Am 23. April eröffnete das Handelsgericht der Oblast Odessa das Insolvenzverfahren gegen die Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Tedis Ukraina". Antragsteller war die Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Akkord Gold": Das Unternehmen hatte eine Vorauszahlung von 38,1 Millionen Griwna gemäß Liefervertrag für 2025 geleistet, die Ware nicht erhalten, vereinbarte eine Rückzahlung — und erhielt diese ebenfalls nicht. Die Klage auf Insolvenz war ein äußerstes Mittel.
Aber 38 Millionen sind nur das, was an der Oberfläche liegt.
Jahre von Bußgeldern, die niemand zahlte
Bereits 2016 erkannte das Antimonopolkomitee der Ukraine (AMKU) „Tedis Ukraina" als Monopolist auf dem gesamtstaatlichen Markt für die Verteilung von Zigaretten an und forderte das Unternehmen auf, die Verstöße zu beheben. Das Unternehmen setzte die Entscheidung nur teilweise um. 2021 verhängte man deshalb ein neues Bußgeld — 274 Millionen Griwna. Strafzinsen für Zahlungsverzug — noch einmal genauso viel. Zusammen: 548 Millionen Griwna.
„Der erwähnte Beschluss des Obersten Gerichtshofes, der zu Gunsten des Komitees erlassen wurde, ist endgültig und unterliegt keinen weiteren Anfechtungen"
— AMKU, August 2023, nachdem „Tedis" die Revision beim Obersten Gerichtshof verloren hatte
Das Unternehmen zahlte auch danach nicht. Im Oktober 2025 verhängte das Berufungsgericht eine Kontosperre gegen die Bankkonten von „Tedis Ukraina" — aber wie in den Medien, die den Fall verfolgten, angegeben, war auf den Konten zu diesem Zeitpunkt fast nichts mehr vorhanden. In den ersten drei Quartalen 2025 fiel der Umsatz des Unternehmens auf 4,5 Millionen Griwna — im Vergleich zu milliardenschweren Umsätzen in den Vorjahren.
Schulden gegenüber der Steuerbehörde und liquidiertes Vermittlungsunternehmen
Parallel zu den AMKU-Bußgeldern lief eine Ermittlung zu Steuerschemata. Das mit „Tedis" verbundene Unternehmen „Kavton Group" hatte nach Angaben der Steuerbehörde (DPS) eine Mehrwertsteuerschuld von 722 Millionen Griwna gebildet. Das Lemberger Bezirksverwaltungsgericht liquidierte „Kavton Group" auf Klage der Hauptverwaltung der Steuerbehörde in der Oblast Lemberg und erkannte es als fiktiv an.
Ein neuer Akteur mit demselben Gesicht
Während „Tedis" gegen Null schrumpft, ist der Markt für Zigarettenverteilung in der Ukraine auf einen neuen Marktführer übergegangen — DL Solution. Nach Angaben von „Oboserewatel" und „Telegraf" ist das Unternehmen nach allen Anzeichen mit demselben Besitzer von „Tedis", Boris Kaufman, verbunden, ist aber juristisch von ihm getrennt — und daher nicht verpflichtet, weder die AMKU-Bußgelder noch die Steuerschulden des Vorgängers zu zahlen. DL Solution ist bereits in Strafverfahren verwickelt.
Das Schema wird von Journalisten als klassische „kontrollierte Insolvenz" beschrieben: Das Vermögen wird ausgegliedert, die Schulden bleiben bei der juristischen Hülle, die neue Struktur führt das Geschäft fort.
Was kommt danach
Formal wurde das Insolvenzverfahren gegen „Tedis Ukraina" gerade eröffnet — vor uns liegt die Bestimmung der Gläubiger, die Bestandsaufnahme von Vermögenswerten und die Liquidationsprozedur. Praktisch steht der Staat bereits in der Warteschlange der Gläubiger mit einem Anspruch von 548 Millionen Griwna gegen ein Unternehmen, das, gemessen an den Einnahmen 2025, nichts zu zahlen hat.
Wenn das AMKU und die Steuerbehörde nicht den juristischen Zusammenhang zwischen „Tedis Ukraina" und DL Solution nachweisen, wird der Staat aus dieser Insolvenz mit leeren Händen hervorgehen — und der neue Monopolist wird das Geschäft ohne jegliche Verpflichtungen des Vorgängers fortsetzen.