Fünf Jahre – vom anonymen Käufer zum öffentlichen Eigentümer
Im Juli 2020 gewann die LLC „Smartland" eine Auktion des Staatsvermögensfonds und erwarb das Hotel „Dnipro" am Chreschtschatyk für 1 Milliarde 111 Millionen Hrywnja. Unmittelbar nach der Auktion stellte sich der Gründer des Cyber-Teams NAVI, Oleksandr Kohanowskyj, als echter Käufer vor und kündigte Pläne zur Umwandlung des Hotels in einen E-Sport-Hub an. Parallel dazu dokumentierten Journalisten – insbesondere LIGA.net – den Namen Maxim Krippa. Vertreter des Geschäftsmannes bestritten dies.
Am 9. April 2025 bestätigte die Pressestelle Krippa offiziell: Er ist Miteigentümer des „Dnipro". Die Bestätigung brauchte fast fünf Jahre.
Was hinter dem Hotel steckt: das größere Bild
Das „Dnipro" ist nur ein Teil der Konstruktion. Am Ort des Hotels war ein großangelegtes E-Sport-Projekt geplant, doch die Pläne änderten sich zusammen mit der Zusammensetzung der Investoren. Stattdessen verfolgte Krippa eine andere Logik: die Konsolidierung von Premiumimmobilien im Herzen der Hauptstadt.
- Im Jahr 2020 erwarb er das Hotel „Dnipro", 2023 den Villenkomplex in Koncha-Zaspa sowie das Geschäftszentrum „Parus".
- Im Jahr 2024 gewann das Unternehmen „Ola Fine" von Krippa die Privatisierungsauktion des Hotels „Ukrajina" – der Endpreis betrug 2,51 Milliarden Hrywnja, und es wurden über 3 Milliarden Hrywnja inklusive MwSt. in die Staatskasse überwiesen.
- Im Februar 2025 erlaubte das Antimonopolkomitee dem Investmentfonds „ARS Capital" – dessen einziger Begünstigter Krippa ist – die Kontrolle über die LLC „Graal" zu erlangen, die ein Grundstück zur Bebauung am Chreschtschatyk 5 neben dem Hotel „Dnipro" pachtet.
Das Konzept sieht den Bau eines Büro- und Hotelkomplexes „Stolytschnyj" sowie eine umfangreiche Rekonstruktion der angrenzenden Gebiete um den Europaplatz und den Chreschtschatyk vor. Die Baugenehmigung wurde von der Staatlichen Inspektionen für Architektur und Stadtplanung bereits im August 2024 erteilt.
Ritz-Carlton oder Four Seasons: Die Marke als Marktsignal
Die Anziehung eines internationalen Betreibers ist nicht nur Marketing. Für ein Luxushotel im kriegführenden Kyjiw ist dies in erster Linie eine Frage der Versicherung, Finanzierung und eines Reputationsschirms für ausländische Gäste.
„Nach Ende des Krieges werden solche Vermögenswerte zwei- bis dreimal mehr wert sein als die heutige Bewertung, und nach der Renovierung noch mehr"
Maxim Krippa, Forbes Ukraine
Bezüglich des Hotels „Ukrajina" erwägt Krippa das Format „Four Seasons Ukrajina". Nach Angaben der Pressestelle werden für das „Dnipro" Ritz-Carlton oder Four Seasons in Betracht gezogen – beide Marken erfordern eine vollständige Rekonstruktion nach ihren eigenen Standards, was faktisch bedeutet: Das heutige „Dnipro" in seiner jetzigen Form wird nicht erhalten bleiben.
Was dies für die Stadt bedeutet
Das Projekt „Stolytschnyj" sieht 219 Apartments, Büros, Geschäftsräume und ein mehrstöckiges unterirdisches Parkhaus vor – die Gesamtfläche des Komplexes beträgt 44.140 Quadratmeter. In Kombination mit zwei Hotels und dem Geschäftszentrum „Parus" kontrolliert ein privater Investor faktisch die Bebauung mehrerer Stadtblöcke in der teuersten Lage des Landes.
Die Finanzierung der Transaktionen erfolgt ausschließlich aus Eigenmitteln der Investitionsstrukturen, ohne Anziehung von Haushaltsmitteln – zumindest behauptet dies „ARS Capital" selbst. Krippa hat weder Details der Eigentumsstruktur noch Kapitalquellen öffentlich gemacht.
Die Schlüsselfrage für den Immobilienmarkt Kyjiws lautet: Wenn bis Ende 2026 keine der internationalen Marken ein Letter of Intent mit dem Eigentümer des „Dnipro" oder der „Ukrajina" unterzeichnet, bedeutet dies, dass die Investitionslogik auf Erwartungen der Wiederaufbau nach dem Krieg ausgerichtet ist – und nicht auf echte Nachfrage hier und jetzt.