Der Konflikt um den Iran, der Ende Februar begann, bewirkte das, was weder die Pandemie noch steigende Zinssätze konnten: Er bedrohte mehrere europäische Fluggesellschaften gleichzeitig. Der Preis für Flugzeugtreibstoff schoss von etwa 74 auf 150 Dollar pro Barrel hoch — und für Fluggesellschaften ohne Absicherung ist dies bereits keine finanzielle Belastung mehr, sondern eine existenzielle Bedrohung.
Wer abgesichert hat, überlebt
Ryanair ging mit Schutzmaßnahmen in die Krise: Nach Angaben von O'Leary fixierte das Unternehmen 80 % seines Treibstoffbedarfs zu 67 Dollar pro Barrel vor Beginn des Konflikts mit einer Deckung bis März 2027. Wizz Air — etwa 70 %. AirBaltic hat nach Angaben von bne IntelliNews nur 6 % des Bedarfs für das aktuelle Quartal abgesichert — die niedrigste Quote unter europäischen Fluggesellschaften.
Diese Zahl erklärt, warum das lettische Parlament am 16. April mit 49 zu 23 Stimmen für einen Notstaatsdarlehen an die Fluggesellschaft in Höhe von 30 Millionen Euro stimmte — nach wochenlangen Debatten, die die regierende Koalition beinahe zum Einsturz gebracht hätten. Das Darlehen muss bis zum 31. August zurückgezahlt werden.
„Wenn das Öl auf diesem Niveau bleibt, können zwei oder drei europäische Fluggesellschaften im Oktober oder November Bankrott anmelden — wie zum Beispiel Wizz Air, die mich vor Gericht bringen will, aber keine Zeit dafür hat, und airBaltic"
— Michael O'Leary, CEO von Ryanair, in einem Interview mit Il Sole 24 Ore
Wizz Air lehnt ab, aber vorsichtig
Wizz Air wies O'Learys Prognose als „absolut unwahr und fehlerhaft" zurück und betonte die starke Bilanz und Liquidität. CEO József Varadi merkte an, dass das Unternehmen keine Probleme mit der Treibstoffversorgung erwartet — globale Lieferketten werden umgebaut, unter anderem durch Importe aus den USA. Allerdings gibt Wizz Air selbst zu: Kunden wählen eine Taktik des „Abwartens und Sehens" bei Sommerbuchungen, und die finanzielle Auswirkung der Krise wird auf 50 Millionen Euro geschätzt.
Auch Ryanair ist von den Kosten nicht verschont: Im April allein zahlte das Unternehmen zusätzliche 50 Millionen Dollar für Treibstoff. Die Aktien fielen von 32 auf 25 Euro seit Beginn des Konflikts. Der Unterschied liegt darin, dass O'Leary es sich leisten kann, über Bankrotte anderer zu sprechen — weil seine eigene Widerstandsfähigkeit ihm diesen Luxus gibt.
Die Marktlogik des Raubtiers
O'Leary verbirgt sein Interesse nicht: Ryanair sucht nicht nach Partnern für eine Fusion, ist aber bereit, Flugzeuge von Fluggesellschaften zu kaufen, die den Markt verlassen. „Gut für unser Geschäft — es wird weniger Wettbewerb geben", fügte er hinzu. Dies ist nicht um der Zynismen willen: Nach dem Bankrott von Monarch, Norwegian und WOW Air waren es gerade Ryanair und easyJet, die den größten Teil der freiwerdenden Nachfrage aufzogen.
- Ryanair: Absicherung von 80 % zu 67 Dollar/Barrel, Deckung bis März 2027
- Wizz Air: Absicherung von etwa 70 %, bestreitet Risiken, gibt Druck auf Buchungen zu
- AirBaltic: Absicherung von 6 %, erhielt 30 Millionen Euro Staatsdarlehn, Rückzahlungsfrist — August
Die Straße von Hormus bleibt derzeit faktisch blockiert. Sollte sich die Situation bis November nicht ändern, wird der Schlüsseltest nicht sein, ob Wizz Air bankrott gehen wird — sondern ob die 30 Millionen Euro Staatsdarlehn für AirBaltic ausreichen werden, um bis zum Winter durchzuhalten, ohne ein zweites Rettungspaket zu benötigen.