Wenn Sie ein IT-Entwickler sind und noch kein einziges AI-Tool in Ihrem Lebenslauf haben – der Markt beginnt das bereits zu bemerken. Nach Daten der Plattform Djinni ist die Anzahl der Stellenangebote für Entwickler, bei denen Arbeitgeber direkt Künstliche-Intelligenz-Fähigkeiten verlangen, von Mai 2025 bis Mai 2026 um 73% gestiegen.
Ein noch aussagekräftigeres Bild zeigt sich bei kreativen Spezialisten – Designer, Texter, UX-Experten. Dort erreichte der entsprechende Indikator 110%. Das heißt, jedes zweite neue Stellenangebot in diesem Segment enthält bereits AI als obligatorische oder erwünschte Voraussetzung.
Was sich geändert hat
Vor einem Jahr erschien AI in Stellenangeboten überwiegend als „wäre ein Plus". Jetzt verschiebt sich die Formulierung zu „obligatorisch" oder „Erfahrung mit LLM/Copilot/Stable Diffusion". Das ist keine kosmetische Änderung in den Beschreibungen – das ist ein Signal, dass Arbeitgeber bereits begonnen haben, Kandidaten nach diesem Kriterium in der Filterungsphase von Lebensläufen auszusortieren.
Djinni registriert auch die Kehrseite: Die Anzahl der Kandidaten, die AI-Fähigkeiten in ihrem Profil angeben, wächst langsamer als die Nachfrage. Einfach gesagt: Das Angebot hält mit der Nachfrage nicht Schritt – und das drückt bereits auf die Gehaltserwartungen nach oben für diejenigen, die solche Fähigkeiten haben.
Ukrainische Realität
Für den ukrainischen IT-Markt, der nach 2022 durch Mobilisierung und Emigration einen Teil seiner Anfänger verloren hat, hat dieser Trend einen doppelten Effekt. Einerseits erhalten Fachleute mit AI-Kompetenzen einen Wettbewerbsvorteil auf internationalen Plattformen. Andererseits riskieren Unternehmen, die ihren Einstellungs- und Schulungsprozess nicht umgestalten, schneller einen Personalengpass zu bekommen als erwartet.
Hier gibt es eine konkrete Weggabelung: Umschulung von vorhandenen Spezialisten innerhalb von Unternehmen oder Jagd nach fertigen Kandidaten auf dem offenen Markt. Der erste Weg ist billiger, erfordert aber Zeit und Investitionen in Schulungen. Der zweite ist teurer, und der Wettbewerb um solche Menschen ist bereits intensiv.
Derzeit wählt die Mehrheit der ukrainischen IT-Unternehmen die zweite Option – und genau deshalb sieht die Djinni-Statistik so aus, wie sie aussieht.
Die Frage ist nicht, ob AI eine Standardanforderung in Stellenangeboten wird – das wird es bereits. Die Frage ist, ob Unternehmen es schaffen werden, interne Umschulungsprogramme aufzubauen, bevor der Wettbewerb um fertige AI-Fachleute sie endgültig aus diesem Markt verdrängt.