Das Kabinett im Jahr 2025 verlängerte den Betrieb der digitalen Plattform für Verteidigungsbeschaffungen DOT-Chain Defence bis zum 24. Oktober 2027 und erweiterte sie um neue Nutzer: den Staatlichen Grenzdienst, die Nationale Polizei und zusätzliche Einheiten der Nationalgarde. Über die Entscheidung berichteten Premierministerin Julia Swiridenko und die Pressestelle des Innenministeriums.
Was ist DOT-Chain und warum ist das nicht einfach „noch ein Staatsregister"
Die Agentur für Verteidigungsbeschaffungen des Verteidigungsministeriums startete die Plattform im Juli 2025 als Marktplatz: Ein Kommandant einer Einheit meldet sich im System an, wählt eine Drohne aus dem Katalog der Hersteller aus, legt sie in den Warenkorb – und sieht seinen eigenen Budgetrest in Echtzeit. Keine Ausschreibungsverfahren im klassischen Sinne, keine Papierkram-Abstimmung.
In sieben Monaten Betrieb erhielten die Streitkräfte über DOT-Chain Defence 500.000 Mittel – FPV-Drohnen, bodengestützte Roboterkomplexe, EW-Mittel und Abfangsdrohnen. Der Gesamtwert der Lieferungen betrug 23,3 Milliarden Griwnja. Der Gründer des Sturm-UAV-Teams „Hornissen des Dowbush" Andrijj Onistrat nannte den Start der Plattform öffentlich das „Hauptergebnis der ukrainischen Rüstungsindustrie im Jahr 2025".
Parallel startete die Agentur einen Mechanismus zur Vorfinanzierung von Herstellern – bis zu 70% Vorauszahlung abhängig von der Geschwindigkeit früherer Lieferungen. Dies spricht direkt ein chronisches Problem an: Drohnen-Startups konnten keine großen Verträge annehmen, da ihnen keine Betriebsmittel für die Produktion zur Verfügung standen.
Einheiten der „Drohnenlinie" haben die Erweiterung bereits getestet
Noch vor der Entscheidung des Kabinetts bezüglich des Innenministeriums wurde die Plattform für Einheiten der „Drohnenlinie" als Teil der Drohnenstreitkräfte unter dem Kommando von Robert „Madjár" Brovdi geöffnet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums bestellten Einheiten bereits in weniger als zwei Wochen Mittel im Wert von 184,8 Millionen Griwnja, von denen erste Partien im Wert von 40,8 Millionen Griwnja bereits geliefert wurden. Dies beantwortete die praktische Frage: Kann sich das System über den traditionellen Käufer – die Streitkräfte – hinaus skalieren? Die Antwort fiel positiv aus.
Was die Verbindung mit dem Innenministerium ändert
Die Nationale Polizei und der Staatliche Grenzdienst sind nicht Kampftruppen im klassischen Sinne, aber unter Bedingungen eines umfassenden Krieges erhalten und nutzen sie Drohnen und EW-Mittel. Früher gingen ihre Beschaffungen über separate Kanäle – mit allen damit verbundenen Transparenzrisiken. Die Verbindung mit einem einheitlichen digitalen System vereinheitlicht theoretisch die Preisgestaltung: Der Hersteller sieht die konsolidierte Nachfrage, und der Staat sieht den konsolidierten Preis.
„Ein Vertrag ist nicht das Endziel, sondern nur der Anfang. Die Hauptaufgabe ist, dass Waffen in der erforderlichen Menge rechtzeitig die Soldaten erreichen".
– Amtierender Leiter der Agentur für Verteidigungsbeschaffungen, Ukrainska Prawda
Diese Warnung ist nicht nur Rhetorik. Nach Angaben der Beschaffungsagentur entstanden 92,4% der verspäteten Verpflichtungen aus Verträgen aus früheren Jahren, nicht durch DOT-Chain. Ein Präzedenzfall existiert jedoch: Eine hohe Anzahl abgeschlossener Verträge garantiert nicht automatisch pünktliche Lieferungen.
Grenzen der Digitalisierung
Die Plattform löst das Problem der Transaktionskosten und der Markttransparenz. Sie löst nicht das Problem der Produktionskapazitäten, der Logistik der letzten Meile und der Qualität des Produkts, das in den Katalog aufgenommen wird. Der Verifiziesmechanismus für Hersteller vor der Aufnahme in den Marktplatz wird öffentlich nicht beschrieben – es ist unklar, ob es eine unabhängige Überprüfung der Drohneneigenschaften gibt oder nur eine Überprüfung des Rechtsstatus des Unternehmens.
Wenn bis 2027 auch Sicherheitsstrukturen des Innenministeriums das System durchlaufen, wird der echte Test nicht das Transaktionsvolumen sein, sondern ob ein öffentliches Lieferungsregister mit Daten über die Einhaltung von Verträgen für jede Einheit erscheint – oder ob DOT-Chain ein schnelleres, aber weniger transparentes Analogon des alten Systems bleibt.