Am 21. Mai bestätigte die Pepco Group offiziell ihren Eintritt auf den ukrainischen Markt. Der Geschäftsführer der Gruppe, Stefan Borchert, nannte dies ein «sorgfältig kontrolliertes Pilotprojekt in ausgewählten Regionen» — und fügte sofort hinzu, dass die Ukraine «perspektivisch eine bedeutende neue Wachstumsquelle werden kann».
Das Unternehmen gab keine konkreten Städte und Starttarmine bekannt. Allerdings hatte sich die Situation bereits vor der offiziellen Ankündigung abgezeichnet: Nach Angaben der Association of Retailers of Ukraine (RAU) führte die Beratungsfirma Retail&Development Advisor (RDA) als exklusiver Vertreter von Pepco in der Ukraine bereits Verhandlungen mit Unternehmern über die Einrichtung der ersten Standorte. Laut Forbes Ukraine, was der RDA-Partner Andriy Zhuk bestätigte, könnten bis Ende 2026 zwischen 5 und 10 Geschäfte in der Ukraine eröffnet werden.
Warum ausgerechnet jetzt — und warum ein Discounter
Die Logik des Markteintritts ist nur auf den ersten Blick paradox. Nach einer Studie von Deloitte Ukraine gaben Ukrainer 2025 nur 5% des monatlichen Budgets für Kleidung und Schuhe aus — halb so viel wie gewünscht. Über 80% der Ausgaben entfallen auf Grundbedarf: Lebensmittel, Nebenkosten, Gesundheit. Genau für diesen verarmten, aber großen Markt ist das Discounter-Format — niedrige Preise für Kleidung und Haushaltswaren — organisch.
Parallel dazu haben polnische Einzelhandelsketten in der Ukraine bereits eine dominierende Position aufgebaut. Wie LIGA.net berichtet, haben polnische Netzwerke nach fast vier Jahren Krieg den größten Anteil am ukrainischen Modemarkt übernommen. Die LPP Group (Reserved, Sinsay, Cropp) betrieb Ende 2023 noch 144 Geschäfte. Pepco betritt einen bereits von polnischen Marken vorbereiteten Raum.
«Wir starten ein sorgfältig kontrolliertes Pilotprojekt in ausgewählten Regionen der Ukraine — auf einem Markt, auf dem Pepco bereits eine anerkannte Marke hat und der perspektivisch eine bedeutende neue Wachstumsquelle für die Gruppe werden kann».
Stefan Borchert, Geschäftsführer der Pepco Group
Finanzkontext: Das Unternehmen wächst und sucht neue Märkte
Die Entscheidung für die Ukraine fiel vor dem Hintergrund starker Ergebnisse der Gruppe. Nach vorläufigen Daten der Pepco Group für das Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 8,7% auf 4,523 Mrd. EUR, die EBITDA um 10,3% auf 865 Mio. EUR, der Nettogewinn um 19,7% auf 219 Mio. EUR. Die Gruppe verkaufte das britische Poundland im Juni 2025 und konzentriert sich nun ausschließlich auf die Marken Pepco und Dealz — sucht also aktiv nach Einsatzmöglichkeiten für Kapital.
Gleichzeitig wird das Wettbewerbsumfeld in der Ukraine komplizierter. Während sich Pepco auf den Markt vorbereitet, verlässt Reebok den Markt: Wie RBK-Ukraine berichtet, wird der türkische Betreiber FLO Retailing, der die Einzelhandelskette in der Ukraine verwaltete, im Frühjahr 2026 die letzten zwei Kiewer Geschäfte wegen Unrentabilität schließen.
Was bleibt unbekannt
- Regionen des Starts — Pepco nannte keine Stadt. Die Vorsicht wird durch Sicherheitsrisiken erklärt: Das Pilotprojekt sieht die Auswahl von Städten mit geringerer Wahrscheinlichkeit von Raketenangriffen auf die Infrastruktur vor.
- Risikoabsicherungsmechanismus — das Unternehmen offenbarte nicht, welche Deckung oder Garantien den Eintritt für die Aktionäre akzeptabel machen.
- Lokale Konkurrenz — das Discounter-Format in der Ukraine wird teilweise durch Second-Hand-Läden und Online-Marktplätze abgedeckt, die während des Krieges stark gewachsen sind.
Ein Pilotprojekt mit 5–10 Geschäften ist ein Wagnis, keine Strategie. Wenn Pepco bis Ende 2026 Geschäfte in drei oder mehr Regionen eröffnet und ein positives Betriebsergebnis zeigt — wird dies ein Signal für andere große europäische Einzelhandelsketten sein, die die Ukraine bisher in der Kategorie «Beobachtung» halten. Wenn das Pilotprojekt sich jedoch auf ein einzelnes Lwiw beschränkt und eingefroren wird — wird bestätigt, dass selbst der vorsichtigste Eintritt derzeit nicht von der Geschäftsmodell abhängt, sondern von der Dynamik der Front.