Türkei bietet der NATO eine Erdölleitung für 1,2 Milliarden Dollar an – und das ist fünfmal günstiger als die Alternativen

Ankara möchte seine Brennstoffinfrastruktur vor dem NATO-Gipfel im Juli über Bulgarien mit Rumänien verbinden. Das Hauptargument ist der Preis: Die türkische Route kostet ein Fünftel der Routen durch Griechenland oder Rumäniens westliche Nachbarn.

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Фото: depositphotos.com

Die Türkei hat der NATO vorgeschlagen, eine Militär-Treibstoffleitung im Wert von 1,2 Milliarden Dollar zu bauen – von ihrem Territorium nach Rumänien über Bulgarien. Nach Angaben von Bloomberg wurde die Initiative dem Bündnis kurz vor dem Gipfel präsentiert, den Ankara im Juli 2025 ausrichtet.

Warum jetzt und warum das interessant ist

Die NATO stützt sich seit Jahrzehnten auf ein Netz von Infrastruktur aus dem Kalten Krieg: Central Europe Pipeline System (CEPS) – mehr als 5.300 km Rohre durch Frankreich, Benelux und Deutschland, bereits 1958 gebaut. Die Ostflanke – Polen, die baltischen Länder, Rumänien – bleibt außerhalb dieses Netzes. Treibstoff wird dorthin bisher mit Lastkraftwagen und der Eisenbahn transportiert.

Wie Investing.com unter Berufung auf Bloomberg berichtet, würden alternative Routen nach Rumänien – über Griechenland oder westliche Nachbarn – Seeverkehr erfordern, was sie anfälliger für Störungen macht. Die türkische Route kostet Schätzungen zufolge fünfmal weniger.

«Russlands Invasion der Ukraine und Konflikte im Nahen Osten, insbesondere Unterbrechungen in der Versorgung durch die Schließung der Straße von Hormus, zwangen die NATO, ihre Treibstofflogistik zu überdenken»

Investing.com / Bloomberg

Wo liegt der Vorteil Ankaras

Die Türkei ist nicht nur ein Transitkorridor. Sie verfügt bereits über zwei nationale Militär-Treibstoffsysteme (TUPS – westlich und östlich), die in das NATO-Netz integriert sind. Das neue Rohr würde ihre Rolle als Lieferant für Verbündete im Osten erweitern. Der Vorschlag wird einen Monat vor dem Gipfel gemacht, den Ankara selbst ausrichtet – das ist eine offene Bewerbung um strategische Führung innerhalb des Bündnisses.

Parallel laufen 2025 Verhandlungen über die Erweiterung des CEPS in Mitteleuropa: Diskutiert wird eine Route Schwedt (Deutschland) – Płock (Polen). Die NATO schließt also gleichzeitig mehrere «weiße Flecken» auf ihrer Treibstoffkarte.

Was bleibt offen

Die Leitung wird als rein militärisch dargestellt – ohne zivile Nutzung. Doch die Türkei hat bereits gezeigt, dass sie Interessen verbinden kann: TurkStream ist formal eine kommerzielle Gasleitung, wurde aber zum Instrument des geopolitischen Handelns mit Moskau und Brüssel gleichzeitig. Wird die NATO die Finanzierung aus dem Programm für Sicherheitsinvestitionen (NSIP) genehmigen – das ist die Schlüsselfrage: Das Programmbudget 2025 beträgt 1,7 Milliarden Euro, und es gibt reichlich Konkurrenten um diese Mittel von Tallinn bis Warschau.

Falls die Entscheidung nicht bis zum oder während des Ankara-Gipfels getroffen wird – wie Bloomberg-Quellen prognostizieren – riskiert die Initiative, sich in eine weitere dokumentierte Absichtserklärung ohne Umsetzungsfristen zu verwandeln.

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