Stefano Gabbana verließ seinen Posten als Vorsitzender des Aufsichtsrats von Dolce & Gabbana bereits im Dezember 2025. Öffentlich wurde dies erst im April bekannt — nachdem Bloomberg Zugang zu den Registrierungsdokumenten der Mailänder Handelskammer erhielt. Das Unternehmen bezeichnete die Veränderung als „natürliche Weiterentwicklung der Organisationsstruktur", doch die Chronologie der Ereignisse zeichnet ein anderes Bild.
Stiller Rückzug vor dem Hintergrund von Schuldverhandlungen
Dolce & Gabbana führen derzeit Verhandlungen mit Kreditbanken über die Refinanzierung von etwa €300 Millionen Schulden bis 2030 und die Aufnahme zusätzlicher €150 Millionen — für die Expansion des Beauty-Bereichs und Immobilien. Dies ist bereits der zweite Versuch: Im vergangenen Jahr führte das Unternehmen eine ähnliche Runde durch und erhielt eine vorübergehende Befreiung von einigen Schuldverpflichtungen, wie Time News berichtet.
Nach Angaben von Bloomberg betrug der Umsatz der Marke für 2024–2025 €1,9 Milliarden, doch der Druck der Bankschulden ist zum Hauptpriorität des Managements geworden. Genau in diesem Moment erwägt Gabbana laut Bloomberg Optionen für den Ausstieg aus seinem 40%-Anteil.
„Sein Rückzug vom Vorsitz des Vorstands ist die erste formale Trennung zwischen der kreativen Identität der Marke und ihrer Managementstruktur seit der Gründung des Unternehmens".
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Wer führt jetzt
Nach Gabbanas Rücktritt wurde im Januar 2026 Alfonso Dolce Vorsitzender des Vorstands — der Bruder des Mitgründers Domenico Dolce und derzeitiger CEO des Unternehmens. Die Kontrolle über die Marke bleibt also bei der Familie Dolce. Wie Hypebeast berichtet, wird parallel die mögliche Ernennung von Stefano Cantino — ehemaliger CEO von Gucci — für eine Top-Management-Position diskutiert, obwohl es noch keine offizielle Bestätigung gibt.
Warum dies mehr als nur eine Personalrotation ist
Über vierzig Jahre lang bauten Gabbana und Dolce die Marke als untrennbares Paar auf — Kreativität und Geschäft in einer Hand. Jetzt findet eine Trennung statt: Gabbana bleibt in einer „kreativen Rolle", aber ohne Platz in der Geschäftsführung und möglicherweise ohne Eigentumsanteile. Dies ist keine einzigartige Situation auf dem Luxusmarkt — Kering, LVMH und Chanel haben in den letzten Jahren auch Eigentumsstrukturen von Familienmarken überprüft. Aber für D&G, dessen Marketing immer auf den Persönlichkeiten der Gründer aufgebaut war, bedeutet Gabbanas Ausscheiden aus dem Kapital eine grundlegende Veränderung dessen, was zusammen mit einem Kleid oder einem Parfüm verkauft wird.
- €300 Millionen — Schulden zur Refinanzierung bis 2030
- 40% — Gabbanas Anteil, den er zum Verkauf erwägt
- €1,9 Milliarden — Umsatz für 2024–2025
- Dezember 2025 — tatsächliches Rücktrittsdatum, das nicht angekündigt wurde
Wenn Gabbana seinen Anteil doch an einen strategischen Investor oder einen der Luxusgiganten verkauft — wird D&G aufhören, eine unabhängige Familienmarke zu sein. Die Frage ist, ob das Unternehmen sich unter akzeptablen Bedingungen refinanzieren kann, ohne einen solchen Verkauf zu tätigen, oder ob der Schuldendruck diese Entscheidung selbst für die Gründer treffen wird.