Patrick Fragman – ein Ingenieur mit über 30 Jahren Erfahrung bei Alstom und ABB, ehemaliger Präsident und CEO der Westinghouse Electric Company – trat im Februar 2025 als einer von vier unabhängigen internationalen Experten in den modernisierten Aufsichtsrat von Energoatom ein. Weniger als drei Monate später verließ er ihn.
Zwei Versionen eines Ausscheidens
Die offizielle Position des Unternehmens ist lakonisch: Ein neues Arbeitsangebot in Vollzeitformat erlaubt es nicht, es mit dem derzeitig von Energoatom erforderlichen Engagement zu vereinbaren.
„Die Entscheidung über die vorzeitige Beendigung der Mandate steht in Zusammenhang mit neuen beruflichen Verpflichtungen von Patrick Fragman, insbesondere mit einem Arbeitsangebot im Vollzeitformat"
— Pressestelle von Energoatom
Der Abgeordnete der Fraktion „Holos" Yaroslav Zheleznyak ergänzt auf Telegram ein weiteres Detail: Fragman und sein Kollege Brice Buyuon gingen auch deshalb, weil ihnen drei Monate lang keine Vergütung gezahlt wurde. Buyuon – ein Jurist mit Erfahrung bei EDF International und dem Französischen Staatsrat – reichte ebenfalls eine Rücktrittserklärung ein. Energoatom bestätigte öffentlich nur den Weggang Fragmans.
Kontext: Warum überhaupt den Rat neu starten
Die neue Zusammensetzung des Aufsichtsrats wurde nach einem Skandal gebildet: Premierministerin Svyrydenko kündigte einen Neustart von Energoatom vor dem Hintergrund einer Korruptionsuntersuchung an – der Fall „Midas", der das Management des Unternehmens betraf. Die Einbeziehung internationaler Experten sollte ein Signal für Transparenz sein – sowohl für Partner als auch für den IWF, der die Unternehmensführung in Staatsunternehmen als eine der Bedingungen für Tranchen überwacht.
Der Nominierungsausschuss genehmigte die vier unabhängigen Mitglieder am 2. Januar, das Kabinett ernannte sie formell am 25. Februar. Das heißt, zwischen Fragmans Ernennung und seinem Rücktritt lagen weniger als drei Monate.
Was kommt als nächstes
Energoatom teilte mit, dass bereits die Auswahl eines neuen Ratsmitglieds basierend auf den Ergebnissen des vorherigen Wettbewerbs eingeleitet wurde. Das Verfahren scheint zu existieren – aber die Frage der Zahlungen und der tatsächlichen Arbeitsbedingungen bleibt offen.
Wenn sich Zheleznyaks Version dokumentarisch bestätigt, steht die Regierung vor einem konkreten Problem: Kein seriöser internationaler Experte wird sich auf eine Position in einem Staatsunternehmen einlassen, in dem grundlegende finanzielle Verpflichtungen gegenüber dem Aufsichtsrat nicht erfüllt werden. Der nächste Kandidat für Fragmans Platz wird diesen Punkt wahrscheinlich vor der Unterzeichnung des Vertrags überprüfen – und dies wird der erste Test sein, ob der „Neustart" von Energoatom tatsächlich etwas Wesentliches geändert hat.