie der Mindigtscheit-Skandal gezeigt hat, systematische Risiken schafft.
Der Präzedenzfall Energoatom als Spiegel
Der neue Aufsichtsrat von „Energoatom" wurde im Dezember 2025 gebildet: Er besteht aus internationalen Fachleuten für Kernsicherheit und Revision — darunter die ehemalige Leiterin der kanadischen Kernenergieaufsicht Rumina Welsch und die PwC-Expertin mit 25 Jahren Erfahrung Laura Garbenciute-Bakiene. Für Naftogaz ernannte die Regierung bereits im März 2026 einen neuen Rat mit vier unabhängigen internationalen Direktoren — darunter ein Norweger von Equinor und ein Däne mit Erfahrung in der EBWE.
Vor dem Hintergrund dieser Ernennungen bleibt das Profil der Ratsmitglieder von Gazmerezhi vorerst unpubliziert — und das ist bereits eine Frage zur Transparenz des Prozesses.
Struktur ohne Kontrollmechanismus
Das Kernproblem des „Relaunches" — das Fehlen eines öffentlichen Verifizierungsmechanismus für die Ergebnisse. Die Aufsichtsräte sind ernannt, doch es wurde öffentlich keine unabhängige Revision von Beschaffungen oder Überprüfung von Interessenskonflikten bei Gazmerezhi angekündigt. Im Fall von Energoatom und Naftogaz versprach Svirydenko, die Ergebnisse der Staatsprüfung an Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben — für Gazmerezhi gab es keine solche Erklärung.
- Gazmerezhi gegründet: September 2022
- Aufsichtsrat: nicht vorhanden bis Anfang 2026
- Umsatz 2025: über 20 Mrd. Hrn
- Anzahl der Filialen: über 20 Regionen
- Rechtsgrundlage der Ratsernennung: Verordnung des Kabinetts Nr. 1258-r vom 17.11.2025
Sollten die Namen der unabhängigen Ratsmitglieder von Gazmerezhi weiterhin unpubliziert bleiben — würde dies bedeuten, dass das „Relaunch" für den größten Gasverteiler des Landes nur auf dem Papier stattgefunden hat.