Kiew fordert vom Staat 15 Milliarden — und behauptet, dass bereits eine Vereinbarung besteht

Der Kiewer Stadtrat hat formell eine Anfrage an das Kabinett und die Werchowna Rada eingereicht, um eine paritätische Finanzierung der Energiewiderstandsfähigkeit zu sichern: Die Stadt und der Staat sollen jeweils die Hälfte der insgesamt etwa 30 Milliarden Griwnja tragen. Allerdings existiert die „Vereinbarung" bislang ohne einen Umsetzungsmechanismus.

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Міський голова Києва Віталій Кличко (фото – Київська міська рада)

Am 14. Mai verabschiedete der Kyiwer Stadtrat ein offizielles Schreiben an die Werchowna Rada und das Kabinett der Minister mit der Bitte, mindestens 15 Milliarden Hriwnja aus dem Staatshaushalt für den Schutz kritischer Infrastruktur, den Ausbau von Kraft-Wärme-Koppelung und die Reserve-Wärmeversorgung bereitzustellen. Dies ist keine überraschende Summe — sie ist genau die Hälfte der geschätzten 30 Milliarden Hriwnja, auf die sich die Stadt und die Regierung angeblich bereits als Priorität geeinigt haben.

«Vereinbarungen formalisieren» — was bedeutet das in der Praxis

Nach Aussage von Klitschko hat Kyjiw eine Vereinbarung mit der Regierung über die Finanzierung der Energieresilienz im Verhältnis 50/50. Das Schreiben des Stadtrats ist ein Versuch, die mündliche Vereinbarung in ein Dokument mit rechtlicher Geltung umzuwandeln. Ohne eine solche Besiegelung bleibt jedes «Ja» des Kabinetts eine Absichtserklärung und keine Verpflichtung.

«Dieses Schreiben ist notwendig, um unsere Vereinbarungen zu formalisieren und zu verankern»

— Witalij Klitschko, 14. Mai

Das heißt, die Stadt erkennt öffentlich an: Selbst nach vorherigen Verhandlungen gibt es keine festen Garantien. Das Schreiben des Rats ist ein Druckmittel und keine Bestätigung einer Tatsache.

Wohin das Geld fließt: Kraft-Wärme-Koppelung ist die teuerste Position

Der offengelegte Teil des Energieresilienz-Plans, den der stellvertretende Leiter der Kyiwer Stadtverwaltung Panteliew bereits im März veröffentlicht hatte, zeigt die Kostenstruktur. Das Gesamtbudget des Plans beträgt 67,5 Milliarden Hriwnja, die verfügbare Finanzierung deckt deutlich weniger als die Hälfte.

  • Kraft-Wärme-Koppelung — 15 Milliarden Hriwnja (größter Posten)
  • Dezentralisierung der Wärmeversorgung — zweiter Bedarf nach Umfang
  • Solarenergie für 343 Objekte — 2,7 Milliarden Hriwnja, bereitgestellt nur 241 Millionen
  • Wohnungseigentümerverbände, individuelle Wärmepunkte, Generatoren — 3,5 Milliarden Hriwnja, verfügbare Finanzierung — 590 Millionen

Parallel dazu stimmte der Kyiwer Stadtrat am 14. Mai für die Umleitung von weiteren über 9 Milliarden Hriwnja aus dem Stadthaushalt zur Vorbereitung auf die nächste Heizperiode — getrennt von dem, was die Stadt vom Staat fordert.

Kontext, der in der offiziellen Mitteilung fehlt

Das Konzept der dezentralisierten Kraft-Wärme-Koppelung wurde von Kyjiw bereits im Frühjahr 2024 entwickelt und genehmigt — als erste Stadt der Ukraine. Das heißt, der technische Teil liegt seit mehr als einem Jahr vor, die Verzögerung liegt in der Finanzierung. Eine vollständige Rekonstruktion des Wärmeversorgungssystems der Hauptstadt könnte nach Schätzungen von Fachleuten 20 bis 30 Jahre dauern: die aktuellen 15 Milliarden sind keine Lösung des Problems, sondern die Finanzierung des ersten echten Schritts.

Wenn das Kabinett 15 Milliarden in den Haushaltsentwurf für 2026 aufnimmt, kann man von echten Verpflichtungen sprechen. Wenn das Schreiben bis zum Herbst ohne Antwort bleibt, wird Kyjiw die nächste Heizperiode mit denselben strukturellen Schwachstellen betreten, die den Winter 2024–2025 kritisch machten.

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