Die EU zahlte Russland 2,88 Milliarden Euro für Gas aus Jamal – und das noch vor dem Höhepunkt der Einkaufssaison

Während Brüssel ein Verbot für russisches LNG ab 2027 vorbereitet, haben europäische Käufer ihre Importe aus dem sibirischen „Jamal LNG" um 17% erhöht – und sind strukturell noch mindestens ein Jahr lang auf diese Lieferungen angewiesen.

11
Teilen:
Ілюстративне фото: depositphotos.com

Im ersten Quartal 2026 importierte Europa 5 Millionen Tonnen Flüssiggas aus dem russischen Projekt „Jamal LNG" — 17% mehr als im ersten Quartal 2025. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler, das von der Umweltorganisation Urgewald veröffentlicht wurde, belief sich die Rechnung für die EU auf etwa €2,88 Milliarden ($3,33 Milliarden) für drei Monate.

Warum gerade jetzt — und warum so viel

Zwei Faktoren fielen zusammen. Erstens störte die Schließung der Straße von Hormus durch den Iran die globalen LNG-Tankerouten: Der Schiffsverkehr durch die Straße sank um 70%, Frachtraten für Gastanker erreichten Rekordhöhen. Zweitens ist „Jamal LNG" physisch an Europa gebunden: 97% seiner Exporte gehen an europäische Terminals.

Der Grund ist konstruktiv, nicht politisch. Für Winterfahrten in der Arktis nutzt „Jamal" eine Flotte von 14 spezialisierten Eisbrechertankern Arc7. Diese können nur in wenigen Häfen entladen werden, die sie aufnehmen können. Gewöhnliche LNG-Gastanker (kein Arc7) können die Ob-Bucht nur im Sommer befahren — von Juni bis November. Das heißt, im Winter gibt es keine Alternative: entweder Europa oder Stillstand.

„Die EU hält den größten Einflusshebel auf ‚Jamal LNG' in der Hand — einen strategischen Vorteil, den sie bisher nicht genutzt hat".

Sebastian Rötters, Forscher und Kampagner bei Urgewald

Nach Angaben von Urgewald gab die EU 2025 insgesamt €7,2 Milliarden für Gas aus „Jamal" aus. Der größte Käufer ist Frankreich (6,3 Millionen Tonnen), gefolgt von Belgien (4,2 Millionen Tonnen). Im Februar 2026 gingen alle 21 Ladungen aus Jamal zum ersten Mal seit 2018 ausschließlich in EU-Länder — keine nach Asien.

Was Ökonomen sagen

Der Analyst Paweł Czyzak vom Energieanalysezentrum Ember behauptet, dass ein Verbot für russisches LNG weder einen Preisschock noch Versorgungsprobleme verursachen würde. „Eine Entfernung des russischen LNG aus dem Mix dürfte die Preise kaum beeinflussen — und wird die Versorgungssicherheit definitiv nicht beeinträchtigen", sagte er in einem Kommentar für S&P Global.

Kritiker hingegen weisen darauf hin: Die EU hat selbst das Aufschub gewählt. Die Entscheidung, das Verbot für russisches LNG ab Anfang 2027 (Pipelines ab 2028) einzuführen, traf Brüssel im Dezember 2025. Die offizielle Begründung — den Käufern Zeit zum Umschreiben von Verträgen ohne Preissprünge geben. Die inoffizielle Realität — Frankreich, Belgien und Spanien bauten ihre Einkäufe in Erwartung des Verbots aktiv aus.

Der Schatten voraus

Urgewald warnt vor einem anderen Risiko: Wenn die Charterverträge für Arc7-Tanker auslaufen, könnte Russland diese in die „Schattenflotte" überführen. Das bedeutet, dass die EU selbst nach dem offiziellen Verbot der EU die Lieferungen deutlich schwerer verfolgen und stoppen kann — wie es bereits bei Öl geschehen ist.

  • €2,88 Milliarden — Zahlungen der EU an Russland nur im ersten Quartal 2026
  • €7,2 Milliarden — Gesamtsumme für das gesamte Jahr 2025
  • 14 Arc7-Tanker — die gesamte Flotte, die die Winterlieferungen sichert
  • 97% von Jamals Exporten — der Anteil, der nach Europa geht

Wenn die EU bis Ende 2026 keinen Kontrollmechanismus für den Übergang von Arc7-Tankern unter neue Flaggen einführt, riskiert das offizielle Verbot von 2027, eine Erklärung zu bleiben — und nicht zu einer echten Unterbrechung der Energiebeziehungen zu Russland zu werden.

Weltnachrichten

Geschäft

Nach einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sind durch die Meerenge weniger als ein Dutzend Schiffe gefahren. Teheran hat die Verkehrsmenge begrenzt, erhebt Gebühren von über einer Million Dollar pro Fahrt und fordert Zahlungen in Bitcoin oder Yuan – ein Schema, das selbst gegen Sanktionen verstoßen könnte.

1 Stunde vor