Durch die Straße von Hormus fließt nicht nur ein Drittel des weltweiten Ölexports auf dem Seeweg – unter ihrem Meeresboden liegen sieben Unterseekabel aus Glasfaser, durch die täglich über 10 Billionen Dollar an Finanztransaktionen und etwa 20% des globalen Internetverkehrs fließen. Teheran hat beschlossen, dass es Zeit ist, dafür zu zahlen.
Drei Schritte zur „legalen Bereicherung"
Die Nachrichtenagentur Tasnim, die als offizielles Sprachrohr des Korps der Hüter der Islamischen Revolution (IRGC) gilt, veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel „Drei praktische Schritte zur Erzielung von Einnahmen aus den Internetkabeln der Straße von Hormus". Parallel dazu beschrieb Fars, eine weitere mit dem IRGC verbundene Publikation, den Iran als „Herrscher der verborgenen Autobahn" der Region.
Das vorgeschlagene System besteht aus drei Elementen:
- Primäre Lizenzgebühren für alle ausländischen Unternehmen, deren Kabel durch die Straße führen;
- Jährliche „Schutzgebühren" von Technologieriesen – Meta, Amazon, Microsoft, Google;
- Monopol iranischer Unternehmen auf Wartung und Reparatur von Kabeln in der Zone der Straße.
Fars formulierte das Endziel unverblümt: Irans Kontrolle über Hormus in einen „Hebel der digitalen Kraft" umwandeln.
Eine juristische Konstruktion mit Lücken
Tasnim begründet die rechtliche Grundlage auf der VN-Seerechtskonvention (UNCLOS): Die Agentur beruft sich auf Artikel 34 und argumentiert, dass das Recht der Transitschifffahrt die Souveränitätsrechte des Irans über den Meeresboden nicht aufhebt.
„Das Risiko eines absichtlichen Durchtrennens von Unterseekabeln hat immer bestanden, aber eine offene Drohung durch einen Staat wie den Iran verleiht dem Problem neue Dringlichkeit".
Işık Mater, Leiter des Forschungsbereichs des Londoner Zentrums NetBlocks
Das Problem besteht darin, dass sich an der engsten Stelle der Straße die Hoheitsgewässer des Irans und Omans vollständig überlappen – das heißt, die Kabel liegen physisch auf dem Meeresgrund, den beide Länder als ihr Gebiet betrachten. Die größere juristische Schwachstelle ist jedoch eine andere: Der Iran hat die UNCLOS unterzeichnet, aber nie ratifiziert. Die Konvention, auf die er sich stützt, ist für ihn formal nicht bindend. Darüber hinaus weisen Experten darauf hin, dass Tasnim Artikel 58 derselben UNCLOS ignoriert, der das Recht auf Verlegung und Wartung von Unterseekabeln direkt schützt.
Kontext: Nicht der erste Versuch, die Straße zu monetarisieren
Die Straße von Hormus ist bereits ein etabliertes Druckmittel des Iran bei Verhandlungen über Sanktionen und das Kernenergieprogramm. Drohungen, den Öltransit zu blockieren, gibt es seit den 1980er Jahren. Diesmal bietet der IRGC dieselbe Logik an, wendete sie aber auf die digitale Infrastruktur an: nicht physische Blockierung, sondern bürokratische und finanzielle Kontrolle, die schwerer als Kriegsakt zu qualifizieren und schwerer bei internationalen Institutionen anzufechten ist.
Bemerkenswert ist, dass die Publikationen vor dem Hintergrund von Meldungen über eine Pause bei der Operation „Project Freedom" – einer amerikanischen Initiative zum Schutz von Schiffen in der Persischen Bucht – erschienen, was mit Fortschritten bei Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über das Atomabkommen zusammenhängt.
Was kommt als Nächstes
Bislang handelt es sich um Publikationen von mit dem IRGC verbundenen Medien und nicht um einen offiziellen Regierungserlass oder Gesetzentwurf. Aber denselben Mechanismus – zunächst eine mediale Sondierung, dann ein Regelwerk – hat der Iran auch bei der Einführung von Anforderungen für ausländische Schiffe in der Straße verwendet. Sollten die Atomverhandlungen festfahren, werden digitale Ansprüche auf Hormus fast sicher Teil des offiziellen Verhandelns werden: Die Frage ist, ob Google, Meta und Microsoft bis zu dem Moment, in dem Teheran von Artikeln in Tasnim zu echten Forderungen übergeht, eine gemeinsame Position entwickeln können.